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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902,
aus westlichen Richtungen fortdauerte. Eine durchgreifende Aenderung brachte
der 28., indem eine tiefe Depression mit einem Minimum unter 735 mm nördlich
von Schottland erschien und einen Ausläufer niedrigen Druckes nach der
Biscaya-See entsandte. Der Zutritt ozeanischer Luft wurde hierdurch von
Deutschland abgeschnitten, so dafs bei Winden aus südlichen Richtungen
wärmeres Wetter eintrat. Gegenüber hohem Luftdruck über Südosteuropa
breitete sich die Depression rasch über die Nordwesthälfte Europas aus. Ein
in der Nacht zum 30. vom Ozean über Mittelskandinavien vorgedrungenes
Hochdruckgebiet trennte das Depressionsgebiet in zwei Theile, brachte aber für
Deutschland keine Aenderung der Witterung, da der südwestliche Theil der
Depression sich bald von der Biscaya-See über Mitteleuropa ausdehnte und
südliche bis östliche Winde bestehen blieben, die warmes, in Deutschland vor-
wiegend heiteres und trockenes Wetter herbeiführten. Wohl hatte die Küste
noch über gröfseren Gebietstheilen Regenfälle, doch traten diese zum großen
Theile in Begleitung von nächtlichen Gewittern auf; das heitere Wetter blieb
an der Küste auf Theile der Ostsee-Küste beschränkt, da die Nordsee-Küste
durch die Depression in stärkerem Grade beeinflufst wurde.
Neuere Veröffentlichungen.
Deutsche Seewarte: Handbuch der Ostküste Südamerikas zwischen dem
Kap San Roque und der Magellan-Strafse. Herausgegeben von der Direktion
der Seewarte. Mit 102 Küstenansichten und 17 Hafenplänen im Text so-
wie 22 Tafeln. Hamburg 1902. 8°, 731 S. Im Vertrieb bei L. Friede-
richsen & Co., Hamburg.
Die Materialsammlung von Berichten und Fragebogen über fremde Häfen bei der Seewarte
enthält von deutschen Konsuln 71 Fragebogen, von deutschen Kapitänen 120 Fragebogen über die
wichtigsten Häfen der Ostküste Südamerikas; der aufserordentlich emsigen Mitarbeit der Kapitäne
der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft sind dabei besonders werthvolle Beiträge
von insgesammt 83 Fragebogen und Berichten zu danken. In der auf Seite VII und VIII des
Handbuches gegebenen Liste der Mitarbeiter zur See sind die Namen der Kapitäne angeführt, die
sich an der freiwilligen Bearbeitung von Fragebogen und Berichten betheiligt haben. Mit Rücksicht
auf dieses werthvolle Material hielt sich die Direktion für verpflichtet, zur Unterstützung des leh-
haften deutschen Seeverkehrs nach der Ostküste von Südamerika das vorliegende Handbuch zu
bearbeiten.
Verschiedene werthvolle Beiträge zu diesem Küstenhandbuche sind den Berichten Seiner
Majestät Schiffe zu danken, insbesondere den Kommandos S. M. S. „Albatross“ (1873 und 1883),
„Vineta“ (1877), „Victoria“ (1884), „Alexandrine“ (1893), „Gneisenan“ (1897), „Sophie“ (1898),
„Nixe“ (1898), „Geier“ (1899) und „Vineta“ (1901). Aufserdem sammelte der Gesandtschafts-Attache
Freiherr v, Flöckher für die Direktion eine Fülle werthvollen Materials. Von fremdländischer
Litteratur wurden neben den amtlichen französischen, nordamerikanischen und britischen Küstenhand-
büchern noch die ausgezeichneten Werke von Alexander Dorn: „Die Sechäfen des Weltverkehrs“,
P. Christophersen: „River Plate Navigation and Shipping“, Julio B. Figueroa: „KEstudios
sobre Puertos en la Provincia de Buenos Aires“ für verschiedene Angaben benutzt.
Die Form der Darstellung ist so gewählt, dafs das Küstenhandbuch nicht nur vollwerthigen
Ersatz für die fremdländischen Küstenbeschreibungen dieses Gebietes bietet, sondern auch die Be-
Jürfnisse der deutschen Rhedereien, Schiffsmakler und anderer Schiffahrts-Interessenten nach Gebühr
berücksichtigt, wie schon verschiedene Abschnitte der Einleitung erkennen lassen; insbesondere sind
aber alle für den deutschen Schiffsverkehr irgendwie in Betracht kommenden Seehäfen Brasiliens
südlich vom Kap San Raoque, sowie der La Plata-Staaten entsprechend eingehend und ausführlich
hehandelt worden.
Allen Mitarbeitern der Seewarte, die durch Bearbeitung von Fragebogen und Berichten die
vorliegende Arbeit unterstützt haben, spricht die Direktion anch an dieser Stelle verbindlichsten
Dank aus.
Alle deutschen Seeleute werden ersucht, Angaben, die zur Berichtigung oder Vervollstän-
digung dieses Küstenhandbuches dienen können, der Direktion der Seewarte zukommen zu lassen.