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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Von Cardiff über Yokohama und Portland, Or., nach Bremerhaven, 31 
Schlepper los, der den Lootsen mitnahm. Wir segelten dann mit einer leichten 
nordwestlichen Briese vom Lande ab; mit anfangs flauer, dann frischer westlicher 
Briese, die in den nächsten Tagen unstetiger und nördlicher wurde, segelten wir 
südwärts, bis wir am 19. Juni auf 27° N-Br und 127° W-Lg den Nordostpassat 
erhielten. Derselbe brachte uns aber nur bis auf 15° N-Br und 124° W-Lg. 
Hier fing ain 24. Juni der Wind an zu mallen, erst nördlich, dann südlich und 
frischte erst am 30. Juni, nach zwei Tagen Windstille, auf, holte dann aber 
südöstlich, so dafs das Einsetzen des Südostpassats auf 7° N-Br und 122° W-Lg 
stattfand. Am 6. Juli passirten wir in 128° W-Lg den Aequator, 28 Tage in See. 
Mit unstetigem Passat liefen wir bis 9° S-Br und 130° W-Lg, dann kam 
eine sehr unstetige Zeit mit bald nördlichem, bald südlichem Winde, Regen- 
schauern, Stille und steifen Böen. Am 19, Juli sichteten wir morgens Elisabeth 
Island (Henderson Isl.). 
Nach einigen weiteren Gewitter-, Stille- und Böentagen bekamen wir am 
24, Juli südwestliche Winde und am 27. nördlichen Sturm von Stärke 11. Mit 
oft sich wiederholenden Stürmen aus verschiedenen Richtungen bei schwankendem 
Luftdruck gelangten wir am 10. August, nach 35 Tagen Fahrt von der Linie, in 
Sicht von Diego Ramirez. Nach einigen Wachen mit aufserordentlich klarer 
Luft nahm der Wind bei fallendem Glas aus meist nordwestlicher Richtung 
wieder zum Sturme zu, holte am 14, August südwestlich und wehte nun mit 
Sturmesstärke, hoher See, Schnee- und Hagelböen und gräfßslicher Kälte. Bis 
zum 20, August auf 39° S-Br und 29° W-Lg gefror das überkommende Wasser 
zu Eis, und das ganze Deck, die Reling und das Tauwerk waren mit einer 
dicken Eisschicht bedeckt, Die Temperatur der Luft fiel bis — 5,6° C., die des 
Wassers bis — 2,2° C. 
Veränderliche, zuletzt etwas beständiger aus Nordwest kommende Winde 
brachten uns am 30. August auf 22° S-Br und 23° W-Lg in den Südostpassat, 
worauf am 6. September in 27!/a° W-Lg der Aequator passirt wurde. 
Am 7. September ging der Wind auf 4° N-Br und 27'/2° W-Lg südwestlich, 
tief dann mallend ganz herum und nahm in den nächsten Tagen einen stürmischen 
Charakter an, erst südwestlich, dann östlich mit starken Regenböen bis Stärke 10 
und hoher See. Er gab uns für die Strecke von 12° N-Br bis 26° N-Br eine 
Durchschnittsfahrt von 220 Sm im Etmal. 
Der Nordostpassat herrschte vom 14. September auf 18° N-Br und 28° W-Lg 
bis zum 16. September auf 26° N-Br und 32° W-Lg. Hier holte der Wind süd- 
östlich, lief aber dann, bei hoch steigendem Glas abflauend, wieder nordöstlich 
und blieb von dieser Richtung sehr flau und unstetig, bis er am 23. September 
zur Windstille abflaute und am 24. auf Südwest holte. 
Bei langsam fallendem Glas wurde der Wind aus letzterer Richtung .am 
26. September stürmisch, so dafs wir am 27. wieder ein Etmal von 270 Sm zu 
verzeichnen hatten, holte dann abflauend über Nordwest nach Nordost, krimpte 
dann aber nach einer kurzen Windstille wieder über Nordwest nach Südwest. 
Abwechselnd Wind aus Südwest und Nordwest führte uns dann am 
4. Oktober in die Nähe von Lizard, wo wir durch einen Lootsenkutter die Order 
erhielten, nach der Weser zu segeln; die ganze Reise bis dahin hatte eine 
Dauer: von 118 Tagen. . 
In der Nordsee hatten wir noch wieder sehr stürmisches Wetter auszu- 
stehen. Das Glas war schon seit 4"a am 5. Oktober bei westlichen steifen bis 
stürmischen Winden langsam gefallen, weshalb wir schon um 8" vor Fock und 
Untermarssegeln lagen. Am 6. fiel das Barometer von 4" bis 8a um 3,4 mm, 
von 8* bis 12" um 8,6 mm und dann bis 2"p um 5 mm auf 735,4 mm. Hier 
kam es zum Stillstand. Um 8a war die Luft sonderbar bleifarbig, und klarte 
es öfters aus Nordwest auf (weshalb wir nördlicher steuerten), doch blieb der 
Wind WSW mit harten Böen und Regen. Um 11® wurde es flauer, gegen 12% 
klarte es aus Süd auf, der Wind holte südlich und flaute ganz ab, lief dann 
gegen 1'°p über Ost und Nord ganz herum, bis er wieder WSW war. 
Er blieb indessen mäfsig, bis das Glas um 2°p seinen niedrigsten Stand 
erreicht hatte. Da die Flaue bei dem Aussehen der Luft und dem niedrigen 
Barometerstande etwas Unheimliches, Drückendes hatte, so machten wir die 
Fock fest. Nach 2% p, unser Schiffsort war 52° 22‘ N-Br und 2° 30’ O-Lg, fing es 
denn auch ordentlich aus WNW an zu wehen. Bei allmählich steigendem Glas
	        
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