410 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902.
durchschnitten wäre. Während der neuesten Versuche kam kein Nebel vor; aber
die bei den Versuchen vom Jahre 1874 gewonnenen Ergebnisse bestätigen nach
dem Bericht von Prof. Tyndall die ausgesprochenen Ansichten. Im Besitz dieser
Kenntnifs kann wohl geschlossen werden, dafs die günstigen Ergebnisse, die
bei den Versuchen zu St, Catherines bei klarem Wetter erzielt worden sind,
bei nebeligem Wetter ebenso zum Austrag gekommen und vielleicht noch über-
lroffen worden wären.!) Es soll natürlich nicht behauptet werden, dafs Nebel
niemals von Wind oder geräuschvoller See begleitet werde, aber eine solche
Sachlage ist eine Ausnahme und der Wind hat im Allgemeinen die Wirkung,
den Nebel zu zerstreuen.
Schallschatten. Im Laufe der Beobachtungen über Schallsignale zu
St. Catherine erfuhr man einige sehr bemerkte Wirkungen der sogenannten
tonlosen Zone oder des Schallschattens. Die Beobachter an Bord der „Irene“
wollten die Beobachtungen einer verabredeten Reihe von Tönen in ungefähr
einer Seemeile Entfernung von St. Catherines Point beginnen und dann auf
giner bestimmten Linie weiter hinausdampfen, um die relative Wirksamkeit
auf verschiedene Entfernungen hin zu prüfen. Beim Aufbruch in der Entfernung
einer Seemeile waren die Töne alle sehr laut; aber als das Schiff fortschritt,
Gelen die Töne an Stärke ab, sie wurden schwächer und schwächer, bis in
einer Entfernung zwischen zwei und drei Meilen sie kaum hörbar wurden oder
ganz verloren gingen. Kurz nach einer Entfernung von 3 Sm wurden die Töne
wieder aufgenommen, sie schwollen an, so dafs sie voll gehört wurden, und
wurden als lautes und bestimmtes Signal bis zu einer beträchtlichen Entfernung
getragen. Dies war nicht eine einzelne Erfahrung, sondern sie wurde bei
mehreren Gelegenheiten gemacht. Viele Jahre vorher erweckte diese Erscheinung
die Aufmerksamkeit von General Duane des Leuchtfeuerdienstes der Vereinigten
Staaten, und seitdem haben ihre Wirkungen mehr als einmal Mitglieder der
Kommission des Trinity House bei der Prüfung der Wirksamkeit errichteter
Nebelsignale in Verlegenheit gesetzt. Bei den Versuchen zu St. Catherine
wurde dieser Effekt besonders bei schönem ruhigen Wetter und glatter See
bemerkt; bei ausgesprochener Störung der Luft oder der Seeoberfläche war er
nicht bemerkbar. Es entsteht die Frage, was aus der Tonbewegung während
der Periode wird, in der sie einem Beobachter auf dem Schiffsdeck verloren
geht. Prof. Tyndall hält dafür, dafs dieser Effekt durch Interferenz der
schief auf die Seeoberfläche fallenden Wellen mit den unmittelbar über der
Seeoberfläche fortschreitenden verursacht werde. Anscheinend giebt dies aber
nur eine theilweise Erklärung dieses Ereignisses. Denn, worauf Lord Rayleigh
hingewiesen hat, bei dieser Theorie würde die Interferenz immer Platz greifen
müssen, während die Erscheinung nur sehr ausnahmsweise sich ereignet; die
„Irene“ machte sehr viele Fahrten die Mittellinie entlang, und der Schallschatten
wurde nur bei fünf Gelegenheiten verspürt. Was wird also aus dem verloren
ygegangenen Schall? Alle Arten von Theorien sind als mögliche Erklärungen
erörtert worden, aber noch keine hat vollständig die Frage gelöst.?”) Um
diese Lösung zu erzielen, würde es wahrscheinlich langer und andauernder
Beobachtung bedürfen, nicht nur auf der Linie, auf der der Effekt bemerkt
wurde, sondern auch über anderen Theilen des Bogens in Kkorrespondirenden
Entfernungen und aufserhalb der Axenverlängerungen der Schallapparate. Auch
würden sorgfältige Beobachtungen auf der Seeoberfläche und möglicherweise in ver-
schiedenen Höhen mit Hülfe von Fesselballons nothwendig sein, so dafs das
yanze Gebiet untersucht werde, um zu entdecken, wohin der zeitweise verloren
gegangene Schall gegangen ist. Die Zeit gestattete der Kommission nicht,
die Untersuchung dieser Erscheinung weiter zu verfolgen. Nachdem aber die
Kommissionsmitglieder ihre Wirkung beobachtet haben, sind sie durchaus der
Meinung, dafs alle seefahrenden Leute auf die mögliche Unterbrechung in der
Wirksamkeit eines Schallsignals in einer Entfernung, in der es noch zweck-
dienlich sein sollte, hingewiesen werden müfßten. Sie sind ferner der Ansicht,
1‘) Siehe Fufsnote S, 356.
%) In seinen „Studien über Nebelsignale“ („Ann. d. Hydr. etc.* 1895) weist Herr Prof.
H. Mohn theoretisch nach, dafs unter gewissen Verhältnissen ein Schallschatten sich bildet, wenn
Luftschichten von verschiedener Temperatur und Feuchtigkeit über einander lagern. Die Red.