1445
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1902,
Vergleicht man die Temperaturen obiger Tage mit denjenigen der nach-
folgenden Tage des 25. bis 28. Januar zu Puerto de Orotava, an denen östliche
and nördliche Winde herrschten, so findet man keinen auffälligen Contrast.
Nur der 20. Januar ist durchschnittlich 1 bis 2° C. wärmer. Auch die relative
Feuchtigkeit zeigte mit alleiniger Ausnahme des 20. Januar keine nennens-
werthen Anomalien, allerdings war sie am 19. Januar etwas geringer als
vewöhnlich. Denn auch am 25. bis 27, Januar schwankte sie zwischen 70 und
93 %. Beachtenswerth bleibt ihre starke Abnahme am 20. Januar bis zu 35%,
Ich beobachtete diesen niedrigen Feuchtigkeitsgehalt aber nur so lange der
stürmische SW anhielt. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dafs dieser über die
Cumbre der Insel Teneriffa (über 2000 m) und vielleicht aus der Richtung des
Teyde-Cipfels (3700 m) kommende heftige Wind Föhncharakter besitzt und als
Fallwind seine gröfsere Wärme und Trockenheit den Bewohnern des Litorale
in unangenehmer Weise fühlbar macht. Krstaunlich bleibt die geringfügige
Schwankung des Luftdruckes vor, während und nach seinem Auftreten.
Sehr wechselnd war während der Beobachtungszeit auch der Grad der
Bewölkung, die eine gewisse Regelmäfsigkeit des Ganges am Tage erkennen liefs.
Völlige Wolkenlosigkeit herrschte nur an vereinzelten Tagen. Auch bei
veinster Luft fand meist partielle oder völlige Bewölkung der Gebirgskämme
statt, welche gegen Mittag begann, um sich am Spätnachmittage oder Abend
wieder aufzulösen. Dies beobachtete ich besonders am Cumbregebirge bei
Puerto de Orotava. War es früh bedeckt und hellte der Himmel am Tage
allmählich oder rasch auf, so war dies meist mit einer Aenderung der Wind-
richtung verbunden.
Gänzlich durch Wolken verdunkelter Himmel herrschte sehr selten. Die
Bewölkung zeigte sich deutlich als Folgeerscheinung des Aufstiegs der mehr
oder minder stark mit Feuchtigkeit beladenen Seewinde an den örtlich ver-
3chieden gestalteten Gebirgshängen der Inseln und umlagerte dieselben in
größerem oder geringerem Umfange, während der Ozean nahebei oder fern in
den Sonnenstrahlen erglänzte.
Nur zweimal konstatirte ich während der Zeit meines Aufenthaltes auf
Teneriffa im Gebiete des Litorale ergiebigere Regen; grofse Regenmengen in
Gestalt von Wolkenbrüchen ergossen sich nur ein einziges Mal in der Nacht
vom 25, auf den 26. Januar in Santa Cruz. Geringe Kondensation trat ge-
legentlich an bedeckten Tagen auf, doch benetzten die Niederschläge kaum
den Boden und beschränkten sich auf ganz kurze Dauer. Schon von 300 m
an aufwärts sind die Niederschläge bedeutend häufiger und andauernder während
der Wintermonate.
Beobachtungen im Inneren der Inseln Teneriffa und Palma.
Meine Beobachtungen im Inneren der Inseln habe ich in nachfolgenden
Tabellen zusammengestellt:
Tabelle X.
Jeberschreitung Teneriffas, Santa Cruz—Orotava.
Monat
1902 Jan. | 5.
Tag|
A
B.
Bezeichnung
Jer Oertlichkeit
Santa Cruz, Teneriffa
La Laguna
Agua Garcia
Tacoronte
La Matanza
2
Puerto Orotava
See-
he
Ortszeit
Schatten
Temp.
Wind-
richt.
“n
oO M
20] Ih V.
550| 8b „|
325| 11h
17,1
11,9
11,4
5
S
q
590| 2b N. | 17,5
433| 6b „ [| 164
„| 2, 13,8
>| 8%. | 150 |
jol 2 N. | 206
>
Besondere Bemerkungen.
Morgens bedeckt 8—9, von
9h an wolkenlos,
Quelle im Lorbeerwald
*+=— 11.1°.