376 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902.
wurde auf dem Schiffe, das Gegenwind hatte, eine näher zum Bug gelegene
Windrichtung notirt, in 10 Fällen auf demjenigen, das Mitwind hatte; in Pro-
zenten ausgedrückt, entfallen von den 55 Fällen 47% o0 auf die erste, 35° 0 und
180/o auf die beiden letzten Möglichkeiten. Ebenso wurde die Stärke in
17 Fällen gleich, in 40 Fällen auf dem gegen den Wind fahrenden Schiffe, in
19 auf dem mit dem Winde fahrenden höher geschätzt, so dafs die Beobachtungen
sich mit 22, 53 und 25° auf diese drei Kategorien vertheilen, Ungefähr
dieselbe prozentische Vertheilung zeigt sich auch bei anderen Windstärken und
im allgemeinen Durchschnitt.
Der Unterschied von 21 zwischen der Gesammtzahl der Begegnungen
für Windrichtung und -stärke rührt daher, dafs in 21 Fällen der eine Dampfer
Windstille, der andere Mit- oder Gegenwind angab. In diesen Fällen kann nur
eine Differenz der Windstärken, nicht aber der Windrichtungen gebildet werden.
Als „mittlere Windstärke“ ist in Tabelle 1 und 2 wie in Folgendem die
halbe Summe der beiden geschätzten Windstärken angenommen. Die links von
dem doppelten Strich in Tabelle 1 und 2, wie weiterhin in den Tabellen 5, 6,
8, 9, 10, 11 stehenden Zahlen geben die Anzahl der Begegnungen an, bei denen
die Differenz der geschätzten Windrichtungen und -stärken positv, negativ oder
=0 war; die rechts von diesem Strich befindlichen Zahlen, die aus den links
stehenden berechnete Häufigkeit in Prozenten sämmtlicher bei der betreffenden
Windstärke benutzten Begegnungen, bei denen die obige Differenz positiv,
negativ oder —=0 war. Eine Abhängigkeit der Vorzeichen von der mittleren
Windstärke ist nicht festzustellen, weder für die Differenz der geschätzten
Windrichtungen, noch für die der geschätzten Windstärken, es ist im Allgemeinen
das positive Vorzeichen häufiger als das negative.
Die aus der angegebenen Zahl von Begegnungen ermittelten Unterschiede
der geschätzten Windrichtung und -stärke von gegenfahrenden Dampfern zeigt
die folgende Tabelle:
Tabelle 3.
Mittlere Unterschiede der Windrichtung und -stärke.
Mittlere Windstärke
)— 21
h— 31/2
4—41/g
5—51/2
6—7
äher 7
Zahl der Beob-
achtungen für
Richtung | Stärke Richtung | Stärke
+05 476 76
+03 +5 & J
+01 . +03 | 81 81
00 | +09 50 50
+04 +07 | 52 52
—N9 40,7 17 17
Allgemein | +02 ! +06 | 32% | 347
Wie schon nach Tabelle 1 und 2 zu erwarten war, stellt sich sowohl für
Windrichtung wie -stärke ein durchschnittlicher positiver Unterschied heraus,
dessen Gröfse jedoch nur sehr gering ist. Bei der Windrichtung überschreitet
dieselbe nicht 0,9 Strich und bei der Stärke nicht 0,9 Grad der Beaufortskala;
vermuthlich würde diese Differenz bei einer gröfseren Zahl von Begegnungen und
einer engeren Begrenzung des Begriffs Begegnung noch geringer werden. Die
durchschnittliche Differenz der Richtung von -+ 0,2 Strich ist verschwindend
gering, die der Stärke von + 0,6 Graden der Beaufortskala ist dieselbe wie bei
Segelschiffen. *)
Was das Vorzeichen anbetrifft, so stimmt dieses mit einer einzigen Aus-
nahme mit dem theoretisch zu erwartenden überein. Auch diese Ausnahme
würde bei einer gröfseren Anzahl von Begegnungen höchst wahrscheinlich ver-
schwinden.
Vergleichen wir damit die Zahlen der amerikanischen Tabelle, indem
wir auch in dieser die Differenzen der scheinbaren Richtungen und Stärken bei,
mit und entgegen dem gleichen wirklichen Winde fahrenden Dampfern bestimmen,
Um jede Uebertreibung zu vermeiden, legen wir dabei die Fahrtgeschwindigkeit
I) Vgl. „Ann, d. Hydr. ete.“ 1897, Seite 335.