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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Meyer, H,: Weiteres über den Orkan im Indischen Ozean, Mai-1902. 485 
des gefährlichen Orkancentrums zu gelangen. Auch diese: hätten, anstatt mit 
dem für sie günstigen Winde weiter zu steuern, rechtzeitig beidrehen, oder noch 
besser, langsam in südöstlicher Richtung aus dem Orkanfelde herausdampfen 
müssen. Es scheint uns, dafs solche Manöver nicht durch Unkenntnifs mit 
den Orkanen dieser Gegend entschuldigt .werden können. Auch in - anderen 
Gegenden ist das Umbiegen der Orkane in ihren Bahnen unsicher. Daraus, dafs 
keins von den drei Dampfschiffen die früher für Segelschiffe allgemein gültigen 
Regeln beobachtete, scheint hervorzugehen, dafs bei den Führern der gegen- 
wärtigen kräftigen Dampfschiffe immer mehr die Neigung zunimmt, im. Vertrauen 
auf die Stärke ihres Schiffes und der Kraft seiner Maschinen auch in. Orkanen 
stets gerade durch zu dampfen.“ . 
Für die Feststellung der Vorgeschichte des Orkans ist bei der Seewarte 
inzwischen kein Material eingegangen, aus dem sich der Orkan weiter verfolgen 
läfßst. Der Reichspostdampfer „Oldenburg, Kapt. Formes, der sich auf der 
Reise von Europa nach Australien befand, passirte den Meerestheil, in dem der 
„Koning Willem“ am 7. Mai vormittags das Orkanfeld antraf, am 5. Mai, ohne 
auch nur ein Anzeichen vorzufinden, das auf eine Störung in den Luftdruck- 
verhältnissen könnte schliefsen lassen. 
Orkan im östlichen Bengalischen Meerbusen am 5. Mai 1902. 
Wenige Tage bevor in dem Arabischen Meere ein Orkan dem Dampfer 
„Ehrenfels“ den Untergang brachte!), wüthete ein aufserordentlich heftiger 
Wirbelsturm zwischen den Andamanen und der Halbinsel Pegu, sowie über der 
letzteren. Die Schiffe „Camorta“ und „Hermod“ konnten dem Sturm : nicht 
widerstehen und versanken mit zahlreichen Menschenleben, das Indische Kriegs- 
schiff „Elphinstone“ erlitt in demselben sehr schwere Havarie. 4 
Ueber den Verlauf des Orkans an Bord von „Elphinstone“ liegt folgender 
Bericht‘) vor.. 
Dieses Schiff wurde von dem Orkan auf der Reise von Rangoon nach 
Port Blair zwischen Krishna-Feuerschiff und Narcondam-Island betroffen. Es 
verliefs Rangoon am 4. Mai vormittags und passirte um 1” 30m» N, Elephant Point, 
woselbst Schön-Wetter-Signale geheifst waren. Zwischen Elephant Point und 
Krishna-Leuchtschiff war das Wetter ruhig, die See glatt; eine unbedeutende 
dunkle Wolkenbank stand im SW; das Barometer war ruhig und von 756,1 mm 
um 4° N. auf 757,4 mm um 8" N. gestiegen. Bis zu diesem Zeitpunkte waren 
keinerlei Anzeichen eines Sturmes vorhanden. Um 8" 45=in N, setzte eine schwere 
Regenbö ein, eine Wolkenbank schien aufzusteigen und den ganzen Himmel 
zu verdunkeln. Der Kommandant Rowsell liels alle. vorderen Sonnensegel 
einnehmen, Alles sicher laschen und die Pforten und Luken schliefsen. . Dies 
nahm beträchtliche Zeit in Anspruch, während der Wind auf Stärke 8 anwuchs 
and das Wetter bedeckt, böig und regnerisch wurde, Um Mitternacht stand 
das Barometer auf 755,9 mm; Wind und See nahmen von ONO zu. Der Kom- 
mandant ersah daraus, dals schlechtes Wetter zu erwarten sei. Das Wetter er- 
laubte nun nicht mehr das Festmachen der übrigen Sonnensegel sowie das Ein- 
schwingen der Boote. Daher wurde es für das Beste gehalten, vor dem Winde 
südwärts zu laufen; man steuerte, um Seeraum zu gewinnen, SWzS mw., da das Schiff 
in aller Wahrscheinlichkeit auf den Bragua-Untiefen gestrandet sein würde, wenn 
es nach N zurückgekehrt wäre. Um 2" V., am 5. Mai, war der Wind  NOzO, 
das Barometer war auf 750,8 mın gefallen und die See hatte so zugenommen, 
dafs der Kommandant sich entschlofs beizudrehen.. mit dem Kopf nach N langsam 
‘) „Ann..d, Hydr. etc.“, 1902, S. 382. 
2) „Shipp. Gaz.“ v. 26, Aug. 1902, 
Ann. d. Hydr. ete., 1902, Heft X,
	        
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