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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1902. 
dampfend, um das Schiff so nahe als möglich gegen die See zu halten. Der 
geschätzte Schiffsort war 14° 45‘ N-Br., 95° 9‘ O-Lg. Von dieser Zeit an sank 
das Barometer, so dafs es um 11" 30%» V, einen Stand von 738,9 mm erreichte. 
Nach dem Beidrehen ging der Wind bis 5" V. nach O und OSO und drehte 
dann, in Orkanstärke wehend, nach NOzO bei wirrer See aus NO, SO und SW 
und mit verdunkeluden Regen- und Hagelschauern. 
Um 8* V. flogen die hinteren Sonnensegel fort mitsammt ihren Stützen 
und anderen Befestigungen, später Boote, Reelinge u. s. w., und das Schiff 
erlitt noch andere Havarien. Nach 11* 30% V, begann das Barometer zu 
steigen und der Wind drehte durch N nach NW in verdoppelter Stärke als 
furchtbarer Orkan wehend und bei heftigen Regenböen. Die See hatte ein 
schreckliches Aussehen, die Wellenkämme wurden mehrere Fufs hoch in die 
Luft geschleudert. Zu dieser Zeit befand sich das Schiff offenbar in gröfster 
Nähe der Sturmmitte. Kein Donner oder geringster Blitz wurden während der 
ganzen Zeit beobachtet. Es war unmöglich, das Schiff abzuhalten, da es bei 
einem solchen Versuch würde zum Sinken gebracht worden sein. 
Um 5" N. begann das Wetter sich zu bessern und um Mitternacht war 
der Wind erheblich zurückgegangen, aber die See war noch verworren. Um 
4» 30min V,, am 6. Mai, wurde das Schiff, nachdem durch Lootsen der Schiffsort 
angenähert bestimmt worden war, südwestlich Kurs gesetzt; um 8* 45”in V. wurde 
Narcondam in der Peilung 180° (S) mw. in 10 Sm Entfernung gesichtet. Die 
letzte heftige Böe fand um 6* V. statt, dann setzte schwerer Regen ein, der die 
See erheblich niederdrückte. 
Ueber den Ausgangspunkt des Wirbelsturmes ist es jedenfalls zur 
Zeit nicht möglich, Genaueres festzustellen, da von den Andamanen und südlich 
dieser Inselgruppe Beobachtungen fehlen. Am 5. Mai morgens lag die Mitte 
der Cyklone über der Andamanen-See; dieselbe zog nordwärts und überschritt 
die Küste der Halbinsel Pegu, so dafs sie am 6. morgens etwa 50 Sm südlich 
von Bassein sich befand. Die Barometerstände und Winde waren zu dieser Zeit 
zu Rangoon 748,55 mm SO, zu Bassein 748,3 mm NNO, zu Diamond - Island 
748,8 mm NW, Weiter nordwärts fortschreitend, löste sich die Cyklone über 
dem centralen Birma auf, so dafs am 7%. Mai morgens nur eine kleine Rest- 
depression bei Yamethin sich zeigte. Sehr heftige Regenfälle gingen in Be- 
gleitung dieser Cyklone nieder, so werden am 6. morgens, die 24stündigen 
Niederschlagshöhen gemeldet von Bassein 149,3 mm, von Diamond - Island 
99,6 mm. 
Jedenfalls war am 4. Mai in den vorliegenden Beobachtungen noch kein 
Anzeichen für den bevorstehenden Sturm zu finden und auch das Einsetzen 
nordöstlicher Winde mit zunehmender Stärke auf Diamond-Island und Anderes 
gaben am 5. Mai morgens, also zu einer Zeit, zu der nach dem Bericht des 
Dampfers „Elphinstone“ der Orkan bereits tobte, noch keinen Anhalt zur Be- 
urtheilung der derzeitigen Schwere dieses Sturmes und der voraussichtlichen 
Bahn desselben. So bemerkt der indische tägliche Wetterbericht vom 5. Mai, 
dafs der cyklonale Sturm über der Andamanen-See anscheinend von leichter 
Intensität sei, aber sich während des Tages weiter entwickeln werde; es sei 
in diesem frühen Stadium nicht möglich zu bestimmen, ob derselbe in nörd- 
licher oder nordwestlicher Richtung fortschreiten werde. 
Was nun die allgemeine Wetterlage anbetrifft, so erstreckte sich am 
4. Mai ein Gebiet niedrigeren Luftdruckes vom Pendschab über den nördlichen 
Theil des Plateaus von Dekan in südöstlicher Richtung nach dem Bengalischen 
Meerbusen, während über dem nordöstlichen Indien der Luftdruck verhältnifz- 
mäßig hoch war. Am 5, Mai war die Luftdruckvertheilung noch ähnlich, jedoch 
das Barometer über dem nördlichen Indien und Birma vielfach stark gefallen. 
So steht die Bildung des Orkans offenbar im Zusammenhang mit dem Fort- 
schreiten der Monsunwinde. Dasselbe gilt auch für den Orkan im Indischen 
Ocean im Mai d. J. Für beide Orkane ist auch bemerkenswerth die nördliche, 
bei dem Orkan im Indischen Ocean nordöstliche Richtung der Bahn. Es liegt 
nahe, die Frage aufzuwerfen, ob diese beiden Orkane noch in einem weiteren 
Zusammenhang mit einander stehen. Diese Frage erscheint um so gerecht-
	        
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