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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

498 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1902. 
gültige Formel dargestellt werden kann.!) Aufserdem ist es möglich, die Deviation 
auch bei gröfserer Veränderung der magnetischen Breite stets so klein zu 
halten, dafs eine Verlegung der Kompensationsmagnete nicht nöthig wird, vor- 
ausgesetzt, dafs die Kompensation eine richtige, den Verhältnissen ent- 
sprechende war. 
Zu einer korrekten Aufstellung des Kompasses gehört auch das Kompafs- 
haus selbst. Dasselbe mufs ebenfalls aus festem Teakholze von entsprechender 
Dicke gebaut sein und an dem unteren Ende in einer starken breiten Holz- 
platte auslaufen, die mit starken Schrauben fest mit dem Deck verbunden 
werden kann. Durch lose auf Deck aufgestellte Kompafshäuser, die nur mittels 
zweier Seitenstangen an Deck befestigt sind, wird die Kompafsrose bei bewegter 
See und starkem Arbeiten des Schiffes leicht unruhig. Noch mehr ist dies der 
Fall bei aus Metall gebauten Kompafshäusern, die überhaupt nicht verwandt 
werden sollten. 
Ist bei einem neuen Schiffe der Aufstellungsort der Kompasse bestimmt, 
so kann man durch das folgende einfache Verfahren, welches der Verfasser oft 
mit Erfolg angewandt hat, wenn das Schiff noch an der Werft liegt, für jeden 
Kompafsort Richtung und Stärke der auf den Kompals wirkenden magnetischen 
Kraft ohne besondere Rechnung annähernd bestimmen und die Koeffizienten 
der halbkreisartigen Deviation B und C demgemäfs durch Magnete kompensiren, 
Dem Verfahren liegen die beiden bekannten Formeln zu Grunde: 
2 
3 = % 5) cos  — (1+D) cos £ 
3 
= — 4 (4) sinz +A—D) sin 4 
worin t die Schwingungsdauer der Kompafsrose am Lande, t‘ die an dem 
Kompafsorte bedeutet. 
Liegt nun das Schiff an der Werft magnetisch auf einem Kurse an, 
welcher nicht weit von einem der Kardinalstriche O0, W oder N, S, 
und man dreht durch einen längsschiffs, bezw. querschiffs gelegten 
Kompensationsmagnet die Kompafsrose so weit, dafs der Kompafskurs & 
genau O0 oder W hbezw. N oder S ist, so ist man bei einiger Uebung 
im Stande, aus der Beobachtung der Schwingungsdauer der Kompafsrose 
am Bord, wenn die am Lande bekannt ist, ohne hesondere Berechnung 
im ersten Falle Gröfßse und Vorzeichen des Koeffizienten C, im zweiten Falle 
Gröfse und Vorzeichen des Koeffizienten B zu bestimmen und demgemäfs zu 
kompensiren, vorausgesetzt, dafs die Koeffizienten 4 und © mit hinreichender 
Genauigkeit geschätzt werden können. . 
‚ Ist zum Beispiel der magnetische Kurs 0zS und der Kompafs liegt etwa 
SOzO an, so legt man einen Magnet längsschiffs mit dem Südpol nach vorn 
und nähert ihn dem Kompafs so weit, bis O anliegt. Zeigt sich dann durch 
Beobachtung, dafs die Schwingungsdauer viel gröfser ist am Lande, so ist die 
Querschiffskomponente positiv (+ C), ist die Schwingungsdauer kleiner, so ist 
— C vorhanden. Je mehr die Schwingungsdauer von der am Lande abweicht, 
um 8o gröfser ist der Betrag des Koeffizienten. Zur Kompensation desselben 
ist im ersten Falle der Nordpol des querschiffs anzubringenden Magnets 
nach St. B., im zweiten Falle nach B. B. zu legen. Um dann C=00 zu 
machen, mufs, wie die Auswerthung der Formel für © zeigt, der Magnet dem 
Kompafls so weit genähert werden, dafs, wenn A den Werth von 0,85—0,9 und 
D den Werth von 0,03—0,04 hat, die Schwingungsdauer der Kompafsrose 1,1 
bis 1,15 mal gröfser ist als die am Lande. Bei kleinerem Werthe von / und 
größerem von © mufßs der Faktor, mit der die Schwingungsdauer am Lande 
zu multiplieiren ist, entsprechend vergröfsert werden. Man kann sich auch für 
verschiedene Werthe von Ai und © eine kleine Tabelle berechnen, die den 
Faktor unmittelbar ergiebt. Ist auf diese Weise C nahezu kompensirt, so wird 
1) Vergl. Koldewey: 1. Bemerkenswerthe Aenderungen der Derviation des Regelkompasses 
des Dampfers „Phoenicia* während des ersten Fahrtjahres. 2. Magnetische Beobachtungen an Bord 
der „Valdivia“ während der dentschen Tiefseeexpedition, Jahrgang 1897, Januar und Jahrgang 1902 
Juni, dieser Zeitschrift.
	        
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