Burchard, O,: Meteorol. Beobachtungen auf einer Winterreise nach den Canarischen Inseln, 445
An einzelnen Tagen wurden über dem Zuge der cumuli und strati, und
anabhängig von der Richtung derselben, sehr hohe Cirri in aus SW anziehender
Richtung. beobachtet, welche der Antipassat-Region anzugehören schienen.
Die beobachteten Winde waren ganz ‚selten heftige, meist leichte und
sehr leichte, häufig unmerkliche Briesen, und in vereinzelten (6) Fällen
herrschten. Windstilien. Von einer ziffermäfsigen Schätzung der Windstärke
habe ich abgesehen. «u
Während die Winde aus dem nordöstlichen und nordwestlichen Quadranten
keine besonders auffälligen Witterungserscheinungen darboten, war dies im
Gegentheil bei Winden aus südlicher Richtung der Fall. Das auf den Canaren
ortsüblich mit „tiempo sur“ bezeichnete und durch südliche Winde chärakterisirte
Wetter hatte ich die Gelegenheit, in Puerto de Orotava während fünf Tage .zu
beobachten. Diese vom 17. bis zum 21' Januar 1901 dauernde Periode zählte
meteorologisch zu den interessantesten Tagen, welche ich während meines
dortigen Aufenthaltes erlebte. =: Denn seit etwa fünf-Jahren — so hiels es —
sei diese im Winter nicht seltene, für die in Bezug auf das Wetter so verwöhnten
Inselbewohner unangenehme Erscheinung nicht mit solcher Intensität und
Ausdauer aufgetreten. Während in Santa Cruz an diesen Tagen zum Theil
heftiger Wind geherrscht, war die Luftbewegung in Puerto de Orotava, an der
Nordküste, vorwiegend eine ganz geringe, am Nachmittag fast ganz windstille,
doch wurden gelegentlich plötzliche Böen oder Stofswinde beobachtet.. Nur
am 20, Januar nachmittags steigerte sich die Luftbewegung auf kurze Zeit,
etwa zwei Stunden lang, zu sturmähnlicher Heftigkeit, Im krassen Gegensatz
zu der sonst klaren, ungemein reinen Atmosphäre erschien dieselbe jetzt schon
frühmorgens dunstig und sehr unsichtig, um im Laufe des Tages sich bis zu
nebelähnlicher- Undurchsichtigkeit zu verdunkeln.. Hierbei bedingten jedoch
nicht feuchte Nebel die Trübung, sondern Massen feinsten Staubes, die im
Freien sowie innerhalb der Gebäude einen grauen Ueberzug auf allen Gegen-
ständen hinterliefsen. Das Licht war gedämpft, jedoch weifslich, und die ge-
legentlich sichtbare Sonnenscheibe erschien mattweifslich‘ bis bläulichweifs.!)
Bis zum 20. Januar. mittags verlief Alles ruhig... Die relative Feuchtigkeit
schwankte vom 17. Januar bis zum ‘20. Januar 8* V. zwischen 62 und. 94 %
und erreichte sogar am Morgen des 20. Januar das Maximum von 94%. Gleich
nach Mittag begann stürmischer SW einzusetzen, während dessen die ‘ relative
Feuchtigkeit plötzlich sank, um sich über mehrere Stunden’ auf 35 °/o zu“ halten;
und die Lufttemperatur sich auf 22,6° C. hob. Vereinzelte Linienblitze zuckten
über dem stark bewegten Ozean und wurden von kurzen Regengüssen begleitet.
(4 N.) Um 6 Uhr wurde der Wind wieder schwach, die relative Feuchtigkeit
stieg auf 55%, und gegen Abend trat geringe Aufhellung bei:60°/o relativer
Feuchtigkeit ein. Die Lufttemperatur hatte jedoch zwischen 2 und 8& N, nur
um 2,2° C. abgenommen... Am 21. Januar herrschte noch leichter Dunst bei
gänzlicher‘ Windstille, welche an den folgenden Tagen allmählich‘ einer östlichen
Windrichtung Platz machte.
Da diese Witterungsperiode ein besonderes ‘Interesse‘ beansprucht, so
stelle ich nachfolgend die während derselben von mir beobachteten meteoro-
logischen Daten zusammen:*) “
Tabelle IX. .
1902 Jannar
Monat
Tag]
Qah V
b. | wu [5
am 1°C | 04
17.
18,
19.
20.
21.1
770,0 17,5 80
769,0/ 15,0} 70
769,0| 16,1 | 62
769,0 17,3 | 94
767,0) 17,5 1.81
2b N.
b. | t Irf
mm '9C. 0a
768,5| 20,6
768,0) 20:0
767,0| 18,8
766.0! 22,6
266.0 20.83
85
79
73
35
86
Rh N.
. | Be
770,0 17,5
768,5| 16,3
767,5] 18,4
767,0] 20,4
769,5| 18,1}
88
75
73
60
79
1) Nicht immer tritt dieser Staubnebel gleichartig in die Erscheinung. Je nach der Gegend
innerhalb Afrikas, der die Staubmassen entstammen, können die letzteren verschieden gefärbt sein;
häufig sehen dieselben rothbräunlich ans, Von grofser Gefährlichkeit sind diese Staubnebel auf See.
2) b. = Barometerstand. t. = Lufttemperatur. r. f.— relative Fenchtigkeit.