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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

406 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902. 
grofse siebenzöllige Cylindersirene, durch einen besonderen Motor in Drehung 
gesetzt und von der schottischen Leuchtthurmbehörde zum Versuch gesandt, 
giebt sehr tiefe Töne; sie erwies sich als sehr wirksamer Schallerzeugungs- 
apparat. Wenn zwei solcher Sirenen und Schalltrichter in ähnlicher Weise, 
wie die für den Dienst zu St. Catherine gebräuchlichen, aufgestellt worden 
wären, so wäre zweifellos das Ergebnifs für die schottischen Apparate sehr 
günstig gewesen. Dies würde aber einen viel gröfseren Kraftverbrauch 
verursacht haben, da ein solcher grofser schottischer Apparat höheren Druck 
und gröfsere Luftmenge zum Anblasen erfordert als die beiden Sirenen von 
St, Catherine zusammengenommen. 
Die Prüfung der neuen Versuchsform der siebenzölligen Scheibensirene 
gab einige interessante Resultate. Dieselbe war in einen vertikalen Schall- 
trichter mit gebogenem Kopf eingefügt; bei einer geringen Geschwindigkeit 
der Umdrehung vermittelst eines besonderen Motors gab sie im Vergleich mit 
dem Nebelsignal zu St. Catherine einen sehr tiefen Ton. Während die Scheiben- 
trompete auf die Mittellinie gerichtet war, wurden die beiden Schalltrichter 
von St. Catherines Nebelsignal einwärts gedreht, so dafs ihre Axen nur einen 
Winkel von 37°, anstatt wie gewöhnlich von 120° einschlossen. Das Wetter 
war schön und klar, der Wind östlich und leicht. Beim Beginn der. Beob- 
achtungen in kurzer Entfernung von der Station waren die Beobachter erstaunt 
über das Schallgetöse der Scheibensirene; es füllte die ganze Luft und, um 
einen alten Ausdruck zu gebrauchen, liels den Himmel wiederhallen. In 8 Sm 
Entfernung waren die Töne der Scheibensirene überwältigend vorherrschend, 
während die von St. Catherines Apparat abfielen; bei 10 Sm gingen die Töne 
von St. Catherine verloren, die der Scheibensirene behielten jedoch ihre Stärke. 
Die „Irene“ lief mit voller Geschwindigkeit bis zu einer Entfernung von 20 Sm, 
das Blasen der Scheibensirene wurde noch vollständig und in durchaus wirksamen 
Tönen gehört. In einer Entfernung von 20'/4 Sm mulste die „Irene“ umkehren; 
die Töne waren noch laut und bestimmt und würden ohne Zweifel auf eine viel 
gröfsere Entfernung hörbar gewesen sein. In den folgenden Vergleichen bei 
ähnlich ruhigem Wetter erwies sich die Scheibensirene der siebenzölligen 
Cylindersirene mit ihren tiefen Tönen überlegen, aber nicht bis zu demselben 
Grade wie bei den Versuchen mit St. Catherines Doppelsirene. Bei ver- 
schiedenem Wetter ergaben sich indefs verschiedene Resultate. In einigen 
Fällen, bei Gegenwind und bewegter See, erwiesen sich die tiefen Töne der 
siebenzölligen Scheibensirene als untergeordnet gegen die höheren Töne von 
St. Catherines und der schottischen Sirenen; in einem Falle, als bei Windstärke 4, 
grober See und rollendem Schiff ein Vergleich der schottischen siebenzölligen 
Cylindersirene und der siebenzölligen Scheibensirene gemacht wurde, wurden 
auf 2 Sm Entfernung keine Töne gehört und die Töne erst bei 1'/4 Sm wieder 
aufgenommen, Auf die Frage des Einflusses von Wind, Wetter und Tonhöhe, 
auf die Fortpflanzung des Schalls durch die Atmosphäre wird zurückzukommen 
sein. Hier soll jetzt nur über die thatsächlichen Versuchsergebnisse berichtet 
und besonders darauf hingewiesen werden, dafs ein Apparat, der bei der einen 
Gelegenheit seinen Ton über 20 Sm hinaus schickte, bei einer anderen 
Gelegenheit unter verschiedenen Witterungsverhältnissen nicht über 1'/4 Sm 
hinaus hörbar war. 
Vergleiche zwischen Sirene und Zungenhorn. Bei diesen 
Versuchen wurde es bald augenscheinlich, dafs die Zungenapparate in Bezug 
auf Stärke und wirksamen Umfang des Tones den Sirenen sehr untergeordnet 
waren. Den Hörern auf See erschien es, als ob in Vergleich mit den Sirenen- 
tönen die Töne der Zungenhörner der Masse und Intensität ermangelten. Bei 
vollständiger Ruhe der Luft wurden einige Zungentöne gelegentlich auf 
lange Entfernungen getragen. Im Allgemeinen wurden die Zungentöne von 
entgegenwirkenden Einflüssen viel mehr beeinträchtigt und innerhalb engerer 
Grenzen ausgelöscht als die Sirenentöne. Eine mögliche Erklärung dafür kann 
darin gefunden werden, dafs die Stöfse, die der Luft durch die Schwingung 
der Zunge ertheilt werden, weniger kräftig und scharf bestimmt sind, als die, 
welche durch das plötzliche Abschneiden der unter starkem Druck ausströmenden 
Luft wie bei der rotirenden Sirene erzeugt werden, oder vielleicht darin, dafs 
ein Theil der Kraft des Luftdruckes dazu verbraucht wird, um den Widerstand
	        
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