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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Letzte Reise der Fünfmastbark „Potosi“ von Hamburg nach Chile und zurück. 
30° S-Br und 82° W-Lg, wo sich frischer Südwestwind einstellte, der in 35° S-Br 
aufraumte und an Stärke zunalım. Kine sehr hohe unregelmäfsige See war gerade 
nicht angenehm, doch als der Wind stürmisch wurde, hielt er sich meistens nördlich 
von West, und konnten wir daher schnell nach Süden vorschreiten. Am 19. Tage 
von Iquique, am 3. September, passirten wir Kap Horn. Nach zwei weiteren 
guten Etmalen hörte leider das Rennen auf, 
Oestliche und hoch nördliche Winde waren von nun an vorherrschend, 
so dafs wir nur zwei größere Distanzen auf dieser gewöhnlich besten Strecke der 
ganzen Reise zurücklegen konnten. Weiter nördlich, wo der Wind flauer wurde, 
hielt er erst recht die gewöhnliche hoch nördliche Richtung, bis endlich in 
18° S-Br und 21° W-Lg der Südostpassat einsetzte. Derselbe wehte ebenfalls 
nur mit mäfiger Stärke, und konnte der Aequator daher erst am 3. Oktober, 
dem 30. Tage von Kap Horn, in 27,4° W-Lg überschritten werden; in dieser 
Jahreszeit für ein Schiff wie „Potosi“ eine lange Reise. 
In 4° N-Br hörte der Südostpassat auf und folgten nun ohne wesentlichen 
Aufenthalt mäfsige Süd- und Südwestwinde, die, zeitweise durch Mallung unter- 
brochen, bis nach 14,5° N-Br_ anbhielten und hier in einer Böe durch Südost in 
den Nordostpassat übergingen. 
Auch dieser Passat trat nur mit mäfsiger Stärke auf, war aber verhältnifs- 
mäßig raum, so dafs wir, ohne viel Westlänge zu machen, dessen Nordgrenze in 
30° N-Br und 32° W-Lg erreichten. 
Das allmählich gestiegene Barometer hatte hier bereits einen Stand von 
774,5 mm, der sich später auch nur wenig veränderte, und so das Vorhandensein 
eines gut ausgebildeten Maximums zu erkennen gab, das sich bis über 40° N-Br 
hinaus erstreckte. Gegen meistens ganz flaue nördliche Winde, die mit Wind- 
stillen abwechselten, waren 11 Tage erforderlich, um von 30° nach 40° N-Br 
zu gelangen. Von hier ab drehte der-Wind dann allmählich durch Ost und Süd 
nach Südwest, nahm gleichmäfsig an Stärke zu und sprang, als sich Regen hinzu- 
gesellte, in 45° N-Br und 19° W-Lg auf NW. Bald stellten sich steife Böen 
ein, und es wurde stürmisch, indem der Wind weiter nach Nord änderte. Wir 
kamen hiermit bis zu den Gründen nach 10° W-Lg, wo der Wind, der zuletzt 
aus NNO wehte, schnell abflaute und von Ostwind abgelöst wurde, Gegen diesen 
kreuzend, erblickten wir Lizard am 1. November, 29 Tage später, als der 
Aequator überschritten war. 
Die ganze Reise wurde im Atlantischen Ozean durch vielen Nordwind, 
flaue Briesen und Windstillen ungünstig beeinflufst, nur den einigermaßen 
günstigen Verhältnissen in den Aequatorstillen ist es gutzuschreiben, dafs noch 
ein zufriedenstellendes Resultat erzielt wurde, 
Da es nicht ausgeschlossen ist, dafs ich die Führung der „Potosi“ auf- 
gebe, so habe ich die mit ihr gemachten zehn Reisen nach Chile in vorstehender 
Tabelle übersichtlich aufgeführt, weil sie für einen Segler bemerkenswerthe 
Gleichmäfigkeit in allen Etappen zeigen und deshalb für die Schiffahrt von 
einigem Interesse sein könnten. 
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Von Cardiff über Yokohama und Portland, Or., nach Bremerhaven. 
November 1900 bis Oktober 1901. 
Reisebericht des Steuermannes Paul Barth vom Bremer Vollschiffe „Najade“ 
Kapt. Chr. Hasselmann, 
Am 2. November 1900 verliefsen wir mit dem Schiffe „Najade“, beladen 
mit Kohlen und bestimmt nach Yokohama, Cardiff. Auf dem Wege nach Süden 
wurden wir durch starke Südwest- bis Weststürme anfangs sehr zurückgehalten, 
so dafs wir erst am 13. November 35° N-Br und 19° W-Lg erreichten, woselbst 
der Nordostpassat mit böigem Wetter einsetzte. 
Der Passat war sehr unregelmäfsig, sowohl in seiner Richtung NO bis 0SO 
als auch in seiner Stärke 3 bis 7; eine schwache Strömung, südlich setzend, 
wurde ebenfalls bemerkt. Am 19. November wurde San Antonio, Kap Verde- 
[nseln, passirt, als eine südöstliche Dünung aufkam und das Barometer langsam
	        
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