478 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1902.
meter stand auf 767,1 mm. „Inverclyde“, in 25° S-Br. 64° O-Lg., hatte den
ganzen Tag über nördliche Winde; das Wetter war bis Mittag böig und dann
schön und klar, obgleich die See schwer laufend blieb; das Barometer stand
auf 764,0 ınm. „Bolivia“, in 35° S-Br. 561° O-Lg., berichtet von einem starken
Sturm von SSO., der um Mittag nach SSW ausschofs und an Stärke abnahm;
um Mitternacht war der Wind leicht von SW. Das Wetter war bewölkt und
die See morgens sehr verworren; das Barometer stand mittags auf 755,9 mm.
Von dem obigen Bericht, verbunden mit den auf Mauritius und Bourbon
gemachten Beobachtungen, konnte die in der vorstehenden Skizze gezeichnete
Bahn des Sturms abgeleitet werden. Durch eine Prüfung des Diagramms er-
kennt man, dafs das Centrum sich am 12. Januar Mauritius näherte, aber nach
Mitternacht sich gegen SW wendete und morgens am 13. nahe bei Bourbon
vorüberging. Aus den erhaltenen Beobachtungen ist es einleuchtend, dafs das
Centrum von nordostwärts nach südwärts von St. Denis vorbeiging. Bei dieser
Station war es ruhig und ebenso bei Pointe des Galets; der Himmel war völlig
klar von 2* 30° bis 6* 30” V., als er plötzlich bewölkt wurde, zugleich mit einem
starken NNW-Wind und schwerem Regen. In St. Pierre erscheinen die Beob-
achtungen so widersprechend, dafs es unmöglich ist, sich nach diesem ein Urtheil
darüber zu bilden, ob an beiden das Centrum ostwärts oder westwärts vorüber-
zog. So wird zum Beispiel am 12. um 4" 15” N. berichtet, dafs der Wind zeit-
weise in Böen von NO und zeitweise von SO wehte, während die Wolken aus
SW zogen. Das Centrum lag zu dieser Zeit ungefähr 100 Sm nach
NNO hin. Wenn man übrigens erwägt, dafs es in St. Denis etwa 4 Stunden
windstill war, so wird es wahrscheinlich, dafs das Centrum im N und W von
St. Pierre vorbeiging. Mr. Bertho, der Chef des Hafendepartements in
Bourbon, schliefst seinen Bericht, wie folgt:
„Ehe es windstill wurde, hatte ich ebenfalls gedacht, dafs die Cyklone
rechts N von uns war und sich so wenden und zwischen den Inseln hindurch
passiren würde. Mein Grund für diese Annahme war, dafs die See von W nach
O anwuchs und dafs die Richtung der Dünung ursprünglich NzO, allmählich
nach NO wechselte. Dies ist anomal. Der Fluthmesser verzeichnete 1,40 m
am 13., während die normale Höhe der Fluth 0,80 m ist zur Zeit der Syzygy.“
Die Annahme einer nach SSO gerichteten Bahn am 12., die am 13. sich nach
SW wendete, wird nicht nur durch die gemachten Beobachtungen auf Mauritius
erklärt, sondern auch durch die von Mr. Bertho erwähnten Anomalien.
Der Durchmesser des centralen windstillen Gebiets wird von Mr. Bertho
auf 25 oder 30 Sm geschätzt, aber man ist zur Annahme geneigt, dafs
selbst diese Schätzung, so grofs wie sie ist, noch nicht grofs genug ist. Als
ungefähr 30 oder 40 Sm westlich von Cap Brabant (the Morne) Segel-
schiff „Pandua“ am 13. Januar 1® V.einen heftigen Sturm von NO hatte, stand
das Barometer auf 738,1 mm. Nach einer kurzen Windstille sprang der Wind
um 2° V, nach NW um; das Barometer stieg auf 740,9 mm. Der Kapitän be-
richtet, wie folgt:
„Der Wind wehte mit schreckenerregender Heftigkeit; nichts war sicht-
bar als Gischt; das Schiff arbeitete heftig und nahm vorn und hinten viel
Wasser über.“ Daraus ergiebt sich, dafs das Schiff gerade zu jener Zeit sich
an der östlichen Grenze des windstillen Gebiets befand. Aber von Pointe des
Galets, ungefähr 70 oder 89 Sm westlich, hören wir, dal die Windstille
am 13. von 2* 30" V. bis 6* 30" N. anhielt, so daß der Durchmesser des wind-
stillen Raumes wenigstens 50 Sm gewesen sein muls.
Von St. Denis erfahren wir, dafs am 13. um 2* 30" V. das Barometer auf
746,5 mm stand; die Wolken zogen langsam südwärts, die See nahm schnell
ab und die Wogen liefen von NW. Um 6'2* V. stieg das Barometer
von. 738,4 mm auf 747,5 mm und der Wind begann wieder von W und NNW,
dadurch zu erkennen gebend, dafs das, Centrum eine kurze Strecke südwärts
auf einem südwestlichen Kurs vorüberging. Wäre das Centrum von N heran-
gerückt, so würde der Wind am 12. mehr östlich gewesen sein und wäre für
einige Zeit westlich geblieben, ehe er so weit nach NNW anging. Man sieht
daraus, dafs der niedrigste Barometerstand in St. Denis thatsächlich derselbe
wie der vom Segelschiff „Pandua“ wahrgenommene ist, obgleich dieses Schiff sich