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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1902. 
Neuere Fern-Lichtsignale, 
Das Bestreben, weittragende Signale vom und zum- Schiffe für alle 
Witterungsverhältnisse und Tageszeiten zur Sicherung der Schiffahrt und zur 
Verständigung, insbesondere in Nothfällen, darzubieten, hat bereits zu zahl- 
reichen Vorschlägen und Konstruktionen mannigfacher Apparate geführt. In 
erster Linie ist man bestrebt gewesen, die Flaggensignale und die anderen 
Fernsignale, die nur bei Tageslicht erkennbar sind, durch andere optische Hülfs- 
mittel für die Nachtzeit zu ersetzen. 
Das Internationale Signalbuch enthält denn auch Anweisungen für die 
Zeichensprache nach Morse, in denen an Stelle der Punkte und Striche der 
telegraphischen Aufzeichnung kurze und lange Lichtblicke treten. Diese Licht- 
blicke können natürlich mit Hülfe jeder genügend starken Lichtquelle, also auch 
einer Laterne, gegeben werden. Für Fahrzeuge, auf denen eine elektrische 
Beleuchtungseinrichtung zur Verfügung steht, bietet die Benutzung einer Glüh- 
lampe oder eines Scheinwerfersa zu diesem Zwecke den Vortheil, dafs die 
Signale durch Ein- und Ausschalten des elektrischen Stromes mit grofser 
Sicherheit und Präcision gegeben werden können. Glühlampe und Scheinwerfer 
ermöglichen zudem das Signalisiren auf gröfsere Entfernungen. Die Glühlampe 
kann im Topp angebracht werden, ohne dafs das Signalisiren dadurch an Be- 
quemlichkeit und Sicherheit verliert; die Blicke des Scheinwerfers, besonders 
bei bedecktem Himmel gegen die Wolken geworfen, sind auf Entfernungen 
sichtbar, für welche der Scheinwerfer selbst unter den Horizont verschwunden 
ist. Dies System der kurzen und langen Lichtblicke, auch Blitzlichtsystem 
genannt, hat den Nachtheil, dafs die Elemente, aus denen sich ein Signalzeichen 
zusammensetzt, eben die kurzen und langen Blicke, nacheinander gegeben 
werden müssen, und zwar die zu einem Zeichen gehörenden Blicke in schneller 
Aufeinanderfolge, um die Unterschiede in der Länge deutlich hervortreten zu 
lassen und um durch längere Pausen die einzelnen Signalzeichen trennen zu 
können. Der Signalisirende hat während des Signalisirens keinen Anhalt dafür, 
ob das Signal auch aufgefafst und richtig verstanden ist. Wenn sich schließlich 
Fehler zeigen, so müssen die ganzen Signale wiederholt werden. Ueberhaupt 
erfordert diese Art der Signalgebung viel Zeit und sowohl für das Abgeben 
als für die schnelle und richtige Auffassung der Signale gut geschulte Leute. 
Das Internationale Signalbuch enthält bei den Anweisungen für das Signalisiren 
mit Morse-Zeichen die Bemerkung: „Das Signalisiren mit Licht- oder Schall- 
signalen kann, besonders in befahrenen Gewässern, leicht Anlafs zu verhängnifs- 
vollen Irrthümern geben. Die Schiffsführer werden deshalb aufgefordert, die 
gröfste Vorsicht zu beobachten, wenn diese Signalweise angewendet wird.“ 
Eine zweite Art der Lichtsignalgebung besteht in dem gleichzeitigen 
Leuchten verschiedenfarbiger Lichter, deren verschiedene Kombinationen je 
ein Signalzeichen darstellen. Das einzelne Zeichen kann also so lange bestehen, 
bis die Sicherheit erlangt ist, dafs es aufgefalßst und verstanden ist. Hier be- 
steht nun aber die Schwierigkeit, dafs den Laternen, die meist übereinander an 
einer Leine angebracht werden, kein allzu grofser Abstand gegeben werden 
kann. In einiger Entfernung verschwimmen demzufolge die Lichter ineinander 
und daher können diese Signale nur auf kleinere Entfernungen bis zu 3 oder 4 Sın 
Anwendung finden. Auch können die Laternen von den Masten etc. verdeckt 
werden, so dafs sie nicht über den ganzen Horizont gleichmäfsig sichtbar sind. 
Um .diese Uebelstände zu vermeiden, sind allerdings mit Hülfe elektrischer 
Mittel erfolgreiche Einrichtungen entworfen worden. Es bedarf indefs hierzu 
besonderer Vorrichtungen und Apparate, welche eine allgemeine Einführung 
ausschliefsen. Diese Einrichtungen haben daher wohl fast ausnahmslos nur in 
den Kriegsmarinen zur Verständigung zwischen den Schiffen der einzelnen Ge- 
schwader untereinander Anwendung gefunden und kommen daher für den all- 
gemeinen Seeverkehr nicht in Betracht. 
Mit Hülfe der Pyrotechnik ist eine dritte Lichtsignalgebung in Gebrauch. 
Ursprünglich war dieselbe für Lootsen- und Nothsignale vorbehalten. Seit 
geraumer Zeit haben indefs die grofsen Rhedereien pyrotechnische Lichter und 
Leuchtkugeln als Nachterkennungszeichen für ihre Schiffe eingeführt, sowohl 
für den Gebrauch bei Begegnungen auf hoher See als ganz besonders auch zur
	        
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