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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902,
Schallsignale.
Vortrag, gehalten in der „Society of Arts“ in London
von E. Price-Edwards,
[Fortsetzung und Schlufs von S. 360.]
Die zu St. Catherine untersuchten Apparate. Ein grofser Theil
der Apparatenprüfung war dem Vergleich der Wirksamkeit zwischen dem
Sirenen- und dem Zungenprinzip zur Tonerzeugung und zwischen den Modifi-
kationen jeder dieser Typen gewidmet.
Die Sirene. Bei allen Blasapparaten für Nebelsignale ist ein gewisser
Luft- oder Dampfdruck erforderlich, der praktisch zwischen 10 und 40 Pfund
auf den Quadratzoll (engl.) liegt. Vermittelst dieses Druckes wird die Luft
oder der Dampf durch eine Pfeife von verhältnifsmäfsig kleinem Durchmesser
in den Schalltrichter und von da in die freie Luft getrieben. In den Hals des
Schalltriehters oder unmittelbar in den Luft- oder Dampfstrom ist der Apparat,
der den Schall erzeugt, eingeschaltet.
Bei der Sirene besteht der jetzt in Gebrauch befindliche Apparat aus
einem feststehenden Cylinder mit einer gewissen Zahl Längsschlitze, durch die
Luft oder Dampf unter Druck in das Innere eintreten kann. Im Innern dieses
COylinders ist ihm ‘sehr eng ein anderer Cylinder von ähnlicher Konstruktion
and mit in Zahl und Gestalt denen des äufseren Cylinders entsprechenden
Schlitzen angepafst; dieser Cylinder kann mit beträchtlicher Geschwindigkeit
in Drehung versetzt werden. Die Zahl der Längsschlitze in diesem Cylinder
(von 5 Zoll engl. im Durchmesser, wie bei dem zu St. Catherine im Gebrauch
befindlichen) beträgt 24; bei einer Umdrehung des inneren Cylinders findet
daher 24mal eine Koineidenz der Schlitze statt. Unter der Annahme von
240 vollen Umdrehungen in einer Minute ergeben sich also 5760 Koincidenzen
in dieser Zeit oder 96 in der Sekunde. Aufserhalb des äufseren Cylinders steht
die Luft unter beträchtlichem Druck, bei jeder Koincidenz der Schlitze wird
dieselbe also in das Innere entweichen; ein kuzer, plötzlicher und intensiver
Auspuff in das Innere, das mit dem Schalltrichter kommunizirt, wird daher statt-
finden und dadurch die Luft in dem offenen Schalltrichter scharf angeblasen
werden. Die rasche Aufeinanderfolge dieser Stöfse erzeugt Tonwellen, deren
Länge und musikalische Tonhöhe, wie bekannt, durch die Umdrehungsgeschwindig-
keit der Sirene und die dieser entsprechende Zahl der Schwingungen in der
Sekunde bestimmt ist.
Die zuerst zu Schallsignalen gebrauchten Sirenen waren nicht cylindrisch,
sondern bestanden aus zwei flachen Scheiben mit an Zahl und Gestalt gleichen
Schlitzen, von denen die eine feststand und die andere sich drehte. Der Ueber-
gang zur cylindrischen Gestalt wurde für wünschenwerth gehalten, da diese ein
vortheilhafteres mechanisches Arrangement als die Scheiben war und einen
leichteren Selbstantrieb durch den Luftdruck auf die schief eingeschnittenen Schlitze
gab. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dafs die automatische Drehung durch den
Luftdruck einen möglichen Verlust an Kraft und einen mehr oder weniger fehler-
haften Ton in sich schloß. Bei dem automatischen Anblasen nimmt am Anfang, von
dem Ruhestand ausgehend, die Umdrehungsgeschwindigkeit durch alle Grade
zu, bis sie das erforderliche Drehungsverhältnifs erreicht hat; der daraus sich
ergebende Ton wird daher zuerst mit einer sehr niedrigen musikalischen Note
hörbar und steigt dann schnell auf die erforderliche Höhe. So wird die Dauer
des eigentlichen Signaltones sehr abgekürzt und eine nicht gewünschte Wirkung
erzielt, Es wird beabsichtigt, diesen Fehler durch Anwendung eines besonderen
Motors zur Drehung der Sirene zu beseitigen. Dadurch kann die Drehung auf
ihre richtige Geschwindigkeit gebracht werden, ehe der Luftdruck zugelassen
wird, und Gleichförmigkeit der Tonhöhe während der ganzen Zeit des Blasens
gesichert werden.
Zwei Arten der Cylindersirenen wurden zu St. Catherine geprüft: eine
von 5 Zoll (engl.) Durchmesser, wie sie im Dienste des „Trinity House“ in
Gebrauch sind, und eine von 7 Zoll (engl.) Durchmesser, wie im schottischen
Dienste, mit einigen Abänderungen in Gestalt und Zahl der Schlitze, wodurch
die bei jedem Anblasen durchströmende Luftmenge regulirt wird. Auch wurde