Fehler in der Schätzung der Windrichtung und Windstärke auf Dampfern. 373
Nehmen wir zunächst die zwei Fälle aus diesem Material, wo sich die
zwei schnellsten Schiffe, „Deutschland“ und „Kaiser Wilhelm der Grofse“, um
8h V, begegneten. Unter die beobachteten setzen wir die nach der ameri-
kanischen Tafel „korrigirten“ Werthe.
Reise: aus heim A Strich‘ A Stärkestufen
Beob.: NNO4 NO 4 2 0
Korr,: N0O7 NWzN1 7 ö
Reise: aus heim
Beob.: W6 WNW6 2
Korr.: WNW2 WS 2
16. Juni 1901
Durch Anbringung der Korrektion werden also in diesem Falle die
Daten verschlechtert, indem ihre Uebereinstimmung verringert wird.
Zwei andere Beispiele mögen die Ausreise des Schnelldampfers „Kaiserin
Maria Theresia“ im September 1900 liefern. Am Morgen des 8. begegnet er
fast gleichzeitig den beiden oben genannten Schnellschiffen, beide aus Amerika
kommend. Auf den 3 Schiffen sind um 8 V., als sie einander am nächsten,
wenn auch außlser Sicht, waren, folgende Windangaben notirt, unter die wir
wiederum die „korrigirten“ setzen:
aus heim heim
„K. Maria Ther.“ „K. W. d. Grofse“ „Deutschland“
8. Sept. 1900 { Beob.: SW 1 SW 3 SSW 2
. SCP% Korr.: OzN3. SWzW 7 SWzW 6
Hier hatte die „Kaiserin Maria Theresia“ Gegenwind; zwei Tage darauf
begegnet sie bei Mitwind der „Assyria“; die Aufzeichnungen lauten um 8* V.
des 10. September:
„Kais. M, Th.“ nach West „Assyria“ nach Ost A Strich A Grade
Beob.: NO2 . NNO4 = 2 2
„Korr.“: N0z0 6 NW 3 9 3
Wie man sieht, würden auch in diesen Fällen die Uebereinstimmung
zwischen den Beobachtungen sehr viel schlechter werden, wenn man die vom
„Hydrographic Office“ empfohlene Korrektion anbringen wollte.
2. Prüfung der Frage auf der Seewarte.
Beispiele veranschaulichen wohl, aber sie beweisen nicht; wir unterdrücken
deshalb die übrigen von uns untersuchten und gehen zur statistischen Zusammen-
stellung des auf der Seewarte zur Prüfung dieser Frage vorliegenden Beobachtungs-
materials über. Das ganze vorhandene Material heranzuziehen, ging wegen seines
angeheuren Umfangs nicht an; es sind aber an der Hand zweier hierzu geeigneter
Publikationen der Seewarte zwei unabhängige, immerhin schon recht umfang-
reiche Untersuchungen ausgeführt worden, deren Ergebnisse einander unter-
stützen.
Untersucht wurden die Schiffsbegegnungen auf zwei Dampferrouten, erstens
der Route Kanal—-New York und zurück, zweitens der Route Kanal Linie
zwischen 5° und 36° N-Br. und zurück. Diese beiden Routen wurden gewählt,
weil sie zwei ganz verschiedenen Windgebieten angehören, erstere dem häufiger
Weststürme, letztere dem ruhigeren des Nordostpassats. Die erste Unter-
suchung wurde mit Hülfe der von der Seewarte herausgegebenen „Internationalen
Dekadenberichte“ gemacht, die zweite an der Hand der bereits erwähnten „Täg-
lichen synoptischen Wetterkarten für den Nordatlantischen Ozean und die anliegen-
den Theile der Kontinente“.
Wenn man bei diesen Untersuchungen ganz sicher hätte gehen wollen,
so hätte man nur solche Schiftsbegegnungen in Betracht ziehen dürfen, wo nach
dem Tagebuch beide Schiffe in Sicht von einander waren; hierdurch wäre indessen
die Arbeit in durchaus nicht lohnender Weise erschwert und verlängert worden;
abgesehen davon, dafs Schiffsbegegnungen überhaupt selten, sind die von Dampfern
auf entgegengesetztem Kurs noch dadurch verringert worden, dafs durch inter-
nationale Vereinbarung für- Heim- und Ausreise von Dampfern verschiedene
Routen bestimmt sind, um Zusammenstöfse zu vermeiden. Für die vorliegende
Untersuchung wurden deshalb auf der Route Kanal—New York für den Begriff