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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Ann. d. Hydr. ete., XXX. Jahrg. (1902), Heft X. 
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Charles Meldrum, 
geb. 19. Oktober 1821 zu Banffshire, Schottland, 
gest. 28. August 1901 in Edinburg. 
Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Pflege .der maritimen 
Meteorologie und Meereskunde.wesentlich auf Anregung des Amerikaners Maury 
und des deutschen Gelehrten. Heinrich Berghaus in Aufnahme .und nach 
kurzer. Zeit zu hoher Blüthe gelangte, war dies zu einem guten Theil. der um- 
sichtigen, . weitverzweigten Organisation des für die Seefahrt so überaus wichtigen 
Forschungszweiges zuzuschreiben. In unserer Zeit, die auf reiche Erfolge auf 
diesen Gebieten zurückblicken kann, vergilst man gar häufig, mit welchen 
Schwierigkeiten in der Durchführung eines festen Planes für die Forschungs- 
arbeit man zu kämpfen hatte, wenn man sich des Errungenen auch erfreut. 
In erster Linie war es von Bedeutung für die erreichten Erfolge, dafs allerorten, 
wo Civilisation und. die Interessen der Schiffahrt es. gestatteten, bezw. es er- 
heischten, die Einrichtung von Beobachtungsstätten für die maritim meteoro- 
logische Arbeit durch die Möglichkeit des Sammelns des Materials, durch 
Prüfung von Instrumenten und durch Anregung besonderer Forschungen, die für 
die Sicherheit der Navigirung von Wichtigkeit waren, gefördert wurde. Eine der 
frühesten in der Reihe solcher Observatorien, und auch eine der .wirksamsten 
war das in St, Louis auf Mauritius im Indischen Ozean, und zwar in jenem 
Gebiete desselben, welches von schweren Wirbelstürmen heimgesucht ‚wurde 
und heute noch wird. Frühzeitig schon war das Augenmerk der Meteorologen 
auf die Sturm-Phänomene des südlichen Theiles des Indischen Ozeans gerichtet; 
so dafs es einem längst empfundenen Bedürfnisse ‚entsprach, als auf der Insel 
Mauritius zu Anfang der 50er Jahre ein meteorologisches Observatorium mit 
der ausgesprochenen Absicht, die Natur der Cyklone zu erforschen, von dem 
Mathematiker und Meteorologen Charles Meldrüum errichtet wurde,‘ Dieser 
Mann war einige Zeit in Ostindien in einer Regierungsstelle thätig, wodurch 
sein Interesse an Witterungsvorgängen und Studien geweckt worden war, 
Meldrum wurde zuerst. als Lehrer der Mathematik an eine College-Schule nach 
Mauritius berufen, und es geschah dies schon im Jahre 1848. Nach einem 
Aufenthalt daselbst von kaum 3 Jahren wurde durch sein Bemühen im Jahre 1851 
die Meteorologische Gesellschaft von Mauritius ins Leben gerufen, die als eine 
Pflegstätte. im wahren Sinne für die Erforschung der Mauritius-Orkane während 
eines Zeitraums von. 50 Jahren angesehen wurde. und auch heute noch angesehen 
wird. Es ist ein eigenes Zusammentreffen von Umständen, dafs der Jahrestag 
des 50 jährigen Bestehens der Meteorologischen Gesellschaft auf Mauritius ge- 
feiert wurde, als daselbst die Nachricht aus Schottland von dem erfolgten Ab- 
leben des Gründers der Gesellschaft,. Charles Meldrum, eintraf.: Der rastlos 
thätige Mann war im Jahre 1896 in den Ruhestand getreten und nahm seinen 
ständigen Wohnsitz in Edinburg, wo er am 28. August 1901 nach längerem 
Leiden gestorben ist. I . . Ve Ve 
—_ Charles Meldrum war am 19. Oktober 1821 geboren und kam nach in 
seinem Heimathlande vollendeten Studien nach Ostindien, wie. bereits oben er- 
wähnt wurde. Das von ihm gegründete Observatorium, das auch die Aufgabe 
der Erforschung der erdmagnetischen Erscheinungen zugetheilt erhielt, leitete 
er seit 1852 als Government Meteorologe und als Direktor. des Royal Alfred 
Observatory, welche Bezeichnung dieses Institut seit 1875 erhielt; bis zu seinem 
Rücktritt vom Amte. Meldrums Arbeiten waren unablässig der Erforschung 
der Natur der Cyklone gewidmet, und ihm gebührt das Verdienst, die Ein- 
biegung der Windrichtung gegen das Sturmcentrum zur allgemeinen Anerkennung 
gebracht zu haben, indem er aus den Beobachtungen: der Stürme im Indischen 
Ozean ‚das Einströmen von Luft in Spiralen nachgewiesen hat, was bereits 
40 Jahre früher durch Redfield aufgestellt, aber nicht bewiesen werden konnte 
(Hanns, „Lehrbuch der Meteorologie“, Seite 543). Die betr. Arbeit trägt den 
Ans. d. Hydr. ete., 1902. Heft X.
	        
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