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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1902, 
zu fallen begann. Am 22. November auf 8° N-Br und 25° W-Lg verloren wir 
den Nordostpassat und erhielten, nach Aufenthalt von einigen Tagen im Stillen- 
gürtel, am 27. November auf 2° N-Br und 26° W-Lg den Südostpassat; der 
Aequator wurde am 29. November in 28,4° W-Lg nach einer Reise von 27 Tagen 
überschritten. 
Der Südostpassat hielt an bis zum 6. Dezember, auf 19° S-Br und 32° W-Lg, 
an welchem Tage nördlicher Wind einsetzte und bis zum 11. Dezember beiblieb; 
vom 11. bis zum 13. hatten wir einen Sturm aus NW 8 bis 10, niedrigster Baro- 
meterstand 755 mm. Bemerken möchte ich noch, daß wir am 11. Dezember zum 
ersten Male die Luken schliefsen mufsten, da zu viel Wasser an Deck kam; 
während wir nämlich in Cardiff lagen, hatte auf einem eben beladenen Schiffe, 
auf dem schon gleich die Luken geschlossen wurden, eine schwere Explosion 
stattgefunden. Wir hatten beschlossen, die Luken, wenn nur irgend möglich, 
offen zu halten, damit die sich durch das Reiben beim Einnehmen der Kohlen 
and später beim Arbeiten des Schiffes entwickelnden Gase ordentlich abziehen 
konnten. Dafs dieses Verfahren gut ist, beweist, dafs, trotzdem wir die Kohlen 
nafs ins Schiff bekommen und volle 38 Tage durchgeschüttelt hatten, die 
Temperatur derselben mit derjenigen der Luft vollständig übereinstimmte. Auf 
38° S-Br wurde 0° Länge am 19. Dezember überschritten und von nun an mit 
meist westlichen Winden bis nach 20° O-Lg gesegelt, welche in 42° S-Br 
geschnitten wurde; auf der Breite von 42° bis 45° Süd segelten dann auch 
unsere Länge bis Australien ab. 
Am 19, Januar 1901 passirten die Länge von Kap Hobart (Tasmanien) 
auf 45° S-Br, 78 Tage in See; von hier an trafen dann sehr veränderliche Winde 
bis zum Aequator, welcher am 13. Februar in 164° O-Lg ppassirt wurde, Er- 
wähnt sei noch, dafs wir unseren Kurs östlich von Lord Howe Island, westlich 
von Neu-Caledonien und den Neuen Hebriden und zwischen den Salomon-Inseln 
durch genommen hatten, ebenfalls, dafs der Südostpassat von 28° S-Br bis nach 
9° S-Br sehr unstet sowohl in Richtung als auch in Stärke war. Vom Aequator 
steuerten wir dann, nachdem noch einige Tage Mallung vorgeherrscht hatte, mit 
dem Nordostpassat östlich der Marianen entlang und sichteten am 2. März nach 
einer Reise von 120 Tagen San Alessandro (Bonin-Insel), Von der Insel 
Arzobispo sahen wir nichts, trotzdem wir gerade darauf zu hielten. Ende des 
Nordostpassats ungefähr in 27° N-Br. Am 3. und 4. März wehte es stürmisch 
aus Nordwest, und hatten wir einen herrlichen Anblick, als sich an dem kahlen 
Felsen, genannt Lots Wife, die schwere See brach. Am 8. März sichteten dann, 
nachdem an den Tagen vorher noch veränderliche Winde geherrscht hatten, 
No-Sima (Yokobama Bay), befanden uns also im Osten der Bucht; siebenmal 
mufsten wir versuchen, die Einfahrt zu gewinnen, ehe es uns gelang, hinein- 
zukommen; es ist daher jedenfalls zu empfehlen, die Bucht von Westen her an- 
zusegeln, da Einem von hier aus der Strom zur Hülfe kommt. Erst am 13. März 
erreichten wir nach einer Reise von 129 Tagen Yokohama, nachdem wir noch 
die letzten Tage gegen die stürmischen Nordostwinde aufkreuzen mufsten. In 
Yokokama erhielten dann Order nach Yokosuka, woselbst schon ein Regierungs- 
dampfer auf uns wartete, um uns einzuschleppen. 
Einiges über Yokosuka. 
Die Einfahrt in die Bucht von Yokosuka ist etwa 5 bis 6 Schiffslängen 
breit, auf der südlichen Seite ein einzeln stehender grofser Felsen mit einem 
Flaggenstock darauf und einige, die Verbindung mit dem Lande herstellende 
kleine Felsen und Riffe dahinter. Die ganze Bucht wird ringsum von Bergen 
umgeben, die den Hafen zu einem überaus geschützten machen, indem nur am 
äufsersten Ende stärke östliche Winde, die sehr selten sind, einige Unbequem- 
lichkeiten für dort ankernde Schiffe mit sich bringen. 
Der Hafen wird eingetheilt in die äufsere (gröfsere) und innere Bucht, 
welch letztere aber nur von japanischen Schiffen benutzt werden darf. Dieselbe 
wird durch eine eingebaute schwere Steinmole auf der einen Seite gegen die 
äufsere Bucht, in welcher fremde Schiffe liegen dürfen, abgeschlossen. Die zer- 
klüfteten Ufer bilden wieder viele kleine Buchten, in denen Torpedoboote sich 
so verstecken können, dafs man von der äufseren Bucht aus nichts von ihnen 
sieht. Auf den umliegenden Bergen, die alle nicht hoch sind, sind unzählige 
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