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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

196 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1902. 
eine unter allen Umständen sichere Navigirung nur erzielt werden kann, wenn 
die Aufstellung des Regelkompasses eine solche ist, dafs anch bei unkompen- 
sirtem Kompalfs die Deviation den Betrag von 2 bis 3 Strich nicht übersteigt. 
Mit anderen Worten, die Koeffizienten der magnetischen Induktion und des 
permanenten und remanenten Magnetismus müssen von vorn herein so gering 
sein, dafs die Wirkung der gesamınten störenden magnetischen Kräfte des 
Schiffes auf den Kompals weniger als die Hälfte der Wirkung der magnetischen 
Horizontalintensität der Erde beträgt. Die Kommission hat in ihren Berichten 
an das Board of Trade über die angestellten Untersuchungen und gemachten 
Erfahrungen wiederholt die Nothwendigkeit einer korrekten, dieser Regel ent- 
sprechenden Aufstellung des Regelkompasses betont und auf die Gefahren hin- 
gewiesen, die durch schlechte Aufstellung der Kompasse infolge unvorher- 
gesehener Aenderuny in der Deviation für die sichere Navigirung entstehen 
können. Anfangs wurden die Lehren der Kommission von den Englischen 
Rhedern und Schiffbauern auch vielfach beachtet und man ging sogar stellen- 
weise so weit, jede Kompensation durch Magnete und weiches Eisen für den 
Regelkompals zu verwerfen und, um geringe Deviation zu erzielen, den Kompals 
an einem hohen Pfahle zu befestigen (Pfahl- oder Mastkompafs), eine Aufstellung, 
die sich aber nicht bewährte. Als später die Gesetze der Kompensation 
gröfserer Deviation durch Magnete und weiches Eisen und die Theorie der 
Deviationslehre besser bekannt wurden, so dafs auch störende Kräfte, die gröfser 
als die magnetische Horinzontalintensität waren, kompensirt wurden, beachtete 
man die alte gute Regel weniger, baute Decks und Deckshäuser von Eisen und 
behielt schliefslich keinen Platz mehr für die Aufstellung eines Kompasses, als 
in unmittelbarer Nähe von gröfseren Eisenmassen. Die Folgen waren häufige 
Versegelungen und Strandungen der Schiffe, da naturgemäfs die Aenderungen 
in der Deviation eines Kompasses mit der Ortsveränderung eines Schiffes um 
so gröfser werden, je gröfser die auf den Kompafs wirkenden störenden 
magnetischen Kräfte sind. Es wurde und wird auch vielfach noch heute 
bei der Kompensation gänzlich aufser Acht elassen, dafs durch Stahlmagnete 
nur ein permanenter Magnetisınus, durch weiches Eisen nur ein vom KErd- 
magnetismus momentan inducirter Magnetismus kompensirt werden kann. Der 
Schiffsmagnetismus ist aber gemäfs dem zum Bau verwandten weichen Eisen 
oder Stahl keineswegs als permanent, sondern zum grofsen Theile. als 
remanent!) anzusehen und dadurch je nach Lage des Schiffes zum magnetischen 
Meridian fortwährenden Aenderungen unterworfen, auch wenn das Schiff auf 
seinen Reisen unter derselben magnetischen Breite verbleibt. Gerade diese 
Aenderung der Richtung der magnetischen Kraftwirkung im Schiffe, die in- 
folge der Erschütterungen, die das Schiff während der Fahrt erleidet, bei jeder 
Kursänderung eintritt, ist es aber, die bei der Navigirung am lästigsten wird 
and unter Umständen, da nicht immer Gelegenheit zur Beobachtung der 
Deviation vorhanden ist, gefahrdrohende Versetzungen zur Folge hat. Die- 
jenigen Aenderungen der Deviation, die im Laufe der Zeit und durch die 
Verschiedenheit der erdmagnetischen Elemente in den verschiedenen Gegenden 
der Erde vor sich gehen, sind von geringerer Bedeutung, da sie weit langsamer 
erfolgen und ihre Gesetze hinreichend bekannt sind und der Rechnung unter- 
zogen werden können. Zwar ist es gelungen, aus der Diskussion des zahlreichen 
Beobachtungsmaterials, welches der Seewarte in den Deviationsjournalen von 
einer grofsen Anzahl von Schiffen zur Verfügung steht, auch die durch den 
remanenten Magnetismus hervorgerufenen Aenderungen in der Deviation als 
Funktion des vorher gesteuerten Kurses in eine mathematische Form zu bringen 
und somit der Rechnung zu unterziehen,’) doch kann das (+lied der Formel 
4 
(—7se0J cos & für den Koeffizienten B und 7 sec J sin & für 0)% immer- 
1) Ueber den remanenten Magnetismus vergl. Koldewey: „Ueber die Veränderungen des 
Magnetismus in eisernen Schiffen“; Archiv der deutschen Seewarte 1879, No. 4. 
2) Vergl. „Der Kompafs an Bord“ S. 137 u. ft. 
3) Die Formeln sind in Gradmals ausgedrückt 
© P 1 vY 
x tang J + X Hz 88T cos p 
k QLL ; 
5 ang J+ 7% 9 + 7 sec JI sin &p 
B —
	        
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