Ann. d. Hydr. etc., XXX. Jahrg. (1902), Heft XI.
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Segelanweisung für die Kamerun-Küste von Kap Isongo—Bibundi
bis Kap Madale.
Bericht S. M. S. „Wolf“, Komdt, Kaptlt. Bechtel. April 1902,
Grenzen. Allgemeine physikalische Beschaffenheit, Das Ver-
messungsgebiet S. M. S. „Wolf“ für das Jahr 1901/02 erstreckt sich von Kap
Isongo nach Kap Debundscha in nordwestlicher und von dort nach Bibundi in
nördlicher Richtung. Von Bibundi ab macht die Küste einen grofsen nach SW
offenen Bogen bis Kap Madale. Das Land ist zum gröfsten Theil vulkanischen
Ursprungs und wird durch Lavamassen des grofsen Kamerun-Berges gebildet.
Von Isongo bis kurz vor Bibundi treten die Lavamassen steil an die Küste
heran und werden nur an wenigen Stellen durch kleine Sandstrände unter-
brochen, die eine Landung ermöglichen. Von Bibundi bis Madale wird der
Strand durch angeschwemmten Sand gebildet. Dieser Strandbildung entsprechend
wird auch die Meerestiefe im südlichen Theile des Vermessungsgebietes direkt
am Ufer sofort gröfser und nimmt rasch zu, während im nördlichen Theile die
Tiefen infolge des Schlick- und Schwemmsandes allmählich abnehmen und in
Sandstrand übergehen. Der Felsenküste sind hier und da einzelne Felsblöcke
vorgelagert, die jedoch sämmtlich direkt an der Küste liegen. Nur bei. Kap
Madale erstreckt sich ein ganzer Zug von Felsen in südwestlicher Richtung in
die See hinaus. Der äufserste Felsen dieser Kette ist ungefähr 1,5 Sm vom
Strande entfernt.
Nach innen schliefsen sich an die Küste. mehr oder minder steile Hügel
an. Zwischen Kap Bartsch und Kap Madale bildet das Land fast eine Ebene,
die sich an den grofsen Kamerun-Berg anlehnt und allmählich in diesen über-
geht. Hier befinden sich auf der nördlichen Seite. des Bibundi-Flusses die
Sanje-Farm und auf der südlichen die Bibundi-Pflanzung. Beide Pflanzungen
bauen Kakao, Bibundi exportirt auch etwas Tabak, der jedoch nicht rein in
den Handel kommt, sondern nur zu Deckblättern verwendet wird. Die Pflanzung
Debundscha pflanzt nur Kakao, ebenso wie Isongo. Bibundi und Isongo ge-
hören zur Bibundi-Pflanzungsgesellschaft, während Sanje und Debundscha Privat-
leuten gehören.
Strömung und Gezeiten. Die Strömung an dieser Küste ist eine sehr
geringe. .Zwischen Isongo und Debundscha flielst bei Fluth südöstlicher und
bei Ebbe nordwestlicher Strom, dessen Geschwindigkeit aber höchstens 0,5 Sm
erreicht. Nach der Rundung des Kap Debundscha setzt der Strom in nordöst-
licher Richtung bei Fluth und bei Ebbe mit nur geringen Stärkeschwankungen
und nicht über 0,5 Sm auf die Pflanzung Debundscha zu. Die Strömung fliefst
dann an der Küste entlang über Bibundi nach Madale: Die Hafenzeit bei
Bibundi beträgt gegen 4* 30m=in, der Springhub gegen 2m. Die Brandung
gestattet bei nicht zu hoher Dünung in der Trockenzeit eine Landung an den
Sandstränden. Während der Regenzeit soll eine Landung auch mit den Brandungs-
booten der Woermann-Dampfer oft ausgeschlossen sein, so dafs die Dampfer
tagelang warten müssen, um ihre Ladung löschen zu können.
Wege und Landungsplätze. Die Wege sind nur schmale Pfade und
theilweise recht schlecht. Man rechnet von Isongo nach Oechelhausen 1 40min,
von Isongo nach Debundscha 1* 50=i", von Debundscha nach Bibundi auf einem
äufserst schlechten Wege 4* 30=i»n, Die Sanje-Farm ist auf gutem Wege. etwa
25®in von Bibundi entfernt. Nach Madale gelangt man am besten mit in Sanje
gemietheten Kanoes auf der Lagune entlang. Gute Landungsplätze bei guter
Witterung sind: Der Hafen von Isongo, der auch bei schlechtem Wetter ge-
schützt liegt, und folgende Sandstrände:
i, Der grofse Sandstrand südlich von Kap Debundscha,
2.. Der Sandstrand zwischen Kap Debundscha N und Debundscha S.
Ann, d. Hydr. ete., 1902, Heft XI.