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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Krümmel, 0.: Ozeanographische Ergebnisse der deutschen Südpolar-Expedition. 393 
des Walfischrückens!) ist zufällig nicht angelothet, aber wahrscheinlich zwischen 
Station XXIV und XXV überschritten worden, was aus dem Temperaturabfall 
bei nahezu gleicher Bodentiefe geschlossen werden könnte. 
Besonders wichtig sind die Lothungen IV und XXIX. Die erstere be- 
stätigt die für eine Position = 0° 11’S-Br., 18° 15‘ W-Lg. mit 7370 m angegebene 
Tiefenlothung der „Romanche“, Sehr zutreffend hatte vor Kurzem Herr Dr. 
G. Schott,”) ohne dafs die Nachprüfung durch die Südpolar- Expedition ihm 
hätte bekannt sein können, diese Lothung von 7370 m für richtig erklärt aus 
den zwei jedem Praktiker einleuchtenden Gründen, dafs nach dem Bericht des 
Kommandanten sowohl der Draht unverletzt eingehievt, wie auch eine Grund- 
probe mit heraufgebracht worden war. Ist nun an der Thatsache nicht mehr 
zu drehen und deuteln, daß mitten im Atlantischen Ozean nur 11 Sm südlich 
vom Aequator die gewaltige Tiefe von 7200 bis 7400 m existirt, so bleibt doch 
immerhin sehr bemerkenswerth, dafs diese Tiefe keine übermäfsig grofse Fläche 
beherrschen dürfte, nach Norden und Osten vielmehr sehr rasch in den relativ 
sehr schmalen centralen Aequatorialrücken von stellenweise noch nicht halb so 
grofser Tiefe übergeht. Das Bodenrelief sieht danach aus, als wenn im Süden 
von diesem Rücken .ein Bruchrand läge. Schon die Thatsache, dafs gerade 
diese Gegend längst durch ihre Seebeben wohl bekannt und selbst vulkanischer 
Eruptionsthätigkeit verdächtig ist, würde mit der eben ausgesprochenen Deutung 
in Einklang sein. Nun aber berichtet Dr. Philippi über die aus 7230 m Tiefe 
heraufgeholte Grundprobe, dafs sie, eine Säule von etwa 46 cm Höhe, in fünf 
deutlich abzugrenzende verschiedene Schichten zerfiel: zu oberst 13 cm gewöhn- 
licher rother Tiefseethon mit ziemlich groben Fragmenten vulkanischer Aus- 
würflinge; dann 12 cm bräunlich graue und fast 8 cm graubraune, deutlich 
gebänderte Schlickschichten; endlich 12 cm einer dunkelgrauen und zuletzt fast 
2 cm einer heilgrauen Schicht, die allein etwas Kalk enthielt, während alle 
anderen kalkfrei waren. Die mittleren Schlickschichten erinnerten Dr. Philippi 
an küstennahe Sedimente, insbesondere an den sogenannten blauen Schlick der 
westafrikanischen Tropenküste; er schließt aus der ganzen Probe, dafs diese 
Bodenregion „in junger Zeit tiefgreifende Aenderungen. erfahren“, d. h. der 
Meeresboden unter vulkanischen Ausbrüchen eine starke Absenkung erlitten 
hat. Sind die untersten kalkhaltigen Schichten etwa ein Derivat des Globige- 
rinenschlammes, so ist dieser Senkung eine Hebung vorangegangen. 
Die Grundprobe der Lothung XXITX bestand in ihrer ganzen Säule von 
59 cm Höhe überwiegend aus feinem Quarzsand mit nur spärlich beigemengtem 
vulkanischen Material oder Kalk, in den tieferen Theilen mit etwas mehr thonigen 
Beimengungen. Als Tiefseeprobe steht sie übrigens doch nicht so ganz einzig 
in ihrer Art da: Gümbel  ecchreibt von der deutschen „Gazelle“-Expedition 
eine ähnliche Probe aus 3930 m in 4° 9’ S-Br., 15° 01’ W-Lg. (nördlich von 
Ascension), die fast rein aus Quarzkörnchen von 1 mm Dicke bestand. Immer- 
hin gehört das sehr.auffallende Auftreten von Sand am Boden der landfernen 
Tiefsee zu solchen Problemen, die nicht nothwendig einer wissenschaftlichen 
Deutung unterworfen werden müssen; ein mit Sandballast gefahrenes Schiff 
kann hier leck gesprungen und untergegangen sein. Will man aber wissenschaftlich 
dem Problem beikommen, so muls man auch, nach K. v. Fritsch, Dislokationen 
des jetzigen Meeresbodens, wodurch ältere Erdschichten emporgefaltet und dem 
herabfallenden Loth zugänglich gemacht werden, in den Bereich der Möglichkeit 
ziehen, °) ; 
An 9 von den 30 Lothungsstationen (und zwar an den in der Tabelle 
mit * bezeichneten) hat Herr ‚v. Drygalski Temperatur- und Salzgehalts: 
bestimmungen in der Tiefe vorgenommen, wobei bald eine methodische Anordnung 
der Reihentemperaturen und Schöpfzüge eingehalten wurde, Als Thermometer 
wurden die für die Tropenmeere sehr bequemen Index-Thermometer von Miller- 
1) Wenn Herr v. Drygalski in seinem Bericht S. 34 diesen hypothetischen Rücken als „von 
Supan aus Bodentemperaturen erschlossen“ bezeichnet, so ist das jedenfalls nicht so zu verstehen, 
als ob Supan dies als der erste (1899) gethan habe. Mir selbst ist die Annahme des Rückens schon 
1883, wo ich die erste Auflage des „Ozean“ niederschrieb (vgl..diesen S. 68) geläufig gewesen, und 
zwar als eine schon damals bekannte Hypothese, . . 
2) „Wiss. Ergebn. der deutschen Tiefsee-Expedition“, Bd, 1, S. 106, 
r Vgl. „Geogr. Jahrbuch“ XV, 1890, S. 4.
	        
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