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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Ann. d. Hydr: ete.,: XXX, Jahrg. (1902), Heft IX. 
{21 
Ableitung der. normalen Morgen- und Nachmittagstemperaturen 
der deutschen Stationen. 
die Wetterberichte der Deutschen Seewarte. 
(Hierzu Tafel 17.) ; 
A. Morgentemperaturen. ; 
In den ‚Wetterberichten der Deutschen Seewarte . werden neben. den 
Morgentemperaturen der Stationen‘ des Inlandes die Abweichungen dieser 
Temperaturen vom vieljährigen‘ Mittel angegeben. In das Depeschenmaterial 
wurden . früher. die Morgentemperaturen aufgenommen, die auf. den einzelnen 
Stationen meist um 8* Ortszeit, an einzelnen um 7* Ortszeit abgelesen wurden. 
Die tägliche Temperaturvertheilungskarte war somit auch für Deutschland nicht 
im strengen Sinne synoptisch, insofern sie nicht die Wärmevertheilung für einen 
bestimmten Augenblick darstellte. Wie die Normaltemperaturen, mit denen 
diese Morgentemperaturen verglichen. wurden, abgeleitet sind, findet sich in 
„Ann. d. Hydr. etc.“ 1878, S.:1.bis 11, dargestellt... | 
Seit: dem 1. Mai 1900. ist in den Morgendepeschen ‘eine grundlegende 
Aenderung eingetreten. Zu den täglichen Beobachtungen auf‘ den einzelnen 
Inlandstationen, die nach wie vor zu bestimmten Tagesstunden nach Ortszeit 
angestellt werden, ist.eine weitere hinzugetreten, ‚die um 8" V, nach mittei- 
europäischer Zeit ausgeführt wird. Und diese neuen Beobachtungen, die also 
ein im strengen Sinne synoptisches Material liefern, kommen mit dem genannten 
Zeitpunkte in den täglichen Wetterkarten zur Darstellung. Für die in den 
Wetterberichten verzeichneten Abweichungen der Morgentemperaturen vom viel- 
jährlichen Mittel mufsten als Normaltemperaturen bisher aber noch immer jene 
früheren für:8* Ortszeit abgeleiteten Werthe ‘benutzt werden, da auf 8% M. E.Z. 
sich beziehendes Vergleichsmaterial noch nicht vorlag. 
. In "den folgenden Zusammenstellungen sind für die‘ einzelnen Stationen 
die Mittelwerthe der Temperatur. um 8" V. M. E. Z. berechnet, und zwar ist das 
ganze Material auf den 40jährigen Zeitraum 1851 bis 1890 reducirt, während die 
1878 veröffentlichten Werthe, die für 7° bezw. 8" V. Ortszeit galten, sich auf 
den 25jährigen Zeitraum 1848 bis 1872 bezogen. . 
. Das Verfahren im Allgemeinen‘ war dasselbe wie bei der früheren Ab- 
leitung. Es wurde für jede Station für jeden Monat das Mittel der Temperatur 
um 8" V. M.E. Z., bezogen auf den Zeitraum 1851 bis 1890, bestimmt. Mit 
diesen Mittelwerthen wurde in ein Koordinatennetz zunächst in treppenförmigem 
Zuge der jährliche Temperaturgang für 8" V, M. E. Z. eingetragen, indem jedem 
Monat konstante Temperatur gegeben wurde; dann wurde durch die Treppe 
eine Kurve gelegt, die die gleichen Monatsmittelwerthe ergeben sollte. An den 
dieser Kurve entnommenen. Werthen für die einzelnen Tage des Jahres wurden 
die noch nöthigen kleinen Korrektionen angebracht, um völlige Uebereinstimmung 
mit dem Monatsmittel zu erreichen.‘ " .- . ; 
‚ Die Monatsmittel für 8* V., M; E. Z. sind aus den vieljährigen Monats- 
mitteln für den Tag unter Zuhülfenahme der mittleren täglichen Gänge der 
Stationen: Königsberg, Wustrow, Kiel, Hamburg, Bremen, Aachen, Magdeburg, 
Chemnitz, Potsdam, Prag, Strafsburg i. E., Kaiserslautern, Hohenheim, München 
und Brocken abgeleitet, während für. mehrere Stationen noch‘ die mittleren Ab- 
weichungen der Terminbeobachtungen (6*, 7" oder 8% V, Ortszeit): vom Tages- 
mittel mitverwendet werden konnten. Da diese mittleren. Abweichungen der 
Mitteltemperatur zu bestimmten Stunden nach Ortszeit vom Tagesmittel auch 
für andere ähnliche Arbeiten von Werth sein können, möge in der folgenden 
Tabelle I ein Theil dieses Materials zusammengestellt sein. Es bedeutet 
6 V.— M, 7hV.— M, 81 V.— M, 9° V;— M, 2" N.— M die mittlere Abweichung 
der Teinperatur um 6*, 7*, 8, 9* V, und um 2* N, mittlere Ortszeit vom Tages- 
mittel, M dieses Tagesmittel selbst, und zwar ist M das wahre Tagesmittel nach 
Thermographenregistrirungen, 
Ann. & Hydr. etc., 1902, Heft IX. 
tür
	        
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