510 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1902.
salzreiche Tiefenschicht; die Verschiebungen der Grenze zwischen beiden Wasserarten oder — was
hier auch gilt — beiden Strömungen; die ozeanographischen Zustände in dem noch unerforschten
Theile des Nordpolarbeckens; Vergleich der Ozeanographie des Nordpolarbeckens mit derjenigen des
Europäischen Nordmeeres u, 8, w.
Veber die Grenzen der im Nördlichen Eismeere zur Erörterung stehenden Fragen hinaus
beanspruchen einige allgemeine Erörterungen hohe Beachtung, nämlich die neuen, unter der be-
zonderen Betheiligung W.Xkmans zu Stande gekommenen Abhandlungen über die Gröfse der Ab-
ljenkung von Meerestriften unter dem Einfüusse der Erdrotation, über den Einflufs des Windes auf
die Oberflächenströmungen und über die Tiefe der letzteren, über den Einflufs des Windes auf Eis-
iriften (S. 369, 381, 386). Es werden dabei mehrfach von Zöppritz, Krümmel u. A. abweichende
Anschauungen vertreten,
Die Ausstattung des Werkes mit Karten und Diagrammtafeln ist eine sehr reiche und an-
schauliche. Als besonders lehrreich auch für solche, welche ein specielles Studium aus dem Werke
nicht machen können, seien angeführt eine in der Farbengebung originelle, wenn auch nicht schöne
Tiefenkarte der Barents- und Kara-See (Tafel III), Karten der geographischen Vertheilung des Salz-
gehaltes und der Temperatur an der Oberfläche derselben beiden genannten Meerestheile (I, IT),
sowie endlich die typischen zwei Profile durch das Nördliche Eismeer auf Tafel XIV und XV,
welche ebenfalls Wärme und Salzgehalt berücksichtigen.
Die wissenschaftliche Meereskunde hat alle Ursache, für diese eindringende Bearbeitung der
pzeanographischen Resultate der „Fram“-Kxpedition Prof. Nansen dankbar zu sein. Gar manchem
Expeditionsführer ist es wohl gegeben, als Mann der That Beobachtungen selbst unter schwierigsten
Umständen anzustellen, aber nicht gegeben, in mühseligem, anstrengendem Studium am Schreibtisch
die Ergebnisse hieraus zu ziehen; Nansen hat gezeigt, dafs er Beides zu leisten vermag.
6. Schott.
Breusings Nautische Tafeln. Im Verein mit Dr. O0. Fulst und Dr. H. Meldau
neu zusammengestellt und herausgegeben von Dr. C. Schilling, Direktor
der Seefahrtschule in Bremen. Nebst vier magnetischen Karten, entworfen
von Prof. Dr. G; v. Neumayer, Wirkl. Geh. Admiralitätsrath, Direktor
der Deutschen Seewarte. 7. Aufl. M. Heinsius Nachf, Leipzig 1902.
8°, 265 8.
Zu der kürzlich erschienenen neuen 6. Auflage des bekannten Breusingschen Lehrbuches
der Steuermannskunst sind nunmehr auch die Tafeln in 7. Auflage in neuer und erweiteter Gestalt
erschienen. Gegen früher ist die Zahl der Tafeln um 8 vermehrt worden. Sie beträgt jetzt 51;
dabei sind aber einige ältere fortgelassen und dafür andere eingeschoben worden. Neu ist z. B.
Tafel 8, welche log cos? 5 enthält, die zur Berechnung des Azimutes eines Gestirns aus seiner Höhe
dienen soll; ferner Tafel 11 und 12 zur Abstandsbestimmung; "Lafel 20 Berücksichtigung des
Unterschiedes der Wasser- und Lufttemperatur bei der Kimmtiefe; Tafel 46 dient zur Berechnung
der Ablenkung der Kompasse nach der Ablenkungsformel u. s, w. Andere Tafeln sind geändert
oder neu eingerichtet. So sind statt Bogensekunden jetzt Zehntel Bogenminuten gegeben (Tafel 6,
16 etc.) oder statt Bogenminuten Hundertstel Grade (Tafel 1). Tafel 5 giebt die Logarithmen der
Sinus der Winkel von 0° bis 2° bezw. der Kosinus der Winkel von 88° bis 90° von 0,1‘ zu 0,1'
gegen früher von 1” zu 1”. In Tafel 6, die Logarithmen der trigonometrischen Funktionen, sind
Interpolationstäfelchen (Schalttheile) am Rande heigefügt, welche Zehntelminuten geben, was vielen
Rechnern erwünscht sein wird.
Die Täfeln scheinen mit grofser Sorgfalt durchgesehen zu sein, wenigstens haben mehrfache
Stichproben, abgesehen von einigen nebensächlichen Schönheitsmängeln, keine Fehler finden lassen.
Nur in der Einleitung mufs es Seite XVI im Beispiel 0,1‘ statt 0,4 und Seite XVII im Beispiel
25,5’ statt 22,5‘ heißen.
Referent vermifst ein Inhaltsverzeichnifs, welches neben den Erklärungen zum leichteren
Auffinden der Tafeln geeignet wäre, was bei einer Neuauflage leicht nachgeholt werden kann,
Auch dürfte die Papierqualität für Tafeln etwas besser sein, dagegen verdient die schöne Aus-
stattung besondere Erwähnung. Es darf angenommen werden, dafs das Buch auch in seiner neuen
Gestalt sich derselben Beliebtheit in den Seefahrtskreisen erfreuen wird, wie es sie früher besafs.
Mitt.
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
Berlin SW, Kochstrafse 68—71.