Price-Edwards, E.: Schallsignale.
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über die nahe See mit gleicher Stärke im Kreis herum entsandt werde, Diese
Art der Tonvertheilung ist höchst passend für Feuerschiffe, bei denen die
Warnung nach allen Richtungen und nicht nur besonders nach bestimmten
Richtungen hin gegeben werden soll. Bei den Versuchen ergab sich, dafs. die
Töne des Schalltrichters mit dem Pilzaufsatz in und nahe der geradlinigen.Ver-
Jängerung der Axe eines nach bestimmter Richtung gestellten Schalltrichters und
auch in den windwärts gelegenen Theilen des Bogens nicht so laut waren, als
die dieses eingestellten Schalltrichters, doch waren sie zu gleicher Zeit für Signal-
zwecke genügend hörbar. Aufserhalb jener Axenverlängerung der eingestellten
Schalltrichter aber und in den Theilen des Bogens, in denen der Wind‘ nicht. so
stark dem Schall entgegenwirkte, wurde das Blasen des Pilzhutes deutlicher als
das der anderen Schalltrichter gehört. Die Kommission erkannte daher, dals der
Gebrauch solcher Aufsätze auf den Schalltrichtern an Bord von Feuerschiffen
völlig gerechtfertigt war. und dafs dieselben sehr passend für alle die Plätze
sind, an denen ein größerer Bogen gedeckt werden soll, als der, welcher
wirksam durch zwei Trompeten wie zu St. Catherine gesichert wird. * x,
Tiefstellung des Schalltrichters. Während der fortschreitenden
Versuche wurde auch die Frage in Betracht gezogen, ob es vortheilhaft sei,:den
eingestellten Schalltrichter niedriger zu richten, damit der Schall auf die See
falle, anstatt nach dem Horizont. Man kam zu dem Schlufs, dafs bei einem in
geringer Höhe aufgestellten Apparate, wenn ‚überhaupt, nur sehr wenig durch
eine Tiefstellung des Schalltrichters gewonnen wird und dafs ferner der abwärts
auf die See geworfene Schall der Interferenz unterworfen werde infolge davon,
dafs die von der Seeoberfläche reflektirten Wellen mit den: direkten Schall-
wellen zusammenstofsen. Aus diesem Grunde wurde eine Tiefstellung des
Schalltrichters nicht für wünschenswerth angesehen. -
Atmosphärische Einflüsse. Es ergaben sich einige interessante
Erfahrungen für die Kommission über die Fortpflanzung des Schalles durch die
Atmosphäre. .
Wind. Wie Nebel von nicht grofser Dichte das mächtigste Licht. ver-
dunkelt, so unterdrückt ein Gegenwind von gewisser Stärke auf.eine sehr kurze
Entfernung unfehlbar den kräftigsten Schall, der erzeugt werden kann. Es ist
bereits ein Beispiel der Scheibensirene erwähnt worden, die bei einer Gelegenheit
auf 201/4 Sm gehört wurde. Dies war bei ruhigem, klarem Wetter und glatter
See. Bei einer anderen Gelegenheit, als der Wind in Stärke 3 bis 4 gegen
die Schallrichtung wehte, konnte derselbe Apparat, unter sonst ähnlichen Be-
dingungen in Betrieb, nicht über 1'/4 Sm hinaus gehört werden. Kaum glaublich
erscheint es, dafs eine so geringe Stärke des Gegenwindes eine solche Wirkung
habe; allein die Thatsache besteht. Man darf dabei nicht aufser Acht lassen,
dafs bei einigem Winde die Seeoberfläche gestört wird. Neben der unmittelbaren
Wirkung des Windes, die den Weitergang der Schallwellen hemmt, nehmen
das "beständige Geräusch der spritzenden Meereswellen und deren Anschlagen
an die Schiffswände, die geräuschvollen Bewegungen des Schiffes selbst und
andere Töne an Bord, verursacht durch die unstetigen Bewegungen, .das Ohr
gefangen und neigen zu verhindern, dafs aus der Entfernung kommende und
dadurch geschwächte Töne klar vernommen werden. Es ist von grofser Be-
deutung, davon Kenntnifs zu nehmen, dafs ein bei einer Gelegenheit auf 20 Sm
gehörter Ton unter anderen Verhältnissen nur auf 1'/4 Sm gehört werden kann.
Klar zeigt sich, dafs es von keinem Nutzen ist, die Erfahrung eines Tages ’als
Anzeichen dafür anzugeben, was immer zu erwarten sei. Wer mit der launen-
haften Wirkung. des Wetters auf die Uebertragung des Schalles unbekannt ist,
der ist sehr geneigt, in Bezug auf die Vollkommenheit der Schallsignale nach
ein oder zwei Erfahrungen mit unrechtem Vertrauen zu sprechen und positive
und irreführende Behauptungen aufzustellen.
Nebel. Glücklicherweise ist, wenn Nebel herrscht, die: Atmosphäre,
wie früher bemerkt, ungestört und die Seeoberfläche ruhig. . Aufserdem ;steht
zu einer solchen Zeit die Luft gewöhnlich in Bezug auf Wärme und Dichtigkeit
unter gleichartigen Bedingungen und der Wasserdampf. ist gleichmäfsig. durch
das bezogene Gebiet vertheilt. Unter diesen Umständen schreiten die Schall-
wellen fort, ohne einem Hemmnifs zu begegnen, das sie antreffen würden,. wenn
die Luft bewegt und von Strömen verschiedener Temperatur und Dampfsättigung