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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902. 
die Umdrehungsgeschwindigkeit der Sirene und also auch die Zahl der Ton- 
schwingungen dem KEigenton der Trompete anzupassen. Zwischen 300 und 
400 Schwingungen in der Sekunde beginnend, wurde die Umdrehungs- 
geschwindigkeit allmählich verringert, ohne zunächst ein befriedigendes Ergebnifs 
zu erzielen. Der entsandte Ton war rauh und unyvollkommen, bis die sehr 
niedrige Zahl von 98 Schwingungen in der Sekunde erreicht war; dann ent- 
strömte der Trompete ein tiefer voller Ton von grofser Stärke. Als die 
weiteren Beobachtungen dieses Tones stattfanden, gaben die Beobachter ihr 
Urtheil einstimmig dahin ab, dafs dies der kräftigste Ton war, den sie gehört 
hatten. Bei dieser Gelegenheit war es, dafs der Schall über 20 Sm hinaus ge- 
tragen wurde, während das sehr wirksame Signal der Station St. Catherine bei 
10 Sm sich verlor. Dies Ergebnifs wurde immer wieder durch dann folgende 
Vergleiche erhärtet, doch war bei jeder dieser Gelegenheiten das Wetter schön 
und ungestört. Sobald indessen ein Wechsel der Witterung eintrat mit 
rauschendem Winde und rauschender See, war das Resultat ein ganz anderes. 
Dieser erhabene Ton wurde in einer Entfernung über 1'/4 Sm unhörbar, während 
die hochgestimmten Töne der Signale von St. Catherine sich als überlegen be- 
haupteten. Auch dies wurde durch weitere Vergleiche bei ähnlich gestörtem 
Wetter bestätigt und diese Versuche führten die Kommission zu dem Schluß, 
dafs „bei ruhigem Wetter ein tiefgestimmter Ton zweckentsprechender ist als 
ein hochgestimmter; aber wenn der Wind dem Lauf der Schallwellen entgegen- 
steht und die See bewegt und geräuschvoll ist, dringt ein hochgestimmter Ton 
weiter als ein tiefer“, 
Allgemeine Ergebnisse. Es leuchtet ein, dafs durch die neueren 
Untersuchungen einige wirklich werthvolle Resultate gewonnen worden sind. 
Sie haben deutlicher als jemals gezeigt, dafs die Fortpflanzung des Schalles 
aufserordentlich launenhaft ist, sowie dafs für den fortschreitenden Schall 
Hindernisse bestehen, die die Ursache mancher Unglücksfälle gewesen sein 
mögen und die eine Erklärung abgeben mögen für das aufsergewöhnliche Ver- 
sagen der Schallsignale, das von Zeit zu Zeit beklagt worden ist, wenn nach- 
träglich die volle 'Thätigkeit des Signals zu dieser Zeit festgestellt wurde. Die 
Resultate der Versuche haben eine höchst nützliche Belehrung gegeben in 
Bezug auf Einzelheiten, die die Apparate am besten für Nebelsignalzwecke 
geeignet machen, und über die Art und Weise des Betriebes der Apparate, und 
3ie haben ferner Material geliefert, auf Grund dessen man zu Weiteren Ver- 
besserungen und Entwickelungen fortschreiten kann. Es giebt noch viele Dinge, 
die uns jetzt unerklärlich sind in Bezug auf die Leitung des Schalles aber 
„Kenntnifs ‘kommt und Gelehrsamkeit zögert“, und in Bezug auf den Werth 
und den praktischen Nutzen der Schallsignale für den Sicherheitsdienst an den 
Küsten wissen wir jetzt viel mehr als je zuvor, Unzweifelhaft ist der Schall 
ein unvollkommenes Mittel, um dem Seemann im Nebel Signale zuzuführen; 
aber wer kann etwas Besseres nennen? Wenn dieses Mittel durch ein wirk- 
sameres und vertrauenswertheres System ersetzt werden könnte, so würde die 
Gemeinschaft der Seefahrer und diejenigen, deren Pflicht es ist, die Küste mit 
Zeichen zu versehen, Veranlassung zur Freude haben. Es kann wohl gehofft 
werden, dafs, ehe viel Jahre vorübergegangen sind, eine Entwickelung in elektrischer 
Richtung zu erfolgreichem Gebrauch für diesen Zweck gebracht werden wird. Aber 
e8 besteht keine augenblickliche Aussicht einer solchen Aenderung, und inzwischen 
verbleibt uns nur, den bestmöglichen Gebrauch von dem Schall zu machen, als dem 
einzigen zulässigen Mittel. Das Trinity House und andere Autoritäten des 
Leuchtthurmwesens mit der unschätzbaren Hülfe von Lord Rayleigh und der 
Ingenieure der drei britischen Leuchtthurmbehörden sind im höchsten Grade be- 
müht, alles Mögliche zu thun, um dem Seemann Beihülfe zu gewähren, durch 
solche Versuche, wie die berichteten, Verbesserungen einzuführen und die vielen 
Schwierigkeiten zu überwinden, welche die Frage umgeben. Ihr Ziel ist, die 
Schallsignale so zu entwickeln, dafs bis zum Ersatz durch ein besseres System 
dieselben immer wirksamer gemacht werden, um den Seeleuten Warnungen zu 
geben, wenn Nebel alle Dinge ihren Augen verbirgt. 
An diesen Vortrag schlofs sich eine Diskussion, aus der einige Punkte, 
die die Schallsignale betreffen, hier mitgetheilt werden mögen.
	        
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