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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1902.
Der Fehler könnte also nur bei sehr kleinen Zenitdistanzen merklich
werden, bei gröfseren Zenitdistanzen ist er verschwindend klein. So beträgt der
Fehler in u beim ersten Beispiel noch nicht 1”, beim zweiten Beispiel etwas
mehr wie 2“. Dieser Fehler ist selbstverständlich für alle drei Formeln gleich.
Aus der Gleichung (a) erhält man ferner, wenn sie nach u und den Hülfs-
winkeln differentiirt wird:
— tgul ; tg uf __
N CE AT
Diese Gleichung zeigt, dafs ein Fehler in u hauptsächlich von dem Fehler
in x-—y abhängt und um so merklicher wird, je kleiner dieser Unterschied
selber ist.
Aus Gleichung (b) findet man:
und wenn man cotg* v/a durch x und y ausdrückt
„dx ydx—xdy
du = tg uß xt tg ul ZGZy
und hieraus schließlich:
dx-—dy
du = tg uf =
Es war ferner nach (c)
| x —
sin u/2 = Y
sin z,
Alca
d {x —
du =— 2truh (x y
wr
Die letzten beiden Gleichungen müssen mit 206 265 multiplicirt werden,
damit man du in Bogensekunden erhält. Rechnet man also mit vierstelligen
Logarithmen, so ist ein Fehler von ein bis zwei Zehntel Minuten in du möglich.
Aufserdem ist der Fehler bei (c) doppelt so grofs wie bei (b). Dies sieht man
deutlich, wenn man die nach (a), (b) und (c) berechneten Resultate des zweiten
Beispiels miteinander vergleicht.
Nach meinem Dafürhalten berechnet man u am bequemsten nach der
Gleichung (b), und wird die Berechnung des Höhenunterschiedes dadurch
wenigstens etwas abgekürzt. Bemerken will ich noch, dafs man, falls die Höhe
in der Nähe des Meridians beobachtet war und der Fehler in der Zeit (Länge)
nicht zu grofs ist, leicht die Breite bestimmen kann, in der die Standlinie den
angenommenen Meridian schneidet. Es ist nämlich:
de — dh. secA
Geht man also mit dem Azimut als Kurs und mit u == dh als Breiten-
unterschied in die Gradtafel, so findet man in der Distanzspalte die Breiten-
berichtigung. Die Breitenberichtigung ist Nord, wenn das Azimut von Nord
nach Ost oder West spitz, dagegen Süd, wenn das Azimut von Süd nach Ost
oder West spitz und dh positiv ist. Die Breitenberichtigung hat den entgegen-
gesetzten Namen, wenn dh negativ ist. Selbstverständlich berechnet man eine
Nebenmeridianbreite nicht auf solchen Umwegen, ist aber die Rechnung mit
einer Höhe schon so weit durchgeführt und konnte eine zweite Höhe nicht beob-
achtet werden, so kann wenigstens die wahrscheinliche Breite bestimmt werden,
ohne die Rechnung wiederholen zu müsssen.
Der Vortheil dieser Berechnung des Höhenunterschiedes kommt aber mehr
zur Geltung, wenn man die Methode der Ortsbestimmung durch Höhenunterschiede
anwendet, wie sie in den Annalen 1901, Seite 323 ff,, von Herrn Dr. Wirtz ab-
geleitet wurde. Indem ich im Uebrigen auf die Abhandlung des Dr. Wirtz
verweise, soll, um dies zu zeigen, das erste dort gegebene Beispiel bis zu den
Endgleichungen berechnet werden,
Es waren in 51° 25’N 0* 26,3° Ost die Höhen von Capella, Jupiter und
Nordstern westlich vom Meridian beobachtet. Die abgelesenen, nur für