Rasche Reise der Viermastbark „Pitlochry“ von Hamburg nach Taltal.
von den Azoren lag. Diese Wetterlage. erhielt sich längere Zeit und war für
den Verlauf der Ausreisen der übrigen Segler von weittragender Bedeutung.
Alle auf diesem Wege befindlichen Schiffe. hatten südwestlichen Wind, der in
der Gegend von Madeira ‚zeitweise so heftig wehte, dafs die Dampfer dort keine
Kohlen nehmen konnten.
Die ausgehenden Segler, die dem gewöhnlichen Seglerwege folgten,
trafen daher sehr ungünstige Gelegenheit zur Förderung ihrer Reisen, die
sämmtlich auf dieser Strecke sehr lang wurden.
„Pitlochry“ verdankt seine schnelle Reise bis zur Linie demnach nicht den
allgemein günstigen Windverhältnissen, sondern vornehmlich dem zutreffenden
Urtheil seines Führers über die vorhandene Wetterlage und der Wahl eines
dementsprechenden Weges. In Fig. 1 geben wir die Wetterlage im östlichen
Theile des Nordatlantischen Ozeans für den 5. Februar 1902, und in Fig. 2 den
Weg des Schiffes „Pitlochry“. Aus beiden wird man die Richtigkeit der vor-
stehenden Behauptung erkennen.
Wie es unter ähnlichen Verhältnissen von der Seewarte empfohlen und schon
öfter mit Erfolg ausgeführt worden ist, umsegelte auch Kapt. Nissen das Tief-
druckgebiet an dessen Nordseite mit grofsem Erfolg. An der West- und Süd-
seite glückte die Umsegelung nicht in gleicher Weise, weil sich das Gebiet
weiter nach Westen ausdehnte, als vermuthet wurde, und man mufßs dem Kapt.
Nissen auch darin beipflichten, wenn er schreibt: „um die Umsegelung dieses
Gebietes noch vollkommener zu erreichen, hätte ich den Kurs noch westlicher
setzen müssen.“ Waren auch in einiger Entfernung westlich von St. Michael
die nördlichen Winde nicht so ausgeprägt wie die südlichen an der Ostseite
des Minimums, so hätte er doch den Wind überhaupt für den. weiteren Weg
dort raumer angetroffen, so dafs die Reise vermuthlich noch kürzer ausgefallen
wäre. Immerhin war Kapt. Nissen aber auch bei der Wahl des innegehaltenen
Weges im Stande, den dann folgenden südwestlichen Wind ausnützen zu können, und
gelangte, ohne zu wenden, in das Passatgebiet, wenn auch an sehr. östlicher
Stelle. Auf dem ferneren Wege traf „Pitlochry“ nie lang anhaltende Gegen-
winde oder Windstillen, so dafs die Reise durch solche fernerhin nicht mehr
verzögert wurde. H. M.
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Ozeanographische Beobachtungen während einer Reise nach den
westindischen Gewässern.
Von Dr. 6. Sehott. Hamburg, Seewarte.
In der Zeit vom 1. April bis 14. Juni d. J..war es mir dank dem Ent-
gegenkommen des Reichs-Marine-Amts und der Hamburg—Amerika-Linie vergönnt,
mit dem Dampfer „Croatia“, Kapt. H. Brunswig, eine Rundreise von Hamburg
nach Westindien und zurück auszuführen, Die Route des. Schiffes war durch
das Hauptziel Venezuela gegeben und führte von Hamburg über Antwerpen und
Havre nach den Azoren und nach St. Thomas, von da nach San Juan auf
Puerto Rico; dann wurde San Pedro de Macoris und Domingo City im Staate
Domingo, an der Südküste der Insel Haiti, besucht, von hier aus das Karaibische
Meer nach La Guaira durchquert. Während der Dampfer nach Puerto Cabello
und Curacao weiterging, um nach Puerto Cabello zurückzukehren, machte ich
eine höchst lehrreiche und interessante Landreise über Caracas längs der deutsch-
venezolanischen Eisenbahn zum See von Valencia und von da nach San Esteban
und ging in Puerto Cabello wiederum an Bord. Nach einem.erneuten Auf-
enthalt in La Guaira wurde der Dampfer statt nach den Kaffeehäfen Puerto
Ricos nach Carüpano im östlichen Theile der Nordküste Venezuelas beordert.
Hatten wir schon in Domingo mit einer der in den westindischen
Republiken üblichen Revolutionen Fühlung bekommen — am 28., 29, und 30, April
wurde in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt gekämpft und am 1. Mai musste
der Präsident Jimenes abdanken —, so geriethen wir hier in Carüpano erst
recht in das Getriebe einer Revolution hinein, und zwar. der von Matos gegen