Reuter, W.: Ueber die Benutzung des Semiversus bei nautischen Rechnungen, 33
.. Diese Beziehung zwischen dem Semiversus und Cosemiversus desselben
Winkels kann nun bei nautischen Rechnungen oft mit Vortheil verwendet werden,
Ist die Semiversustafel so eingerichtet, dafs die Winkel von 0 bis 24 Stunden
durchgezählt sind, so kann daraus auch der Cosemiversus eines beliebigen Winkels
entnommen werden. Man erhält nämlich cosem x, wenn man mit 12* (180°) + x
in die Tafel eingeht. Sind die Winkel nur in Zeitmafs gegeben, so ist das
für die Rechnung nur dann störend, wenn man während der Rechnung: die Um-
wandlung aus dem einen in das andere Mafs vornehmen mufs. Ob am Schlusse
der Rechnung der Winkel in Zeit- oder Bogenmals gefunden wird, ist von keiner
Bedeutung, da eine Umwandlung des einen Mafses in das andere nur wenig Zeit
und Arbeit erfordert. In den '"Tafelsammlungen von Dr. Behrmann und
Breusing sind die Winkel in der Semiversustafel von 0 bis 24 Stunden durch-
gezählt; man kann also den Werth des log cosem irgend eines Winkels x daraus
entnehmen, wenn man mit 2R -} x eingeht oder, was dasselbe ist, beim unteren
Eingange 12 Stunden vernachlässigt. Dies ist so einfach, dafs man es nicht als
Arbeit ansehen kann, während man bei den Tafeln, die nur einen oberen Ein-
gang von 0° bis 180° haben, log cosem x mit dem Supplement des Winkels x
aus der Tafel entnehmen müßte, was immerhin unbequem ist und die Rechnung
erschwert. Nunmehr mögen die Anwendungen folgen.
Ist eine Höhe in der Nähe des Meridians beobachtet und ist die Ortszeit
bekannt, so kennt man, da die Abweichung des Gestirns aus dem „Nautischen
Jahrbuch“ entnommen wird und mit der Ortszeit auch der Stundenwinkel irgend
eines Gestirns gegeben ist, im Grunddreieck, Zenitdistanz, Poldistanz und Stunden-
winkel; das Breitenkomplement oder die Breite kann demnach berechnet werden.
Liegt aber der Stundenwinkel innerhalb gewisser Grenzen, so berechnet man die
Breite bequemer durch Annäherung. Man kann dann entweder die Ergänzung
der beobachteten Höhe zur Meridianhöhe oder unmittelbar die Meridionalzenit-
distanz berechnen. Bezeichnet man wie gewöhnlich die Breite mit %, die Ab-
weichung mit d, den Stundenwinkel mit t, so ist #—d = Z die Meridionalzenit-
distanz. Die beobachtete Höhe sei h und 90°-—h ==z die Zenitdistanz, dann
gilt bekanntlich die Gleichung:
sinh = cos z = cos (# — d) — 2 sem t cos @ + cos d
Oder: .
cos Z == cos z + 2 sem t cos #» cos d
_ Subtrahirt man beide Seiten der Gleichung von 1 und dividirt zugleich
durch 2, so ist:
sem Z = sen z — sem t cos p + cos d
= sem z ( 1 — m Ca 988)
sem zZ
sem t cos 9 + cos d
——r- => COsem X
sem zZ
zesetzt, so ist, da 1-—- cosem x = sem x ist:
sem Z — sem z sem X
. Beispiel (Breusing, 3. Auflage, Seite 285). Nach der Loggerechnung
befand man sich in 37° 58'N, 44° 52' W und beobachtete hier die‘ wahre Höhe
des Sirius 34° 30,4‘, sein Stundenwinkel war 0* 40” 5° Ost, seine Abweichung
16° 31,3‘S. Die Breite soll berechnet werden:
== Ost 40m 5s log sem = 7,88239
D = +379° 58 log cos = 9,89673
= — 16° 31,3‘ log cos = 9,98169
— O5 SE
% —_ AM \ colog sem = 0,66407 ;
= 10st 44m 55s log cosem X = 8,42488
log sem x = 9,98830 J
log s°— " — 9,32423
Bst 38m 44,78
54° 41,2‘ N
= 16°8188 _
Breite — 38° 9:,9' N
ud
Ann. d. Hydr. etc... 1902. Heft I.