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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Von Cardiff über Yokohama und Portland, Or,, nach Bremerhaven. 
Befestigungswerke, von denen man nichts sehen kann und auf deren Existenz 
man.nur nachts aus den überall aufleuchtenden Scheinwerfern und Signallampen 
schliefsen kann, 
Die innere Bucht bildet den eigentlichen Kriegshafen mit Werft- und 
Dockanlagen. Es zweigt von dieser eine kleinere Bucht nördlich ab, in der nur 
Torpedoboote und Schulschiffe liegen; dieselbe hat auch einen Separateingang. 
Beim Einsegeln nach Yokosuka liefen wir bis in die Mitte der äufseren 
Bucht, wo eine ausliegende Boje unseren Ankerplatz anzeigte, und warfen dort 
beide Anker, Gegenüber dem Ankerplatze stand an Land eine grofse Hütte zur 
Aufnahme der auf Schiffen arbeitenden Leute (Kulis), und kamen von dort her 
auch bald 150 Mann, die das Löschen der Kohlen in der in Japan gebräuchlichen 
Form begannen. Es werden nämlich kleine Körbe mit etwa 50 Pfund Kohlen 
von Einem zum Anderen weitergemannt, so dafs es eine endlose Kette von weiter- 
setzenden Händen bildet; auf diese Weise werden die Kohlen aus dem Raum 
bis an die Reling des Schiffes gemannt und dann in den Leichter hinabgeworfen. 
Man achte darauf, dafs die Kohlen an Bord gewogen werden, da beim Hinunter- 
werfen in den Leichter viel von dem Staub fortfliegt, wodurch beim späteren 
Wiegen dann ‚leicht ein Untergewicht entstehen kann. Auch mufs man’ den 
Wägern scharf auf die Finger sehen, da sie gern die Gewichte verschieben; 
ferner lassen die Anschreiber gern Körbe passiren, ohne sie zu notiren, Täglich 
wurden auf diese Weise 250 bis 300 Tonzen gelöscht. 
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Sturm unter der Küste von Nipon. 
Das Barometer war seit dem 8, März von 771,0 mm langsam aber stetig 
gefallen, und hatten wir am 9. März abends 11* bei einem Stand von 763,5 mm 
eine Windstärke 10, die bis um 4"a des 10. März anhielt. Der Wind, bis dahin 
südwestlich, holte langsam, flauer werdend; südlich, während das Glas noch 
immer fiel, und zwar jetzt rasch und sprungweise; von 8"'p bis 12"p um 4 mm. 
Da auch den ganzen Tag eine häsige Luft mit seltsamen, unregelmäfigen Cirrus- 
wolken bemerkt wurde, so entschlofs sich der Kapitän um 12" nachts, als es 
anfıng, härter zu wehen, vor Unter- und Obermarssegeln beizudrehen, um bei 
anbrechendem Tage hinaufzusegeln. 
Da wir um 12" p eine gute Kreuzpeilung gehabt hatten, wulsten wir gut, 
wo wir waren, obgleich um diese Zeit schwere Regenschauer und furchtbare 
Dunkelheit herrschten. Um 2*a schwoll der Wind plötzlich zur Stärke 8 bis 9 
an, flaute dann für kurze Zeit wieder ab und fiel dann mit schweren Böen (10) 
ein, Wir machten schnell unsere Obermarssegel fest, hatten jedoch keine Zeit 
mehr, die Untermarssegel zu bergen. Orkanartige Böen von langer Dauer 
wechselten ab mit furchtbaren Regenschauern; die See wuchs binnen Kurzem zu 
einer entsetzlichen Höhe, und das Barometer konnte man fallen sehen. Um 
4" a auf 751,8 mm stehend, erreichte es um 4*/«a seinen niedrigsten Stand mit 
747 mm, war also 4,8 mm in %4 Stunden gefallen. Zu sehen war nichts als 
Gischt; das Schiff fortwährend bedeckt mit Wasser, das mit vollen Seen über 
den Bug und die Reling kam; dabei eine furchtbare Finsternis und ein Sturm, 
dafs man sich nicht verständigen konnte. Von 4" 45” a an stieg das Barometer 
ebenso schnell, als es gefallen war, doch war der Sturm noch nicht zu Ende, 
wüthete vielmehr mit voller Orkanstärke fort. 
Um 6"a erscholl plötzlich von oben der Schreckensruf: „Land unter Lee“. 
Ich stürzte an Deck und konnte in der eben durchkommenden Dämmerung die 
Umrisse des Landes erkennen, von dem uns nur noch wenige Schiffslängen 
trennten. 
Rund um uns herum starrende Klippen, an denen sich die Brandung 
furchtbar brach, ungeheure Grundseen, unter denen das. Schiff fortwährend 
begraben lag, und dann der wüthende Sturm, das war ein Bild, das wohl nicht 
so bald vergessen wird. Wir versuchten nun natürlich das Aeufßerste, Segel zu 
setzen, um womöglich vom Lande freizusegeln (es war die Küste eben westlich 
von Nosima Saki, wohin uns der Strom wieder gesetzt hatte), und es gelang 
uns auch, einige Stagsegel und das Vor- und Grofsobermarssegel beizusetzen. 
Wie das Alles hat halten können, ist mir heute noch ein Räthsel; schon wollten 
wir, da Alles nutzlos schien, das Schiff aufgeben, als es um 6’/s* plötzlich auf- 
klarte und der Wind abflaute, nach einigen Minuten von Süd nach Nordost
	        
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