396 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902.
häufig der Fall ist. Bei anhaltenden starken südlichen Winden kommt indefs
auch nordwärts setzender Strom vor. Als daher auf der Mittelwache in der
Nacht vom 21. zum 22, März ein Blinkfeuer in Sicht kam und festgestellt
wurde, dafs die Zeit der zwischen den Blinken liegenden Verdunkelungen
weder für das Feuer von Kap Moreton noch für das von Sandy Cape stimmte,
entstanden Zweifel darüber, welches der beiden Feuer in Sicht sei. Erst durch
eine Gestirnsbeobachtung konnte festgestellt werden, dafs es Kap Moreton
war. Am 23, März 11* 20=in V_. wurde wieder auf Kurs gegangen.
b. Von Sandy Cape bis Townsville. Innerer Weg.”)
Am 23. März um 1* 45» V, kam Sandy Cape in etwa 27 Sm Abstand
in Sicht; um 9° V. wurde durch den Curtis-Kanal in das Fahrwasser innerhalb
des Barrier-Riffa hineingedampft. Hier wurde zunächst auf die Bustard-Huk
zugehalten und nach dem Passiren derselben in 6 Sm Abstand nach dem Kap
Capricorn weitergelaufen, das um 11° 557" N. in 7 Sm Abstand passirt wurde.
Von Kap Capricorn führte der Kurs auf Barren-Island zu, das um 3* 15m V,
am 24. März in 4,7 Sm Abstand an B-B. gelassen wurde. Von Barren-
Island wurde weiter nach South Perey-Island gesteuert; auf diesem Kurse blieb
Cheviot-Island an St-B. und Steep- Island an B-B. Von South Perey - Island
wurde der Kurs auf Pine-Island gesetzt, und nachdem dieses um 6" 40%" N, am
24, März in 5,5 Sm Abstand passirt war, auf Bailey-Island zugehalten; auf dem
letzteren Kurse wurde Double -Island um 1*45=" V, am 25. März in 1,3 Sm
Abstand an St-B. gelassen. Von hier wurde auf Allonby-Island und weiterhin
auf Hammer-Island zugesteuert und, als letzteres querab war, gerade auf den
Leuchtthurm von Dent-Island zugehalten. Um 12" 48" N. war der Leuchtthurm
von Dent-Island an St-B. querab, etwa 1 Sm entfernt, und der Kurs wurde auf
Eshelby-Island gesetzt, das in 3 Sm Abstand passirt wurde. Das Kap Bowling
Green, das darauf angesteuert wurde, war um 4* 53®in V, am 25. März in 6 Sm
Abstand querab an B-B. Von hier wurde auf Kap Cleveland zugehalten und,
als dieses in etwa 2! Sm Abstand passirt war, auf die Rhede von Townsrille
gesteuert.
Die ganze Fahrt innerhalb des Barrier-Riffs bot keine besondere
Schwierigkeit, doch mufs der mit ziemlicher Stärke, aber unregelmäfsig setzende
Gezeitenstrom berücksichtigt und der Schiffsort durch häufige Peilungen bestimmt
werden. Bei einigermafsen sichtigem Wetter sind die einzelnen Inseln sehr gut
auszumachen und bilden ausgezeichnete Landmarken. Da Vollmond war, waren
die Nächte sehr hell; das Land wurde schon auf bedeutende Entfernung gesehen.
Doch auch bei sternklarer Nacht ohne Mondschein dürfte es genügend hell
sein, um die einzelnen Inseln auf genügend grofse Entfernung ausmachen zu
können, Sollte es aber unsichtig werden, so ist überall guter Ankergrund bei
nicht zu grofsen Wassertiefen vorhanden. Beim Einsetzen von schlechtem
Wetter kann man aufserdem unter den Inseln stets geschützte Ankerplätze
finden. Die einzige Strecke, die geringe Schwierigkeiten machte, war die
zwischen Keswick-Island und den Blackwood-Shoals, da hier auf der einen
Seite die Singapore-Klippe und auf der anderen die Untiefen der Blackwood-
Shoals vermieden werden müssen. Diese Schwierigkeit tritt jedoch nur Nachts
ein und ist bei Zuhülfenahme des Lothes auch nur gering.
Wenn der Weg innerhalb des Barrier-Riffs (von Sydney nach Matupi) auch
um 200 Sm länger ist als aufserhalb desselben, so empfiehlt er sich doch für
ähnliche Schiffe wie S. M. S. „Möwe“, weil innerhalb des Riffs kein Seegang
aufkommen kann. Aufserdem ist auf diesem Wege die Kohlenversorgung stets
gesichert. Der innere Weg durch das Barrier-Riff wird jetzt von allen Dampfer-
linien, auch von den Dampfern des Norddeutschen Lloyd, die nach Singapore
oder Hongkong fahren, eingeschlagen. Die Handelsdampfer nehmen auf dieser
Fahrt Lootsen, und der Norddeutsche Lloyd hat sogar einen festangestellten
Barrier-Riff-Lootsen. SS. M.S. „Möwe“ machte die Fahrt olme Lootsen, was
auch für ein Kriegsschiff ohne Schwierigkeit ausführbar ist.
Aufser dem von S. M. S. „Möwe“ eingeschlagenen Wege giebt es noch
folgenden äufseren Weg: Von Sandy Cape nach North Reef, welches auf 5 Sm
V) Vergl. „Ann. d. Hydr. ete.“ 1900, S. 3.