accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

30 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1902, 
sprang und nach kurzer Zeit dann wieder mit Stärke 10 bis 12 wehte. Es war 
die höchste Zeit. Als wir zwischen den Klippen und den Grundseen heraus 
waren, wurde die See ruhiger, und um 12* mittags des 11. März hatten wir bei 
751,3 mm wieder schönes Wetter, wenn auch noch steife Briese; abends um 11* 
stand das Glas schon wieder auf 761 mm. 
Von Yokohama nach Portland, Or. 
Nachdem wir in den ersten Tagen der Reise, die wir am 1. April antraten, 
mit frischen östlichen Winden wenig Fahrt vorausgemacht hatten, holte der Wind 
bei fallendem Barometer am 4. südlich und artete zum Sturm aus, verhalf uns 
aber am 5. zu einem Etmal von 315 Sm, flaute dann langsam wieder ab und 
holte nordwestlich. 
Abwechselnd Sturm, Nebel, Regen, Schmutt und stetiger östlicher Wind, 
der uns über jeden Bug wegschralte und sich über eine grofse Fläche erstrecken 
mufste, erschwerte auch in der Folge sehr unser Fortkommen. 
Am 21. April hatten wir auf ungefähr 43° N-Br endlich 180° Länge er- 
reicht. Nun wurde es besser, der Wind holte südwestlich und brachte uns mit 
einer Durchschnittsfahrt von 250 Sm im Etmal schon am 2. Mai nach unserem Ziel. 
Nach mehrstündigem Kreuzen bei der Light-Ship Boje No. 50 erhielten 
wir um 11*a einen Lootsen gleichzeitig mit den beiden Schiffen „Alsterschwan“ 
and „Magdalene“ und segelten unter dessen Führung über die Barre bis Astoria, 
wo wir nachmittags um 3% anlangten. Reisedauer bis 180° Länge 20 Tage, bis 
Astoria 12 Tage, zusammen 32 Tage. 
Die Lootsen von Portland kommen auf einem Schleppdampfer heraus, und 
bringen diese Schraubendampfer die Schiffe nur über die Barre nach See oder 
nach‘ Astoria, während von hier bis Portland riesige Hinterraddampfer den 
Schlepprerkehr besorgen. Der gröfste derselben, die „Harvest Queen“, nahm 
„Alsterschwan“ und „Najade“ zugleich, während ein etwas kleinerer die 
„Magdalene“ allein schleppte, und verliefsen wir alle am 4. Mai 4*a die Rhede 
von Astoria, schleppten bis 10" p und ankerten dann, da etwa 26 Sm vor Port- 
land eine bei Nacht schwer passirbare Stelle ist. Am nächsten Morgen um 5*a 
ging die Fahrt weiter, und liefsen wir um 11" a bei Portland unseren Anker fallen. 
War das Fahrwasser des Columbia-Flusses schon gewunden und reifßsend 
gewesen, So war es das des Willamette erst recht. Mitunter konnte man wirklich 
nicht sehen, wo noch ein Ausweg war, und im letzten Augenblick kam dann 
eine Biegung, die so scharf und winklig war, dafs die ganze Kraft des Dampfers 
und des Schiffsruders nöthig war, um dieselbe zu umfahren, aber immer ging es 
volle Fahrt voraus. Hauptsächlich bei der letzten gefährlichen Biegung vor 
Portland denkt man schon in den Weiden festzusitzen, um dann im letzten 
Augenblick rechtwinklig abzubiegen, aber nur um wieder in einem neuen Kessel 
zu stecken, aus dem Einen dann eine ebenso scharfe Biegung herausbringt. 
Die Gegend ist grofsartig schön, kolossale Felsen wechseln ab mit 
Gesteinszügen, die kreuz und quer mit unheimlichen, engen, dunklen Schluchten 
durchzogen und dicht mit hohen Bäumen und Sträuchern bewachsen sind. Da- 
zwischen sieht man Schneisen, auf denen Holzfäller ihre Stämme von den Bergen 
herabsausen lassen, dann einige Häuser, bei denen grofse Haufen Brennholz 
liegen, das an die Dampfer verkauft wird. 
Ist der gröfste Theil des Weges einsam und unbelebt, so zeigt die letzte 
Strecke bis Portland immer mehr und mehr Leben und Verkehr und versetzt 
Einen wieder in eine civilisirte Gegend, wenn es auch nur Getreideschuppen, 
Fabriken und Sägemühlen sind, was man zuerst erblickt. 
Lebensmittel sind bis auf Fleisch in Portland sehr theuer, ebenso Arbeits- 
kräfte; das Löschen des Ballastes kostet 30 cts. und das Abfahren desselben 
ebenfalls 30 ets. die Tonne. Ebenso kostet das Laden 35 cts. die Tonne, also 
ohne hohe Frachten kann bei solchen Ausgaben kein Verdienst sein; auch die 
Schleppdampfer sind furchtbar theuer, Die Lösch- und Ladevorrichtungen sind 
sehr gute, und geht auch Alles schnell genug, wenn man recht zuvorkommend ist. 
Von Portland, Or., nach Falmouth. 
Am 8. Juni 1901, nachmittags 2, gingen wir ankerauf und verliefsen 
die Rhede von Astoria, passirten um 5"p die Barre und warfen um 5! p den
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.