Fehler in der Schätzung der Windrichtung und Windstärke auf Dampfern, 381
möge hier eine entsprechende Tabelle auf Grund der richtigen Werthe aus dem
Archiv der Seewarte 1898, No. 5, S. 16 Platz finden.
Tabelle 11.
Schein-
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Stärke
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2
Strich
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4.3
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Anmerkung. Die Korrektionen geben
Windrichtung achterlicher als die scheinbare ist.
für die Richtung an, um wieviel Strich die wahre
Diese Methode auch für andere Zeiten, als dunkle Nacht und Nebel,
einzuführen, erscheint dagegen recht bedenklich. Man müfste dann vorerst eine
Instruktion erlassen, dafs die Windbeobachtungen auf allen Dampfern nach dem
dem Schornstein entsteigenden Rauch oder nach Wimpelrichtung und Gefühl
angestellt werden müfsten und die sonstigen Verhältnisse aufser Acht zu lassen
seien. Erst nach solchen Vorschriften ausgeführte Beobachtungen würden mit
Hülfe der Tabelle auf wahre Werthe zurückgeführt werden können. Die Fest-
stellung der scheinbaren Richtung würde keine Schwierigkeit haben; die
Schätzung der Stärke würde aber, wenigstens bis eine neue Kinübung der
Beobachter erreicht ist, eine Quelle grofser Unsicherheit bilden, besonders da
die geschätzte Stärke als Komponente auf das wahre Ergebnifs in beiden Gröfsen,
sowohl Stärke wie Richtung, wirkt.
Da aber die nach dem bisher gebräuchlichen Verfahren gemachten Wind-
beobachtungen auf deutschen Dampfern, wie oben nachgewiesen ist, im Allgemeinen
so gut sind, dafs sie für meteorologische Zwecke fast durchweg genügen, so
liegt kein Grund vor, die so geschulten Beobachter zu veranlassen, dies be-
währte Verfahren aufzugeben und ihnen ein neues zu empfehlen, von dem noch
nicht erwiesen ist, dafs es auch nur ähnlich gute Resultate liefert, wie das
bisher allgemein übliche seemännische Empfinden aller in Betracht kommenden
Eindrücke zeitigt. )
Dagegen würde neben den bisherigen Schätzungen die Durchführung
eines Vorschlages wohl in Betracht kommen, den Herr A. Lawrence Rotch
in der amerikanischen Zeitschrift „Science“ gemacht hat und der darauf hinaus-
geht, aus den drei zu beobachtenden Gröfsen: 1. wirkliche Windrichtung,
2. scheinbare Windrichtung und 3. Fahrt des Schiffes, die wirkliche Wind-
geschwindigkeit in absolutem Mafse abzuleiten, welche letztere natürlich für
manche Zwecke weit gröfseren Werth hat als die beste Stärkeschätzung.
Das auf der Deutschen Seewarte eingehende Beobachtungsmaterial rührt
von einem seit langen Jahren nach einheitlicher Instruktion arbeitenden, aus
annähernd einheitlicher theoretischer und praktischer Schulung hervorgehenden
Beobachterpersonal her. Ob vielleicht bei einem aus vielen Nationen gemischten,
nach verschiedenen Instruktionen beobachtenden und in verschiedener Weise
kontrolirten Beobachterkorps die Widersprüche zwischen den Beobachtungen
bedeutend mehr hervortreten, vermag nur eine eingehende Untersuchung zu
entscheiden, zu der es bis jetzt an veröffentlichtem Material fehlt.
Der Gedanke, daß die allgemein übliche Weise der Beobachtung von
Windstärke und -richtung an Bord eines in Fahrt befindlichen Schiffes die An-