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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

454 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1902. 
unteren Lauf liegende Patrone abgeschossen wird. . Durch das zweite Abziehen 
des Drückers wird gleichzeitig der Signalstift zurück- und das Gewehr für das 
Abfeüern ‚durch den oberen Lauf eingestellt. Das Magazin giebt also die 
Möglichkeit, das Gewehr mit einem Male für die Abgabe mehrstelliger Signale 
zu.laden. (Das Gewehr dient auch zum Abschiefsen von Wurf-,  Depeschen- 
und Oelraketen.) 
Fig. 2. 
Das Behrsche Signalsystem 
setztsich, entsprechenddem Flaggen- 
3ystem des Internationalen Signal- 
huchs, aus 26 Signalen für die 26 
Buchstaben, einem Anrufssignal, zu- 
gleich Signalbuchzeichen, einem 
Gruppenzeichen und einem Wider- 
rufssignalzusammen. Diese 29 Signal- 
raketen sind in einem Kasten unter- 
gebracht, welcher für jedes einzelne 
Signal ein.besonderes und bezeich- 
netes Fach enthält (Fig, 2); Ver- 
wechselungen sind also ziemlich 
ausgeschlossen, 
Nach Angabe des Herrn Behr 
sind seine Signale 200 bis 300 m 
hoch zu treiben, wonach also auch 
auf gröfsere Entfernungen eine gute 
Höhe der Signale über der Kimm 
sich ergiebt. ; 
Ueberdie Brauchbarkeitdieses 
Signalsystems werden natürlich nur 
praktische Versuche entscheiden können. Solche haben bereits mehrfach statt- 
gefunden, wobei: freilich zum Theil die Witterungsverhälthisse oder andere 
Umstände für den. Effekt der Signale nicht besonders günstig gewesen sind. 
Bei früheren Versuchen bestanden die einzelnen SET AST En aus weilsen, 
rothen.. und grünen Sternen und weißen und rothen Blitzen. Besonders die 
weißen und rothen Blitze sowie die weißlsen und grünen Sterne konnten nicht 
immer sicher ‚unterschieden werden. Dies veranlafste den Uebergang zu dem 
jetzigen Behrschen System, welches nur die stark kontrastirenden Farben roth 
und grüm enthält. Die wiederholten praktischen Vorführungen dieses Systems 
zeigten, dafs- die rothen und grünen Sterne und Blitze nunmehr gut zu unter- 
scheiden waren. ; 
Die Erfahrungen, die man in Bezug auf die verschiedene Sichtweite der 
rothen und grünen Laternen gemacht hat, wird man nicht als Bedenken gegen 
dieses aus rothen und grünen Lichtern zusammengesetzte Signalsystem geltend 
machen können... Die Schwierigkeit, den grünen Laternen eine gleich grofse 
Sichtweite wie den rothen Laternen zu geben, liegt darin, dafs das Licht der 
Lampen und anderer künstlicher Lichtquellen viel weniger grünes als rothes 
Licht enthält, also bei gleicher Absorption das durch grüne Gläser dringende 
Licht weniger wirksam ist als die. gröfsere durch die rothen Gläser hindurch- 
gehende Lichtmenge. Hier aber handelt es sich um in den Farben selbst- 
ieuchtende Feuerwerkskörper, bei denen es leicht ist, für die verschiedenen 
Farben die gleiche Leuchtkraft, also auch die gleiche Sichtweite, zu erzielen. 
Wesentlich für die praktische Verwendung ist natürlich, dafs die hier 
aufserordentlich störenden Vorsager in der Regel nicht vorkommen und dafs 
der Leuchtkörper vom Aufleuchten des ersten Lichtes eines Signalzeichens bis 
zum Erlöschen in annähernd gleicher Höhe sich erhält. Die Möglichkeit, dal 
am Anfang oder Ende des Signalzeichens eines der Lichtelemente etwa nicht 
Bichtbar sei, mufs eben unbedingt ausgeschlossen sein. 
: Immerhin dürfte zur Verständigung auch mit Behrs Nachtsignalsystem 
ein gut eingeübtes Personal erforderlich sein. Die Abgabe der Signale ist 
allerdings- sehr einfach und- daher -auch, abgesehen von Versagern, sicher 
gestaltet. Die Aufnahme der Signale beansprucht aber grofse Aufmerksamkeit 
and Uebung.
	        
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