Price-Edwards, E.: Schallsignale.
eine neue Versuchsform der. Scheibensirene von 7 Zoll (engl.) Durchmesser
eprüft.
SP Die Zunge. In diesem Falle wird der Schall erzeugt. durch die Schwingung
einer mehr oder weniger: elastischen Metallzunge, die in der Wand eines
Kastens befestigt ist. In diesen Kasten tritt die unter Druck befindliche Luft
periodisch ein und findet in den damit verbundenen Schalltrichter‘ durch die von
der Metallzunge bedeckte Oeffnung Austritt, Der Luftdruck setzt die Metallzunge
in Schwingungen, so -dafs die Oeffnung abwechselnd geöffnet und geschlossen
wird, und zwar geöffnet durch: den Luftdruck und geschlossen durch das Zurück-
springen der Metallzunge. Dieser Wechsel folgt mit grofser Geschwindigkeit,
bei jedem Oeffnen entweicht eine kleine Menge der komprimirten Luft, und die
Luft in dem Schalltrichter erhält einen kurzen, scharfen Stofs, ebenso wie durch
das Auspuffen in der Sirene. Eine sorgfältige Adjustirung der Zunge ist noth-
wendig, damit, wenn der Luftdruck zugelassen wird, die Zahl ihrer Schwingungen
der gewünschten Tonhöhe entspricht. Zu viel Luft und zu starker Druck
können auf die Zunge schädigend wirken. ‚Vier Zungenapparate wurden zu
St. Catherine geprüft, nämlich:
1. Das Stentor-Nebelhorn (holländischen Ursprunges), mit einer Zunge,
angeblasen durch den, sehr‘ hohen Druck von 120 Pfund auf den Quadratzoll
(engl.) — 265 Schwingungen in der Sekunde. ,
2, Das Barker-Zungenhorn; wie in Belfast in Gebrauch, mit drei Stabhl-
zungen, angeblasen mit 40 Pfund (engl.) Druck — ungefähr 353 Schwingungen
in der Sekunde. . , . | ,
3. Das Tailor-Zungenhorn, zuerst mit sechs, später mit zwei Zungen, an-
geblasen mit_40 Pfund (engl.), Druck — ungefähr 353 Schwingungen in der
Sekunde. \
4. Das Zungenhorn im Dienste des „Trinity House“, mit einer Stahlzunge
angeblasen mit 15 Pfund (engl.) Druck — zuerst 496, dann 397 Schwingungen
in der Sekunde. . ;
Vergleichende Versuche. Diese Versuche zerfielen in drei Gruppen,
nämlich in Vergleiche von Sirenen unter einander, von Sirenen mit Zungen-
hörnern und von Zungenhörnern unter einander,
Vergleiche der Sirenen. Das Nebelsignal, welches zu St. Catherine
zum Dienstgebrauch aufgestellt ist, besteht aus zwei fünfzölligen Cylindersirenen
mit zwei Schalltrichtern. Der Bogen nach See hin, über den der Schall sich
ausbreiten soll, ist ungefähr 220°; die zwei Schalltrichter sind so gestellt, dafs
ihre Mündungen diesen Bogen decken. Der Apparat giebt zwei Tonstöße,
nämlich einen hohen und einen niedrigen Ton, in jeder Minute. Jeder Ton
wird durch das gleichzeitige Wirken der beiden Sirenen erzeugt und durch die
beiden Schalltrichter zu derselben Zeit verbreitet. So wird der vereinigte Ton zweier
Sirenen in jeder der beiden Tonhöhen über den zu sichernden Bogen geworfen.
Andererseits glaubten Einige, dafs der Schall wirksamer vertheilt werden würde,
wenn man eine größere und kräftigere Sirene, die mehr Luft und stärkeren
Druck zum Anblasen erforderte, anwenden und den Schalltrichter möglichst
nach dem windwärts gelegenen Theile des Bogens richten würde.
Diese Frage wurde praktisch untersucht. Die Beobachtungsergebnisse
zeigten, daß in oder nahe der verlängerten Axe des einzigen Schalltriehters
der grofsen Sirene die Töne entschieden stärker gehört wurden als die des Sirenen-
paares, obwohl dieses auch brauchbare Töne gab. Bei dieser Gelegenheit war
der Wind nicht stark und die See ruhig. Es mufs auch dabei bemerkt werden,
dafs die Linie, entlang der die Beobachtungen gemacht wurden, abgesehen von
dem leichten Gegenwind, die ungünstigste für das Sirenenpaar war, nämlich die
Mittellinie zwischen den beiden Schalltrichtern. Ueber dem übrigen und viel
größeren Theile des Bogens nach der Rückseite des grofsen Schalltrichters hin waren
die Verhältnisse umgekehrt. : Die Töne der Doppelsirene von St. Catherine kamen
mit überlegener Wirkung heraus, besonders in der Richtung der Axen ihrer
Schalltrichter; während die Töne der einzelnen grofsen Sirene leewärts bis zur
Schwäche abfielen, wurden die Töne von St. Catherines Signalapparat durchweg
gut gehört. Daraus ergiebt sich, dafs die Doppeltrompete im Ganzen einen
grofsen Bogen besser mit Schall deckt als der kräftigere Apparat, der seine
Stärke durch einen einzigen Schalltrichter gegen den Wind richtet. Diese
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