Die Witterung an der deutschen Küste im Mai 1902.
367
28 mm. Fast jeder Tag brachte weit verbreitete Niederschläge. Läfst man den
Niederschlagstag um 8a Ortszeit des gleichnamigen Kalendertages beginnen
und sieht man von vereinzelten und von geringfügigen Niederschlägen ab, so
fielen diese über gröfseren Gebietstheilen am 1}. bis 20. an der ganzen Küste
mit Ausnahme des 8,, 10. und 18, an der mittleren Ostsee-Küste, am 21. an der
Ostsee, am 22, an der preufsischen Küste, am 23. ostwärts bis Mecklenburg,
am 24. ostwärts bis Pommern, am 25. westwärts der Elbe, am 26. zwischen
Weser und Kieler Bucht, am 27. von der Elbe bis Pommern, am 28, ostwärts
bis Rügen, am 29. ostwärts bis Pommern und am 80, von der Elbe bis zur Ost-
küste Schleswig-Holsteins. — Sehr ergiebige, in 24 Stunden 20,0 mm über-
steigende Niederschlagsmengen fielen nur am 18. in Hela (22 mm). Ausgebreitete
Gewitter fanden statt am 3. von der Weser his zur Ostküste Schleswig-Holsteins,
am 4. von Mecklenburg ostwärts, am 16. von Mecklenburg bis Pommern, am
0. und 21. an der ostdeutschen Küste, am 28. von der Weser bis Mecklenburg,
am 29. zwischen Elbe und Oder und am 30. ostwärts bis Westpreufsen. Die
Gewitter am 28. bis 30. traten am Abend oder in später Nachtstunde bezw. am
frühen Morgen der nächstfolgenden Tage ein, während die Gewitter der erst-
genannten Tage meist am Nachmittag stattfanden. — Ueber gröfserem Gebiete
auftretender Nebel wurde nicht beobachtet. — Als heitere Tage, an denen die
nach der Skala 0 bis 10 geschätzte Bewölkung im Mittel aus den drei Beob-
achtungen kleiner als 2 war, charakterisirten sich über größerem Gebiete der
23. von Rügen ostwärts, der 26. an der pommerschen Küste, der 28. von Meck-
lenburg ostwärts, der 29, an der preufsischen Küste, der 30. von Mecklenburg
und der 3l. von Rügen ostwärts; heiteres Wetter irat an der Nordsee auch
über kleineren Gebieten nur ganz vereinzelt auf,
Gegenüber hohem Luftdruck über Südwesteuropa lag die Küste zu Beginn
des Monats im Bereiche einer über Mitteleuropa ostwärts fortschreitenden De-
pression mit einem Minimum über dem Skagerrak. Eine neue, am 2. über
Schottland herannahende Depression drang rasch nach Mitteleuropa und ver-
Jagerte sich bis zum 10. langsam nach Russland, während sich hoher Luftdruck
vom Ozean her über der Nordwesthälfte Europas gegenüber niedrigem vom
Mittelmeer über Südosteuropa vordringenden Luftdruck ausbreitete. Mehrere
Minima schritten während dieser Tage nördlich der Küste vorüber, und ein
Minimum zog am 7. und 8..vom Südwesten der Ostsee durch Preufsen nach
Polen. Die Winde wehten vorwiegend aus westlichen, im Westen auch nörd-
lichen, im Osten mehr südlichen Richtungen und drehten mit dem Vordringen
des Maximums über Nordeuropa allmählich nördlicher, im Westen bis N—NE,
im Osten meist nur bis NW—N.
[n der Nacht zum Il. Mai hatte der Druck über West- und Nordeuropa
stark abgenommen. In dem Gebiete relativ hohen Druckes über Westeuropa
zeigten sich flache Minima über Irland und der Nordsee, und es entwickelte sich
eine neue Depression, die bereits am Abend des 11. wieder über Mitteleuropa
lag, gegenüber einem Maximum über dem Ozean. Die Herrschaft dieser De-
pression über die Küste währte bis zum 15.; an diesem Tage verlagerte‘ sie
sich nordwärts beim Vordringen einer neuen Depression von Schottland her.
Am 16. schritt ein tiefes Minimum ostwärts längs der Küste fort, von stürmischen
Winden in dem eingangs angegebenen Umfange begleitet, und es drangen nun
bis zum 21. weitere Minima in steter Folge vom Westen her nach Mitteleuropa,
die meist nördlich längs der Küste fortschritten, so dafs die Winde fast durch-
weg aus westlichen Richtungen wehten. Bei dieser anhaltenden Lage im Be-
reiche von Depressionen herrschte vorwiegend trübes oder sehr veränderliches
kühles Wetter mit täglichen Regenfällen bis zum 20. fast über dem ganzen
Gebiet.
Am 21. und 22, breitete sich hoher Luftdruck von der Biscaya-See her
über Mitteleuropa aus und trat mit einem Hochdruckgebiet im Nordosten in
Verbindung; die Depression wurde von Mitteleuropa nach Russland zurückge-
drängt, die Winde drehten an der Küste nach Nord, und die Regenfälle blieben
am 21. auf die Ostsee-, am 22. auf die preufsische Küste beschränkt,
Vom 23. bis 27. erstreckte sich hoher Luftdruck von der Biscaya-See
über Kontinentaleuropa, während Minima ostwärts über Skandinavien schritten,
in deren theilweisem Bereich das veränderliche Wetter bei ozeanischen Winden