Besuch der deutschen Polarstation an der Royal-Bai auf Süd-Georgien etc. 437
Der Berg Krokisius wurde von einem Mitglied der Expedition, Kandidat
Skottsberg, zur Aufsuchung der von der deutschen Expedition zurückgelassenen
Extremthermometer, bestiegen. Skottsberg berichtet hierüber:
»Einige Meter von einem grofsen Steinblocke wurde die Holzplatte, in
der die Thermometer befestigt waren, angetroffen. Sie war mit einer 3 m langen
Schnur im Boden befestigt und lag inmitten eines kleinen Schneehaufens, sowohl
Wind und Wetter als auch herunterfallenden Steinen vollständig schutzlos
ausgesetzt. Die Thermometer waren zertrümmert. Alle Umstände deuten
darauf hin, dafs die. die Thermometer tragende Platte nach der Abreise der
deutschen Expedition auf irgend welche Weise aus ihrer anfänglichen Lage
gebracht worden ist.«
Der Fufs des Rofs-Gletschers' war von der deutschen Expedition in Bezug
auf seine Lage mehrmals bestimmt worden, es hatte sich ergeben, dafs derselbe
von August 1882 bis August 1883 um 800 bis 900 m zurückgewichen war.
‚Von unserem Geodäten, Duse, wurde seine Lage jetzt (29, April 1902)
wieder aufgenommen und damit festgestellt, . dafs der Rofs-Gletscher gegen-
wärtig etwas über die von der deutschen Expedition beobachtete
Maximallage in das Meer vorgerückt ist.
Bei der Abreise des D. »Antarectic« aus Royal-Bai am 30. April wurde im
Vorbeigehen bei der Station die Erinnerung an die Arbeit der deutschen Expedition
mit vierfachem Hurra gefeiert ;
‚Ueber die Thätigkeit der schwedischen Expedition in Cumberland - Bai
vom 1. Mai bis 15. Juni wird an anderer Stelle näher berichtet. (Ymer, Zeit-
schrift der schwedischen geographischen Gesellschaft und Peterm. Mitth.)
Am 4. Juli traf »Antarctic« wieder in Port Stanley ein.“
Port Stanley, an Bord des D. „Antaretic“, 7. Juli 1902.
C. A, Larsen, .
Kapitän des Expeditionsschiffes,
J. G., Andersson,
Verordneter wissenschaftlicher Leiter der
Schiffsexpedition.
Meteorologische Beobachtungen auf einer Winterreise nach. den
Canarischen Inseln.
Von Dr. 0. Burchard, Vorstand des Agrikulturbotanischen Versuchsstation zu Hamburg.
Ueber das Klima der Canaren, insbesondere der beiden gröfsten dieser
Inseln, Teneriffa und Gran Canaria, sind bereits gröfsere Arbeiten und Studien
veröffentlicht worden. Die vorliegende Literatur finden wir in dem Handbuche
von Hann!) zusammengestellt, auf welches ich hier nur zu verweisen brauche.
Auch in der vor einigen Jahren erschienenen Monographie der Insel Teneriffa
von Dr. Hans Meyer‘*) sind viele werthvolle meteorologische Einzelbeobachtungen
enthalten, welche dieser Forscher auf seiner Bereisung der Insel angestellt hat.
Das Klima dieser atlantischen Inseln, insbesondere «der ganz von dem
südlichen Arme des Golfstromes umspülten fünf westlichen, ist bekanntlich ein
ausgesprochen ozeanisches, limitirtes und mildes; deren Küstenplätze zeichnen sich
durch eine sehr gleichmäfsige Temperatur aus. Auf den Menschen hat es
eine im Allgemeinen gesunde, auf manche Eingewanderte vielleicht etwas ver-
weichlichende und die Verdauungskraft abschwächende Einwirkung, übt aber in
höheren Gebirgslagen einen entschieden wohlthuenden Reiz auf den Körper aus,
Dem Pflanzengeographen fallen nicht nur die an Geringfügigkeit der
Niederschläge in: weitgehendem Mafse angepafsten, sehr eigenthümlichen
endemischen Gewächse auf, deren der Archipel eine bemerkenswerthe Anzahl
5 J. Hann: „Handbuch der Klimatologie“, Bd. III, Seite 60. Stuttgart 1896.
2) Dr. Hans Meyer: „Die Insel Tenerife“. Leipzig 1896.
Ann. dd, Hydr. etc., 1902, Heft IX.