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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Fehler in der Schätzung der Windrichtung und Windstärke auf Dampfern. 375 
3. Bestimmung des Einflusses der Fahrt auf die Windschätzungen nach den 
Dekadenberichten der Seewarte. 
Um möglichst viele Begegnungen zu erhalten, wurden in die Dekaden- 
berichte zunächst die Beobachtungen der sämmtlichen vom Kanal ausgehenden 
Dampfer nachgetragen, deren Tagebücher beim Erscheinen der betreffenden Berichte 
noch nicht eingeliefert waren. Da nun nur die Länge, nicht aber die Breite 
des Schiffsortes in den Dekadenberichten angegeben ist, so wurde als höchster 
Abstand der gegenfahrenden Dampfer ein Längenunterschied von 2° genommen. 
Berücksichtigt man nun noch den Breitenunterschied der aus- und heimfahrenden 
Dampfer, der auf den Normalrouten höchstens 60 Sm beträgt, so entspricht der 
Unterschied von 2° Länge auf dieser Route höchstens etwa 120 Sm. 
Die Begegnungen von Schnelldampfern auf dieser Route sind bei der 
Untersuchung besonders hervorgehoben worden; doch zeigten sich auch bei 
diesen Begegnungen keine gröfseren Unterschiede bei der Schätzung der Wind- 
richtung und -stärke als bei denen von langsamer fahrenden Dampfern. 
Als Hauptkursrichtung ist, um Irrthümer zu vermeiden, auf der ganzen 
Strecke die Richtung ONO -— WSW genommen, trotzdem dieselbe westlich von 
47° W-Lg., von Mitte Januar bis Mitte August fast rein 0O—W ist. Demnach 
wurden als Mitwinde auf der Ausreise die Winde zwischen 0SO und NNO, als 
Gegenwinde die zwischen WNW und SSW bezeichnet; auf der Heimreise als 
Mitwinde die Winde zwischen WNW und SSW, als Gegenwinde die zwischen 
0SO und NNO; als Seitenwinde die Winde zwischen O0SO und SSW wie 
zwischen NNO und WNW. Die Grenzwinde NNO, 0S0O, SSW und WNW 
wurden als Mit- bezw. Gegenwinde gerechnet, 
Die Anzahl der Begegnungen betrug insgesammt 804. Es hatte von den 
gegenfahrenden Dampfern 
der eine Mit-, der andere Gegenwind & 
beide Mitwind.. . . .. 
beide Gegenwind . . 20.000010 0.00.4004 
der eine Mit- bezw. Gegen-, der andere Seitenwind 
beide Seitenwind . ...0.... % 
Hatte der eine Dampfer Windstille, der andere Mit- bezw. Gegenwind 
angegeben, so wurde diese Begegnung zur 1. Kategorie; hatte der zweite Dampfer 
Seitenwind angegeben, so zur 5. Kategorie geschlagen, 
Tabelle 1. (Richtung.) Tabelle 2. (Stärke.) 
Mittlere ” 
Windstärke 
0-— 21/5 
3—31/% 
4—41/o 
5—51/ 
5—7 
üher 7 
Zahl der 
Fälle 
(Aa) 
a1 
20 
A 
an 
nn 
26 
41 
ge” 
in Prozenten 
A 1 — 1290 
359% 189/09 470/0 
290%/0 200/ ! 51% 
250/0 | 250% | 50% 
280% | 2807, | 44% 
act “ FO | 56% 0 
580/n ı 410/0 
Windstärke 
Mittlere 
0—21/ 
3—31/2 
Dan 
—51/ 
5—7 » 
äher 7 
Zahl der 
Fälle 
AL lIN 
‘9 
38 
27 
19 
29 
2, 
2 
E 
in Prozenten 
A 
nf 
580/0 
49/9 
46% 
7007 
ne 
A307 
259 
289/09 
319% 
. 6% 
40/9 
180,9 
220/9 
L8%0 
280/0 
149% 
460/0 
290/9 
Summe 190 |75 | 1611 — | — | — Summe [180 |82]851 — | — | — 
Durchschnitt | — !—!1 — 1|280/9 | 239/4 | 4990 Durchschnitt | — |— 1 1520/ | 249/9 | 2497, 
Unter Benutzung der auf Seite 371 angegebenen Definition über die Vor- 
zeichen der Unterschiede von Windrichtung und -stärke geben die Tabellen 1 
und 2 eine Uebersicht von der Häufigkeit der Vorzeichen bei der 1. Kategorie 
für die verschiedenen Stärkegrade der Beaufortskala; Tabelle 1 über die der 
Richtung, Tabelle 2 über die der Stärke. Die erste Zeile beider ist beispiels- 
weise so zu lesen: Bei leichten Winden, d. h. wenn die Windstärke im Durch- 
schnitt beider Schiffe auf weniger als 3 Beaufortgrade geschätzt wurde, wurde 
die Windrichtung in 26 Fällen auf beiden Schiffen gleich!) notirt, in 19 Fällen 
1) Die wenigen Fälle, wo sie gleich weit vom Kurs, aber auf verschiedenen Seiten desselben 
yeschätzt wurde, kommen nicht in Betracht.
	        
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