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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1902. 
zichtet worden, Isobathen auf gröfsere Entfernungen zu ziehen; jedoch sind sie 
angedeutet worden, um auf den Niveauwechsel aufmerksam zu machen. 
Die gangbaren Tiefenkarten!) mufsten natürlich irgend eine Auffassung 
des unterseeischen Reliefs im Allgemeinen bekunden, um so mehr, als man eine 
sehr grofse Eintönigkeit der Bodengestaltung annehmen zu dürfen meinte. Die 
Lothungen des „Sherard Osborn“ haben von Neuem den Beweis geliefert, wie 
gewaltige Täuschungen dabei vorkommen können. Auch im centralen Indischen 
Ozean zwischen den Maskarenen und der W-Küste Australiens wechseln Berg 
und Thal in bunter Reihenfolge, und man mufs durchaus weitere Lothungen ab- 
warten, ehe man mit einiger Zuversicht wagen kann, die neu zu Tage getretenen 
Tiefenlinien mit denen der übrigen Theile dieses Ozeans in Zusammenhang zu 
bringen, 
Bis 1900 kannte man aus dem Bereiche des Indischen Ozeans nur eine 
Tiefe von mehr als 6000 m; es war die vom Kabeldampfer „Recorder“ im 
Jahre 1888 mit 6205 m 150 Sm im S von Lombok gemessene Tiefe. Nunmehr 
tritt als gröfste Tiefe an ihre Stelle die Station 82 des „Sherard 
Osborn“: 6459 m in 18° 6‘S-Br. und 101° 54‘ O-Lg.; die Position liegt 
etwa 350 Sm östlich von der durch die „Valdivia“-Expedition gefundenen gröfsten 
Tiefe von 5911 m in 18° 18‘S-Br. und 96° 20‘ O-Lg., so dafs eine recht aus- 
gedehnte maximale Einsenkung zwischen den Kokos-Inseln und Westaustralien 
vorhanden zu sein scheint. Uebrigens kommen auch im W von den Kokos- 
Inseln Tiefen von über 6000 m vor. Damit vergesellschaftet ist eine ganze 
Reihe von auffälligen mehr oder weniger lokalen Erhebungen, wo man nur 
2000 bis 3000 m Tiefe, ja sogar nur 1700 m mitten im Ozean antrifft; meist 
wurde an diesen relativ flachen Gegenden feiner weilser Sand ‚als Grundmaterial 
festgestellt, auch „Mud“ in einzelnen Fällen. Näheres hierüber zu erfahren, 
wäre erwünscht. 
Die Bodentemperaturen liegen nach den Beobachtungen an Bord des 
„Sherard Osborn“, soweit wir Tiefen von mindestens 4000 m in Betracht 
ziehen, fast ohne Ausnahme zwischen 1° und 2°. Im Mittel dürfte 1,6° C. sich 
ergeben; geographische Besonderheiten in der Vertheilung der Bodenwärme 
werden nicht erkennbar. Grofse Ansprüche an die Genauigkeit dieser Messungen 
darf man nicht stellen, wie ja überhaupt vielfach die meist geringfügigen Unter- 
schiede in der Bodentemperatur der tiefsten Meeresbecken nur durch Messungs- 
fehler entstehen und nicht thatsächlich vorhanden sind. Wenn z. B. vom 
„Sherard Osborn“ zwischen Kokos - Inseln und Rodriguez auf derselben Breite 
and an benachbarten Stationen die Bodentemperatur das eine Mal für 3310 Faden 
Tiefe mit 36° F. (2,2° C.), das andere Mal für nur 2649 Faden Tiefe mit 35° F. 
(1,7° C.) festgestellt worden ist, so ergiebt sich hieraus mit Nothwendigkeit ein 
Fehler von wenigstens 0,5° C. für eine der beiden Stationen, da die geringere Tiefe 
mit der niedrigeren Temperatur verbunden auftritt, was in Wirklichkeit hier nicht 
zutreffen kann. Diese Beispiele lassen sich leicht vermehren. Auch manche 
Messungen wissenschaftlicher Expeditionen sind in dieser Beziehung durchaus 
nicht ganz einwandfrei. G. Schott. 
Die Witterung zu Tsingtau im März, April und Mai 1902, 
nebst einer Zusammenstellung für das Frühjahr 1902, 
Bericht der Kaiserlichen Meteorologisch-astronomischen Station zu Tsingtau. 
Die anliegende Tabelle enthält die meteorologischen Beobachtungen so- 
wohl für die Monatsdrittel, als auch für die ganzen Monate März, April und 
Mai 1902. Ferner sind am Schlufs die Beobachtungen für das Frühjahr 1902 
zusammengefafst aufgestellt. (Die Berechnung der „Allgemeinen Luftbewegung“ 
unter Zugrundelegung der Windbeobachtungen an den drei Terminen jedes 
Tages 5 vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“ 1900, Seite 63 — ist hier beigefügt worden. 
Die Red, 
1) Vgl. z. B. Dentsche Seewarte, Atlas des Indischen Ozeans. Hamburg 1891. Tafel 1. 
Schott im „Valdivia“-Werk. I. Jena 1902, Tafel III.
	        
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