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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902.
„Aragonia“. Um 8" N. hatte er ähnliche Verhältnisse wie dieser, doch war
„Ehrenfels“ zuerst etwas ferner vom Centrum und hatte auch noch anscheinend
besseres Wetter als „Aragonia“, Durch seinen nördlicheren Kurs steuerte
er mit dem günstigen südöstlichen Winde direkt auf das Centrum zu, das er
fast gleichzeitig mit dem „Goldenfels“ erreichte. Man beobachtete 723 mm als
niedrigsten Barometerstand, nur um 0,9 mm abweichend von dem auf Dampfer
„Goldenfels“ beobachteten. Man passirte das Auge des Orkans, in dem von
1° 25=in pis 1* 30=in Windstille und Sonnenschein herrschte. „Goldenfels“ notirte
um 2% den niedrigsten Barometerstand bei westlichem Winde von Stärke 5 bis 3,
und um 2'/* ausschielsend nach Nord, während der Wind beim Dampfer
„Ehrenfels“ plötzlich von SO nach NW sprang mit Orkanstärke. Das stark
beschädigte Schiff trieb jetzt willenlos mit dem Sturme weiter und wurde nachts
um 121/23 von der geretteten Mannschaft verlassen.
Das Boot trieb zunächst in der Richtung des Windes fort, theils vor
einem Schleppsack unter Gebrauch von Oel, theils vor einem kleinen Segel
lenzend. Man hatte am 9. Mai anhaltend und am 10, Mai bis zum Abend noch
schweres Wetter. Von dieser Zeit an besserte sich das Wetter allmählich bis
zum 12. Mai, an welchem Tage man zwei Reffe ins Segel steckte und anfing,
bei Südwestwind nordwärts zu segeln. Am 13. Mai vormittags wurde man auf
15° 53‘ N-Br. und 58° 46‘ O-Lg. von dem englichen Dampfer „Queen Alexandra“,
Kapt. G. Harris, aufgenommen, liebevoll behandelt und später in Aden gelandet.
Das Boot war demnach seit dem Verlassen des „Ehrenfels“ etwa 245 Sm nach
NOzN vertrieben. Es war allmählich hinter dem Orkanfelde, das zusehends
größsere Geschwindigkeit während seines Fortschreitens annahm, zurückgeblieben.
Die fernere Bahn des Orkans ist in Fig. 4, Tafel 16, dargestellt.
Zur Festlegung derselben wurden zunächst zwei Telegramme verwandt, die
später durch die inzwischen eingegangenen indischen Wetterberichte ergänzt
werden konnten. Das erste Telegramm der „Shipping and Mercantile Gazette“,
datirt Aden, den 17, Mai, das die Rettung der Bootsbesatzung des Dampfers
„Ehrenfels“ durch den Dampfer „Queen Alexandra“ meldete, lautete weiter:
„The »Queen Alezxandra« encountered this hurricane on Sunday, Mai 11, in
lat. 16° 36‘ N, long. 62° 2‘ E.“ Eine andere Depesche aus Bombay vom 19. Mai
meldete: „Nach viertägiger Unterbrechung ist die telegraphische Verbindung
zwischen Karratschi und den übrigen Theilen Indiens wieder hergestellt worden.
Im Distrikte Karratschi sind 40 Meilen Eisenbahnstrecken weggeschwemmt,
Brücken und Dämme fortgerissen und 50 Meilen Telegraphenlinien zerstört.“
Da die Bahnrichtung des Orkans recht auf den Distrikt von Karratschi
zu führte, so lag die Vermuthung nahe, dafs die angedeuteten Zerstörungen
durch den dort passirenden Orkan verursacht worden seien. Diese Vermuthung
wird durch die inzwischen eingetroffenen indischen täglichen Wetterberichte
bestätigt. Dieselben lassen wohl kaum noch einen Zweifel darüber, dafs jener
Orkan am 13. Mai die Küste Indiens in der Gegend von Karratschi erreichte.
Der Wetterbericht vom 13. Mai lautet etwa folgendermafßsen:
„Luftdruck, Das Barometer ist in Karratschi sehr rapide gefallen.
Ein kleiner, aber ausgebildeter Orkan hat sich im Arabischen Meere gebildet,
dessen Centrum diesen Morgen vor der Küste zwischen Karratschi und Dwarka
lag. Der Sturm ist von beträchtlicher Intensität mit einer wahrscheinlichen
Abnahme des Luftdruckes von mehr als !/a Zoll im Centrum.
Wind. Starker nordöstlicher Wind wird von Karratschi gemeldet, und
starker südlicher Sturm weht in Cutch und Kathiawar, wo schwerer Seegang
herrscht. Die Geschwindigkeit des Windes betrug um 8 V. in Bhuj 42, in
Dwarka 38 und in Veraval 30 Meilen in der Stunde. Südliche Winde herrschen
an der Konkan-Küste bis hinunter nach Bombay,
Wetter. Die Cyklone in dem Arabischen Meere wird vermuthlich im
Laufe des Tages in nordöstlicher Richtung ziehend die Küste zwischen
Karratschi und Bhuj kreuzen und dabei schweren Weststurm an der Küste
von Sind, Cutch und Kathiawar verursachen. Wenn er der Bahn des Orkans
vom Mai 1892 folgt, der die Küste in derselben Gegend erreichte, so wird er
schnell in nordöstlicher Richtung weiterziehen‘ bis zum West-Himalaya-Gebirge,
wo er endigt. Die Tendenz dieser Bahn zeigt sich schon durch die Luftdruck-
abnahme in Bengalen.