Die Witterung an der deutschen Küste im Juni 1902.
21. und 22. an der ganzen Küste sowie am’ 23. und 24. von Rügen ostwärts;
trocken oder bis auf geringfügige und vereinzelte Beträge frei von Nieder-
schlägen blieben an der ganzen Küste der 1. bis 3., 17., 18. und 25, bis 30.,
also 11 Tage. — Sehr ergiebige, in 24 Stunden 20,0 mm übersteigende Regen-
fälle fanden statt am 7. in Friedrichsort und Marienleuchte (je 22 mm), 10. in
Brüsterort (39), 13. in Wismar (38), 14. in Kiel (20), Friedrichsort (23), Trave-
münde (23) und Wismar (24) sowie am 19. in Neufahrwasser (30). — Gewitter
traten über gröfserem Gebiete am 5. von der Elbe bis Pommern, am 13, ost-
wärts bis Mecklenburg, am 15. ostwärts bis zur Elbe, am 20. an der preufsischen
Küste und am 30. ostwärts bis Mecklenburg auf, — Nebel wurde in gröfserer
Verbreitung nur am 2, an der Ostsee-Küste und am 21. von Rügen ostwärts
beobachtet. — Als heitere Tage, an denen die nach Skala 0 bis 10 geschätzte
Bewölkung im Mittel aus den drei Terminbeobachtungen kleiner als 2 war,
charakterisirten sich über gröfserem Gebiete der 1. an der, ganzen Küste, der
2, an der Nordsee, der 3, und 4. an der ganzen Küste, der 12, an der Ostsee,
der 17. an der ganzen Küste, der 18. von Rügen bis Pommern, der 20. ostwärts
bis Mecklenburg und der 25. bis 30. an der ganzen Küste,
Zu Beginn des Monats lag die Küste im Bereiche einer von der Biscaya-
See bis über Mitteleuropa reichenden Depression, während ein Hochdruckgebiet
Nordeuropa bedeckte. Bei vorwiegend inlandigen Winden herrschte warmes
heiteres Wetter. Als das Hochdruckgebiet sich dann über Mitteleuropa aus-
breitete und die Depression südwestwärts zurückdrängte, drehten die Winde an
der Küste nach NO, und es trat kühleres Wetter, an der Ostsee von Nebel
begleitet, ein. Während der bis zum 4. währenden Herrschaft des Maximums
über Nordeuropa, das sich nach Südosten hin ausdehnte, blieben die Winde aus
östlichen Richtungen, allmählich südlicher werdend, bestehen, und es herrschte
anhaltend trockenes, am 3. und 4. durchweg heiteres Wetter, an der Nordsee
bei anhaltend sinkender, an der Ostsee bei steigender Temperatur.
Ein Ende der östlichen Winde wurde in der häufig beobachteten. Weise
durch ein. von der Biscaya-See vordringendes Hochdruckgebiet herbeigeführt;
zwischen den beiden Hochdruckgebieten schritt eine flache Depression am 5,
längs der Küste ostwärts, die von der Weser ostwärts Regenfälle und für den
gröfsten Theil der Küste Gewitter herbeiführte, und in ihrem Rücken drehten
die Winde auf der Vorderseite des vordringenden Maximums nach westlichen
Richtungen, so dals ein weiteres Sinken der Temperatur .an der ganzen
Küste erfolgte, .
Nachdem sich am 5. niedriger Luftdruck über Südskandinavien eingestellt
hatte, drang am 6. und 7. eine Depression nach Mitteleuropa vor, die, sich, zu-
sammen mit Theildepressionen, über ganz Europa ausbreitete und bei andauernd
niedrigstem Luftdruck über Mitteleuropa ihre Herrschaft, an der Küste durch
tägliche Regenfälle bei Winden aus westlichen Richtungen und kühles Wetter
gekennzeichnet, bis zum Morgen des Il. behauptete. An diesem Tage drang
ein Hochdruckgebiet durch Mitteldeutschland nordostwärts nach Westrussland
vor, während sich die Depression von Mittel- nach Nordeuropa entfernte und eine
neue Depression über den Britischen Inseln nahte.
_ Am Morgen des 12, lag ein tiefes Minimum vor dem Kanal, ein weniger
tiefes über Ungarn, beide durch eine über die Alpen reichende Furche niedrigen
Druckes verbunden. Dieses Depressionsgebiet drang rasch nordwärts vor und
breitete sich über fast ganz Europa aus, wobei das erstere Minimum nach der
Nordsee, das letztere über Westrussland nach der Ostsee schritt, so dafs der
Westen und der Osten der Küste während der Dauer dieser Wetterlage bis
zum 16., in gleicher Weise durch meist kühles Wetter und Regenfälle
charakterisirt, verschiedenen Windsystemen angehörten. Von Nordwesten und
und‘ Südwesten her vordringende und sich vereinigende Hochdruckgebiete
drängten am 17. bei ihrer Ausbreitung über West- und Mitteleuropa einen Theil
der Depression nach Nordeuropa, einen anderen nach der Mitte Kontinentaleuropas,
wo dieser sich rasch ausfüllte. Nachdem an diesen Tagen die westdeutsche
Küste täglich und auch die ostdeutsche mehrfach Regenfälle gehabt hatten, trat
am 17. wieder trockenes, heiteres Wetter ein. Trockenes Wetter herrschte
bei nordwestlichen bis nördlichen Winden auch am 18., doch am 19, hatte die
ostdeutsche Küste wieder Regenfälle unter dem Einfluß einer sich von Südost-
Anz. d. Hydr. ete.. 1902. Heft VII.
419