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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

374 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1902, 
„Begegnung“ als höchster Abstand 120 Sm, auf der Route Kanal—Lizie 60 Sm 
festgesetzt. Im ersteren Fall wurde ein gröfserer Abstand gewählt, um möglichst 
schnell ein vorläufiges Resultat zu gewinnen, und weil von den Dekadenberichten 
nur ein Zeitraum von 1'/a Jahren, vom 1. Juli 1900 bis 31. Dezember 1901, 
vorlag. Bei der Untersuchung nach den täglichen synoptischen Wetterkarten 
konnten schärfere Bedingungen gestellt werden, da von diesen Karten ein über- 
reiches Material vorlag; es wurden benutzt die Karten vom 1. Juni 1890 bis 
31. Mai 1896, also ein Zeitraum von 6 Jahren. Es wurde dieser Zeitraum 
gewählt, weil er das jüngste veröffentlichte Material enthält. 
Die Erwartung, dafs man eine ebenso gute Uebereinstimmung bei einer 
Entfernung von 60 resp. 120 Sm erhalten werde, wie in dem Fall, dafs der 
Begriff Begegnung darauf beschränkt würde, dafs beide Schiffe in Sicht von 
einander wären, konnte natürlich nicht gehegt werden; jedoch war zu hoffen, 
dafs die zufälligen Fehler sich bei einer genügend grofsen Anzahl von Begeg- 
nungen, wenn nicht gänzlich, so doch wenigstens zum gröfsten Theil aufheben 
würden, was sich im Laufe der Untersuchung auch bewahrheitet hat. 
Um nun die Arbeit nicht zu weit ausdehnen zu müssen, wurden nur die 
Mit- und Gegenwinde untersucht, welche auf beiden Routen stark vorherrschend 
sind und bei denen die Wirkung der Fahrt auf die scheinbare Windstärke am 
gröfsten ist. Bei der Windrichtung sind es allerdings, solange die Fahrt nicht 
schneller als der wirkliche Wind ist, die scheinbaren Seitenwinde, bei welchen 
der mögliche Fehler am höchsten steigt. Nur wenn die Bewegung der Luft 
langsamer als die des Schiffes ist, erreicht der mögliche Fehler sein Maximum 
bei wirklichem Mitwind, der ja dann als Gegenwind empfunden wird. Bei 
Schnelldampfern liegt dieser Fall, da 20 Knoten gleich 10,3 m in der Sekunde 
sind, was einer Windstärke von fast 6 Beaufortgraden entspricht, bei mindestens 
der Hälfte der Winde vor. KHine Hineinziehung der Seitenwinde wäre nur bei 
der Zusammenstellung nach den synoptischen Karten möglich gewesen, da von 
den Dekadenberichten kein genügend umfangreiches Material vorlag; die Arbeit 
wäre dadurch sehr vergröfsert, das Resultat aber, das sich schon bei Mit- und 
Gegenwinden zeigt, dafs nämlich die in der Pilot Chart angegebenen Korrektionen 
das Fünf- bis Zehnfache des wirklichen Fehlers der Beobachtungen betragen, 
kaum dadurch verändert worden. 
In beiden Untersuchungen wurden demnach die Unterschiede der gleich- 
zeitigen Windangaben entgegengesetzt fahrender Dampfer bestimmt. Als Unter- 
schiede der Windstärke wurden natürlich die Differenzen der angegebenen 
Grade der Beaufortskala genommen; als solche der Windrichtung konnte eben- 
falls einfach die in Strichen ausgedrückte Differenz der geschätzten Richtungen 
genommen werden, solange nicht die Kursrichtung zwischen beide fiel; in 
letzterem Falle wurde die Differenz der Abweichungen der geschätzten Wind- 
richtung von der Kursrichtung genommen, weil es darauf ankam, nur die durch 
die Fahrt des Dampfers und durch keine andere Ursache veranlafste Abweichung 
der geschätzten Windrichtung von der wahren zu ermitteln. Die Nothwendig- 
keit dieser Wahl ging aus folgender Ueberlegung hervor: Bei Mitwind ist der 
Winkel zwischen der Kursrichtung und dem scheinbaren Wind gröfser, bei 
Gegenwind kleiner als zwischen der Kursrichtung und dem wirklichen Wind; 
niemals kann jedoch durch die Fahrt des Dampfers allein ein Ueberschlagen 
des scheinbaren Windes über die Kursrichtung hinaus erfolgen. 
Als positiv ist bei Windrichtung wie -stärke der theoretisch zu er- 
wartende Unterschied bezeichnet, als positiv also der Unterschied der Wind- 
stärken dann, wenn der Gegenwind stärker als der Mitwind, und als positiv 
der Unterschied der Windrichtungen dann, wenn der Winkel zwischen Kurs 
und Mitwind gröfser als der zwischen Kurs und Gegenwind angegeben ist. 
Abgesehen wurde von denjenigen Fällen, bei denen die Begegnung in der 
Nähe von Inseln stattgefunden hatte, da durch diese Verschiedenheiten in der 
Richtung und Stärke des wirklichen Windes hervorgerufen werden können, die 
nicht Schätzungsfehlern zugeschrieben werden dürfen. Abgesehen wurde ferner 
von den vereinzelten Fällen, wo ein barometrisches Minimum zwischen den sich 
begegnenden Dampfern lag.
	        
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