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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1902.
Erhöhung der Luftwärme in den ersten Nachtstunden folgte, eine Erscheinung,
der ich jedoch bei der Kürze meines Aufenthaltes ebenfalls nicht weiter nach-
gehen konnte.
Die allgemeine grofse Gleichmäfsigkeit der Lufttemperatur während der
Beobachtungsdauer ist beim Vergleich der Tagesmittel in die Augen springend
und um so bemerkenswerther, als Windrichtung sowie Bewölkung einem beträcht-
lichen Wechsel unterlagen.
Luftdruck. ?)
Ein Blick auf die Tabellen VI bis VII zeigt hinsichtlich der beobachteten
Luftdrucke zweierlei Momente, welche besonders beachtenswerth erscheinen,
nämlich einmal eine auffällig geringe Schwankung des Druckes überhaupt und
dann eine, wenngleich kleine, aber deutlich ausgeprägte Tagesamplitude.
Während die europäischen Küsten nördlich der sogenannten Ro[sbreiten,
namentlich, während der Wintermonate, in denen tiefe atlantische Depressionen
in bald langsamer, bald rascher Folge auf die Aenderung der Witterung einen
30 grofsen Einflufs ausüben, sehr häufig sprungweise Aenderungen des Barometer-
standes von 10 bis 20 mm und darüber innerhalb eines Tages erfahren, zeigt das
Barometer auf den Canaren während der nämlichen Jahreszeit eine meist kleine
und langsame Aenderung des Luftdruckes an. Dies ist um so charakteristischer,
als während der Beobachtungsperiode auch in diesen Breiten im Gegensatz zu
dem Nordostpassate der Sommermonate eine ‚oft wechselnde Windrichtung
herrschte. Der Archipel gehört eben einem ganz anderen Klimagebiete an, als
Südeuropa, dessen Meteorologie trotz der nicht allzu grofsen Ferne mit derjenigen
der Canaren in keinem direkten Zusammenhange steht. Hierauf deuten auch
— ohne dem geringen Beobachtungsmaterial in dieser Hinsicht gröfsere Be-
deutung beilegen zu wollen — die Durchschnittswerthe der gemessenen Barometer-
stände, welche nicht unerheblich über den in unserem Kontinente geltenden
Normaldruck hinausragen. Vielleicht spricht diese Erscheinung dafür, dafs die
Gebiete maximalen Luftdruckes, welche wir als Rofsbreiten bezeichnen, sich
während der Wintermonate weiter nach dem Aequator vorschieben als im
Sommer, ?) so dafs die Canaren in dieser Jahreszeit als noch theilweise oder
ganz innerhalb derselben gelegen anzunehmen sind.
Schon in den ersten Wochen meines Aufenthaltes auf Tenerife fiel mir
ein kleines Sinken des Luftdruckes gegen den Mittag zu auf, um gegen Abend
wieder anzusteigen, und in der That bestätigt der Durchschnitt der Termine
diese barometrische Amplitude. In derselben würden wir bereits einen Anklang
an die Meteorologie der Tropen Gnden.
Windrichtung, Bewölkung, Niederschläge.
Wie im vorhergehenden Kapitel bereits bemerkt, befinden sich die Canaren
im Sommer bereits unter dem Einflufs des Nordostpassates, dessen Nordgrenze
mit abnehmender Jahreszeit sich mehr und mehr dem Aequator nähert, während
der Archipel im Winter Winde aus wechselnder Richtung empfängt. Dies be-
stätigte sich während der Beobachtungszeit vollauf, indem Winde aus allen acht
Hauptrichtungen der Windrose vertreten waren. Von 59 Windbeobachtungen
entfielen die nachfolgenden Zahlen von Einzelbeobachtungen auf die acht Haupt-
richtungen der Windrose:
Windrichtung
N
wa} aan] q Kal ww
NW
Windstillen
|2lm! 2) 3l slulul 2|
. | ; . ; 1 ;
Mithin entfiel etwa der vierte Theil (25,4 %/o) aller meiner Beobachtungen
auf den Canaren auf die Nordustrichtung, die im Sommer konstant herrschende.
Nächst NO waren West und SW die weitaus häufigsten.
Zahl der Beobachtungen .
1) Es wurde davon Abstand genommen, die nachträglich ermittelte kleine Korrektur noch an
den Barometer-Ablesungen anzubringen, da der Werth für die Zeit der Beobachtung nicht verbürgt
werden konnte.
2) Dafs das Hochdruckgebiet der sogenannten Rofsbreiten, welches auch die Canarischen
Inseln umfafst, im Winter gröfsere Intensität und Ausdehnung als im Sommer besitzt, ist hinlänglich
festgestellt; vgl. auch „Atlas zum Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean“, herausgegeben von
der Direetion der Dentschen Seewarte. D. Bed.