438 Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1902.
besitzt, sondern nicht zum wenigsten auch die zahlreichen dort gut gedeihenden
eingeführten Pflanzenarten, welche den heterogensten Klimaten entstammen.
Neben echt tropischen Bäumen, wie Mangifera indica, Coffea, und Palmen, wie
Caryota urens, Arenga saccharifera, Euterpe oleracea, Guilielma speciosa u. A.,
gedeihen auf den Canaren unsere Eiche und Platane, neben Bananen und Zucker-
rohr reifen unsere Aepfel und Birnen, kommen europäische Gemüse bestens fort,
bilden nordische Gräserarten schöne Zierrasen in den Gärten, und in der un-
mittelbaren Nähe typischer Wüsten- und Steppenpflanzen im Litorale entspriefst
den Ritzen der sonnigen, scheinbar ausgedörrten Lavafelsen der zarte Wedel
des Adjantum,
Eine im verflossenen Winter unternommene Reise nach den Canaren gab
mir Gelegenheit, auch eine Reihe meteorologischer Beobachtungen anzustellen,
deren Ergebnisse ich nachfolgend in Kürze berichten möchte. Die Ausreise
(11. Dezember 1901) erfolgte mit einem direkten Dampfer (der Woerm ann-Linie)
ab Hamburg nach Las Palmas, Gran Canaria, und die Rückreise von dort
(17. Februar 1902) mit dem nämlichen Schiffe. Während beider Seereisen
wurden an allen Tagen Temperatur und Luftdruck zu bestimmten Terminen
‘8, 2, 8) gemessen und anschliefsende Beobachtungen über Windrichtung, Be-
wölkung ete. gemacht.
Auf den Inseln Gran Canaria, Teneriffa und Palma habe ich die
Terminbeobachtungen im Bereiche der Möglichkeit weiter durchgeführt. Da
meine Reise jedoch vorwiegend botanische und landwirthschaftliche Zwecke
verfolgte, so war im Ganzen mein Aufenthalt ein mehrfach wechselnder, und auch
die an einigen Orten mit längerer Station (Santa Cruz, Puerto de Orotava) an-
gestellten Beobachtungsreihen erfuhren durch mehrere gröfsere Exkursionen
Unterbrechungen, wiewohl die kleineren derartigen Touren immer auf die
zwischen den Terminen liegenden Zeiträume gelegt wurden, so dafs diese
genau eingehalten werden konnten.
Noch andere meteorologische Notizen, welche sich hauptsächlich nur auf
Temperaturmessungen beziehen, wurden während gröfserer und kleinerer
Explorationsreisen zu Fuls und per Maulthier durch das gebirgige Innere
der Inseln gemacht, von denen die interessantesten, auf Traversirungen der
Kämme von Teneriffa und Palma gesammelten, sich am Schlusse zusammen-
gestellt finden.
An Instrumenten diente mir zunächst als Barometer ein gutes, bereits
auf vielfachen Gebirgsreisen bewährtes und wiederholt geprüftes Aneroid (Elliot,
London), das für Temperatur kompensirt ist.!) Dasselbe wurde vor und
nach der Reise sowie auf Teneriffa selbst im Instituto y Universidad de
S. Fernando zu La Laguna mit guten Quecksilberbarometern verglichen. Die
Terminablesungen erfolgten im liegenden Zustande des Instrumentes nach jedes-
maligem leisen Beklopfen und wurden für die drei längeren Aufenthaltsorte
Santa Cruz, Puerto de Orotava und Güimar, Teneriffa, auf den Meeresspiegel
reducirt. Die während der Explorationsreisen durch das gleiche Instrument
angezeigten Höhenangaben wurden stets erst nach längerem Verweilen an den
geeigneten Rastpunkten abgelesen, wobei die Höhenskala jedesmal zu Beginn
der Exkursion auf bestimmte Fixpunkte (Meeresufer, gemessene Höhen) ein-
vestellt worden war.
Bei Temperaturmessungen bediente ich mich ferner mehrerer geprüfter
Schleuderthermometer, die an offenen, vom Luftzuge bestrichenen und von
Sonnenstrahlen nicht direkt getroffenen Oertlichkeiten so lange mit der Hand
oewegt wurden, bis die Ablesung Konstanz ergab. Die gefundenen Werthe
dürften also nicht zu hohe sein. Dasselbe, an gleichen Lokalitäten aufgehängte
Thermometer ergab infolge der starken Wärmeausstrahlung des Bodens und
aller festen Gegenstände auf den Canaren stets zu hohe Werthe. Bei Regen
wurde die Manipulation des Schleuderns an vor Regen geschützten, jedoch vom
Luftzuge bestrichenen Stellen vorgenommen, da das während des Schleuderns
vom Regen benetzte Instrument meistens etwas zu tiefe Angaben machte.
Nachträglich auf der Seewarte geprüftes und als gut befundenes Aneroid-Barometer.