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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902.
Beim Eintritt in das südwestliche Viertel ist die Lage klar; man hat
schleunigst einen hoch südlichen Kurs aufzunehmen. Hierbei wird man durch
den nördlichen oder nordwestlichen Wind sehr unterstützt; man wird sich
schnell von der Bahn oder dem Centrum des Orkans entfernen und nebenbei
auch günstige Gelegenheit zur Fortsetzung der Reise finden. Je nördlicher die
Richtung der Orkanbahn ist, um desto eher wird man der gefährlichen Nähe
des Centrums entrinnen.
Der Eintritt an der Ostseite des Wirbels auf westlichem Kurse in
das nordöstliche Viertel ist ebenfalls gefährlich, weil man mit den günstigen
südöstlichen Winden die Reise gut fördern kann und aus diesem Grunde wohl
meistens so lange seinen Kurs beibehält, bis man dem Centrum so nahe ge-
kommen ist, dafs der stürmische Wind ein freies Handeln nicht mehr zuläfst.
Wenn die Bahn westlich verläuft, wird man durch Beibehaltung des Kurses
grofsen Vortheil durch die Ausnutzung des günstigen Windes erzielen können,
wenn die Bahn aber nördlich gerichtet ist, läuft man durch die Beibehaltung
des Kurses eine grofse Gefahr, wie die vorliegenden Beispiele deutlich zeigen.
Ein zeitweiliges Warten wird in diesem Falle Sicherheit schaffen können.
Nimmt die Windstärke dabei nicht ab und steigt das Barometer nicht, so ist
dieses ein Zeichen, dafs der Orkan keine westliche, sondern eine nördlich ge-
richtete Bahn verfolgt. In diesem Falle hat man südostwärts zu steuern, mit
welchem Kurse man zunächst aus der gefährlichen Nähe des Centrums gelangt.
Man kann dann ferner mit hoch südlichem Kurse weiter steuern, mit dem man
auch aus dem Bereich der stürmischen westlichen Winde kommt und seine
Reise unter besseren Wind- und Wetterverhältnissen fortsetzen kann.
Beim Eintritt in das südöstliche Viertel des Sturmfeldes ist die Lage
vollkommen klar. Man ändere den Kurs hoch südlich und wird damit bald
aus dem Bereiche der stürmischen Winde gelangen; je nördlicher die Bahn
des Orkans gerichtet ist, um desto eher wird man sich aus der gefährlichen
Nähe des Centrums entfernen.
Ueber die ozeanographischen Ergebnisse der deutschen Südpolar-
Expedition von Kiel bis Kapstadt.
Von Prof. Dr. 0. Krümmel.
Wie bei einer wissenschaftlichen Fahrt in die Südpolar-Regionen nicht
anders zu erwarten, hat auch die deutsche Expedition an Bord des „Gaufs“ von
vornherein für die lange Ausreise bis in ihr eigentliches Forschungsgebiet hinein
möglichst ausgedehnte wissenschaftliche Meeresuntersuchungen in ihren Plan
aufgenommen. Aus den inzwischen aus Kapstadt eingegangenen ausführlichen
Berichten des Leiters der Expedition, sowie seiner gelehrten Begleiter und der
Schiffsoffiziere, ist zu ersehen, mit welchem regen Eifer und schönem Erfolge
diese erste Aufgabe erfüllt worden ist. Es lag im Plan, auf der Fahrt durch
den Nordatlantischen Ozean sich möglichst wenig mit solchen wissenschaftlichen
Arbeiten zu befassen, die einen zeitraubenden Aufenthalt für das Schiff voraus-
setzen; erst in südatlantischen Breiten sollte täglich einmal die Fahrt für -Tiefsee-
arbeiten unterbrochen werden. So erhalten wir für die erstgenannte Strecke
im Wesentlichen nur Berichte einerseits über die Beobachtungen an der Meeres-
oberfläche, andererseits über den Landaufenthalt auf der Kapverden-Insel
St. Vincent. Der Leiter und zugleich der Ozeanggraph der Expedition,
Prof. E. v. Drygalski, hatte in diesem ersten Reiseabschnitt Gelegenheit, alle
Beobachtungsmethoden vergleichend zu prüfen, damit sie im weiteren Verlauf
der Fahrt mit Sicherheit gehandhabt werden konnten. Der Landaufenthalt auf
St. Vincent gab ihm selbst Gelegenheit zu Schwerebestimmungen, Herrn
Dr. Bidlingmayer zu magnetischen, den Herren Dr. Philippi, Werth, Gazert
zu naturwissenschaftlichen Untersuchungen des Innern der Insel, und Herrn
Prof. Vanhöffen zum Studium der Strand- und Küstenfauna. Der Bericht des
Dr. E. Werth ist zu einer sehr werthvollen, manches Neue darbietenden Mono-
pyraphie der Insel St. Vincent ausgestaltet.