Krümmel, O.: Ozeanographische Ergebnisse der deutschen Südpolar-Expedition. 391
Der weitere Weg war so geplant, dafs zunächst Ascension angelaufen und
dann der an Tiefenlothungen sehr arme Raum im Brasilianischen Becken unmittelbar
westlich vom centralen Rücken des Südatlantischen Ozeans näher erforscht,
sodann der das Südafrikanische Becken im Süden abschliefsende „Walfischrücken“
angelothet und endlich in Kapstadt Aufenthalt genommen werden sollte. Das
sehr tief beladene Schiff sollte den Weg im Wesentlichen nur unter Segel zurück-
legen; es traf den Passat zunächst erfreulich stark, aber so schral, dafs Ascension
nur auf grofsem Umwege hätte erreicht ‘werden können. Als man darauf ver-
zichtet hatte und Kurs nach Süden setzte, gerieth das Schiff in vorherrschend
flaue Winde, so dafs es nur eine langsame Reise machen konnte. Ein schöner
Erfolg war gleich mit den ersten Tieflothungen südlich vom Aequator geliefert:
die von der „Romanche“ 1883 gemeldete, seitdem meist als verdächtig behandelte
grofse Tiefe von 7370 m wurde wiedergefunden. Fleifsig wurde auch am Ostrande
des Brasilianischen Beckens entlang gelothet. Um dieses unbekannte Gebiet
weiter zu durchforschen, durfte der Segelkurs nicht über 21° W-Lg. nach Westen
hin ausbiegen, und konnte 30° S-Br. erst in 15° W-Lg. geschnitten werden.
Kapstadt wurde am 23. November erreicht, nachdem das Schiff noch wenige
Tage vorher einen starken Weststurm sehr gut überstanden hatte. Die Bericht-
erstatter erwähnen sämmtlich, dafs die Arbeits- und Wohngelegenheiten an Bord
des „Gaufs“ so günstig wären, wie sie nur erwartet werden könnten; die Ge-
schwindigkeit des sehr tief beladenen Schiffes liefßs allerdings stetig zu
wünschen übrig. ;
Es wird sich an dieser Stelle im Wesentlichen nur darum handeln können,
aus den vorliegenden Einzelberichten dasjenige herauszulösen und zu besprechen,
was von allgemein ozeanographischem Interesse ist.
Die Arbeiten der deutschen Südpolar-Expedition lassen sich danach in zwei
Gruppen sondern: in Beobachtungen an der Meeresoberfläche und in solche in
der Tiefsee. Für eine dritte Gruppe, Beobachtungen in der Atmosphäre,
namentlich in den Höhen mit Hülfe der Drachen, enthalten die Berichte für den
ersten grofsen Abschnitt. der Reise noch keinerlei Unterlagen; auch nichts über
die Ergebnisse der magnetischen Messungen.
Natürlich wurde an Bord des „Gaufs“ das übliche meteorologische Journal
von den Schiffsoffizieren geführt, wobei bereits die alle vier Stunden erfolgenden
Bestimmungen des spezifischen Gewichts des Seewassers an der Oberfläche mit
dem bequemen Stegerschen Marine-Aräometer eine Extraleistung vorstellen.
Parallel damit gingen häufige Untersuchungen der hierfür geschöpften . Wasser-
proben auf ihren Chlorgehalt, der, nach titrimetrischer Methode festgestellt, den
Salzgehalt zu berechnen erlaubte. Hierbei wurden die neuen „Hydrographischen
Tabellen“, welche Dr. M. Knudsen für die internationale Untersuchung der
nordeuropäischen Meere berechnet hat, zu Grunde gelegt, was jedoch insofern
gine merkliche Abweichung von allen früheren Beobachtungen in sich schliefst,
als in diesen Tabellen der Begriff „Salzgehalt“ enger definirt ist als bisher,
nämlich als Gewichtsmenge der in einem Kilogramm Meerwasser gelösten festen
Stoffe mit der Beschränkung, dafs man sich alles Brom durch eine äquivalente
Menge Chlor ersetzt, alles Karbonat in Oxyd umgebildet und alle organischen
Stoffe verbrannt denkt. (Diese Salzgehalte werden im Allgemeinen. zwar um
fast 0,1% %o kleiner [bei ozeanischem Wasser], aber es war unmöglich, die alte
Definition, die den gesammten Verdampfungsrückstand zu Grunde legen wollte,
technisch einwandfrei aufrecht zu erhalten.) Einmal täglich wurde eine Ober-
flächenprobe besonders gründlich auf ihr spezifisches Gewicht untersucht, wobei
feine Gewichtsaräometer, ein Refraktometer neuester Konstruktion von Pulfrich
in Jena, die Nansenschen Schwebearäometer und Chlortitrirung zugleich An-
wendung fanden. Es ergab sich auch Herrn v. Drygalski, dafs die aräometrische
Methode, mit gehöriger Vorsicht und Sachkenntnifs benutzt, an Bord noch immer
ihre Vorzüge hat.
Das Ergebnis der Salzgehalts- und Temperaturbestimmungen ist auf einer
graphischen Darstellung niedergelegt, welche auch die örtlichen Dichtigkeiten
(SE in situ) erkennen läfst. Die ‚beiden‘ Salzgehalts-Maxima des Atlantischen
Ozeans sind bei 30° N-Br.. (= 37,1 0/00) und 20° S-Br. (= 36,8 °/oo) angeschnitten,
das der äquatorialen Kalmenzone eigene Minimum tritt zwischen 8° und 5° N-Br.