accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Koldewey: Einiges über Aufstellung und Kompensation der Kompasse an Bord. 497 
hin nur als eine Annäherung angesehen werden. Ihre Verwendbarkeit bei der 
praktischen Navigirung ‚eines Schiffes ist nur möglich, wenn der Werth der 
Kurskoeffizienten v und v‘ den Betrag von 2° nicht übersteigt, da die 
Formel einen mittleren Zustand -der Erschütterungen voraussetzt und größere 
Abweichungen von diesem Mittel, wie sie ja auf See bei stürmischem Wetter 
und hohem Seegange immer vorkommen, auch eine Aenderung der Kurs- 
koeffizienten bedingen, die bei kleinen Werthen derselben nicht in. Betracht 
kommen, bei gröfseren aber Aenderungen in der Deviation hervorrufen, die 
nicht zu vernachlässigen sind. . 
Zur Vermeidung dieser durch den remanenten Magnetismus hervor- 
gerufenen allzu grofsan Aenderungen in der Deviation, die zu unbestimmt und 
schwankend sind, um sie immer in Rechnung ziehen zu können und daher eine 
sichere Navigirung, so weit diese von der genauen Innehaltung des Kurses 
abhängig ist, aufserordentlich erschweren, ist eine korrekte Aufstellung des 
Kompasses absolut erforderlich. Die Untersuchungen und Krfahrungen der 
Seewarte haben nun ergeben, dafs namentlich die Nähe eiserner Querschotten 
verbunden mit eisernen Decks unmittelbar unter dem Standort des Kompasses 
verderblich wirken und einen Betrag des Kurskoeffizienten zur Folge haben, 
der z. B. bei Dampfern auf Reisen von Europa nach den nordamerikanischen 
Häfen für die Hin- und Rückreise auf nördlichen und südlichen Kursen 
(Koeffizient C) eine Aenderung der Deviation von einem ganzen Kompafsstrich 
und darüber hervorruft. Die vielen Aufbauten über mehrere Decks, mit denen 
unsere modernen mächtigen Postdampfer versehen sind, machen die Sache nur 
noch schwieriger, und es ist vorgekommen, dafs für die Aus- und Rückreise 
nach und von Newyork der Koeffizient C sich um 15 bis 18° geändert hat. 
Da bei solchem Betrage diese Aenderung, je nach Richtung und Stärke von 
Wind und Seegang: und dem damit verbundenen verschiedenen Grade der Er- 
schütterungen des Schiffskörpers, von Reise zu Reise und selbst auf. eim und 
derselben Reise um mehrere Grade schwanken kann, so ist klar, dafs dadurch 
gerade unter schwierigen Verhältnissen, wenn direkte Beobachtungen der 
Deviation nicht zu erhalten sind, eine Unsicherheit über den gesteuerten Kurs 
und damit unter Umständen eine Gefahr für das Schiff, zum Mindesten eine 
Verzögerung der Reise entstehen wird. Die Aufstellung des Regelkompasses 
unmittelbar über einem eisernen Deckhause, namentlich wenn die Aufbauten 
mehrere Deckshöhen betragen, zieht noch den Uebelstand nach sich, dafs infolge 
der leichteren Uebertragbarkeit der Vibrirungen des Schiffes während der 
Fahrt durch das Eisen auf die Kompafsrose diese leicht unruhig wird und in 
Schwingungen geräth. Ebenso bringen bei neuen Schiffen die raschen Aende- 
rungen im magnetischen Zustande, die gleich nach. der ersten Indienststellung 
zu erfolgen pflegen, naturgemäfs eine um so gröfsere Aenderung in der Deviation 
hervor, je näher die miteinander verbundenen Eisenmassen der Aufbauten an 
den Kompalß heranreichen. So fand sich z. B. bei einigen vor kurzer Zeit 
dem Betrieb übergebenen neuen grofsen Dampfern, bei welchen der Regel- 
kompafs auch unmittelbar über den eisernen Deckbauten aufgestellt war, nach 
etwa 10- bis 12stündigen Dampfen eine Aenderung im Koffizienten C von etwas 
mehr als einem halben Strich. 
Um diese Uebelstände zu vermeiden, giebt es nur ein Mittel, nämlich 
den Regelkompafs über einem aus festem Holze (Teakholz) mit starkem 
Deck gebauten Hause aufzustellen, wodurch die Entfernung von den störenden 
untereinander verbundenen Eisenmassen der Aufbauten um mehr als 2 m ver- 
gröfsert wird, und zwar in der Richtung nach oben, was die doppelte‘ Wirkung 
gegenüber einer horizontalen Entfernung des Kompafsortes von den nächst- 
liegenden Eisenmassen hat. Nur bei einer solchen Aufstellung des Regel- 
kompasses darf man erwarten, dafs die Aenderungen in der Deviation innerhalb 
derjenigen Werthe bleiben, die es gestatten, die Koeffizienten des remanenten 
Magnetismus v und v‘ als Konstante anzusehen. Dadurch‘ wird es erreicht, 
dafs bei einem im Uebrigen richtig kompensirten Kompasse nach den ersten 
Reisen des Schiffes, auf welchen der magnetische Zustand desselben noch mehr 
oder weniger grofsen Veräuderungen unterworfen ‚ist, die Deviation für den- 
selben geographischen Ort und nach ‚denselben vorher gesteuerten Kursen 
immer nahezu unverändert gefunden wird, also auch durch eine für jeden Schiffsort
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.