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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Schott, G.: Ozeanograph. Beobachtungen während einer Reise nach den westindischen Gewässern. 435 
auch im Karaibischen Meere vor. Nur in. der nordöstlichen Ecke, ungefähr 
zwischen der Vogel-Insel und der dänischen Insel Santa Cruz, fanden wir 
deutlich blaues Wasser (Forel-Skala 2 bis 3 °/% gelb) zugleich mit einer deunt- 
lichen Zunahme des Salzgehalts. Ich vermuthe, dafs das  Karaibische Meer 
sehr reich an vegetabilischem Plankton ist und hauptsächlich dadurch die Grün- 
färbung hervorgerufen wird; ausgeschlossen ist auch nicht, dafs in den anderen 
Jahreszeiten die Wasserfarbe des Karaibischen Meeres erheblich mehr dem 
Blau sich nähert, 
Es ist sehr zu wünschen, dafs in nicht zu langer Zeit die erheblichen 
Lücken in unseren Kenntnissen von den physischen Verhältnissen selbst des 
Oberflächenwassers der westindischen Gewässer durch neue, vollwerthige Beob- 
achtungen ausgefüllt werden; es gilt dies auch für das Gebiet des Golf- 
stromes von Florida ab nordwärts bis zur Höhe von New York. 
Im Uebrigen fällt bei den Beobachtungen. über die Wasserfarbe der 
Umstand auf, dafs in den Breiten nördlich von 35° und besonders nördlich von 
40° N-Br. die Meeresoberfläche in diesen Frühjahrsmonaten April und Mai eine 
im hohen Grade zum Grün neigende Farbe erkennen liefs (mit 4 bis sogar 10% 
gelb), und dies in Gegenden, welchen nach den bisher vorher vorliegenden An- 
gaben!) eine blaue Farbe (0 bis 2% gelb) oder doch höchstens blaugrüne 
Färbung (2-bis 5° 0 gelb) eigen ist. Dieser während der Reise der „Croatia“ 
beobachteten Abweichung liegt nach meinem Dafürhalten durchaus keine Zu- 
fälligkeit, sondern vielmehr eine thatsächliche Periode der Wasserfarbe insofern 
zu Grunde, als im Frühjahr der Ozean in besonders hohem Grade mit Neu- 
wucherungen von Plankton erfüllt und damit die Grünfärbung hervorgerufen 
sein dürfte. Alle anderen Beobachtungsreihen nämlich — diejenige Krümmels 
auf dem „National“ 1889 sowie die von mir selbst auf dem „Robert Rickmers“, 
„Peter Rickmers“ und der „Valdivia“ 1891, 1892, 1898 gewonnenen Daten — 
fallen ausnahmslos in den Hochsommer und Herbst, also in eine Jahreszeit, in 
welcher aller Wahrscheinlichkeit nach die Planktonmenge, der jährlichen Periode 
des Entstehens und Vergehens entsprechend, bereits wieder erheblich abgenommen 
und die Wasserfarbe dadurch an Blaufärbung gewonnen hat. Jedenfalls eröffnet 
sich hier ein weites Feld für zukünftige Forschungen über die Verknüpfung 
meeresphysikalischer und meeresbiologischer Faktoren. 
Was endlich die Vertheilung des treibenden Sargasso betrifft, 
so führte sowohl die Ausreise wie die Heimreise mitten durch das Centralgebiet 
der sogenannten Sargasso-See hindurch; die Zone der gröfsten Häufigkeit des 
Beerentangs lag beide Male ganz in der Nähe des Wendekreises, entsprechend 
der Lage der einen Humboldtschen Fucus-Bank; die Nordgrenze lag beide 
Male auf ungefähr 34° N-Br. — Bis dicht vor Sombrero, welches die An- 
steuerungsinsel für St. Thomas ist, beobachtete ich einzelne Sargassobüschel; 
sie fehlten aber sofort und gänzlich, sowie wir die Jungfern-Inseln im Norden 
hatten. Dies gilt auch für Puerto Rico und Haiti; eben nördlich und zwar 
in Sicht dieser Antillen hatten wir immer Sargasso, aber schon in der Mona- 
Passage war nichts davon zu sehen. Im gesammten östlichen Karaibischen 
Meere ist mir nicht ein Stengel Sargasso zu Gesicht gekommen, obschon nach 
der Krümmelschen Karte’) das Beerenkraut an allen Küsten .des Antillen- 
meeres, auch an der venezolanischen Küste, festsitzend vorkommen soll. Es 
ist mir übrigens nicht gelungen, an auch nur einer Stelle der Küsten des 
Karaibischen Meeres Sargasso an seinem Standorte festsitzend zu beobachten; 
auch verschiedene mit dem westindischen Strande und seinen Besonderheiten 
genau vertraute Gewährsleute kannten es nicht. Es erscheint mir heute, gerade 
nach der kritischen Darlegung des Problems durch Krümmel, besonders 
wichtig, genau festzustellen, wo denn eigentlich das am Strande festsitzende 
Sargasso überall vorkommt, welches die offene See mit stets neuer Zufuhr 
versorgt; wahrscheinlich muß man die :gesammten Küsten des Karaibischen 
Meeres aufser Betracht lassen, indem es möglicherweise nur an den Nordküsten 
der Grofsen Antillen und auf den Bahama-Bänken wächst, 
1) „Valdivia“-Werk, I. S. 223, 229. Taf. XXXVI 
Z „Geophysikal. Beobachtungen“, Kiel 1893... Taf. 4.
	        
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