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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Die Witterung an der deutschen Küste im Mai 1902. 
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28 mm. Fast jeder Tag brachte weit verbreitete Niederschläge. Läfst man den 
Niederschlagstag um 8a Ortszeit des gleichnamigen Kalendertages beginnen 
und sieht man von vereinzelten und von geringfügigen Niederschlägen ab, so 
fielen diese über gröfseren Gebietstheilen am 1}. bis 20. an der ganzen Küste 
mit Ausnahme des 8,, 10. und 18, an der mittleren Ostsee-Küste, am 21. an der 
Ostsee, am 22, an der preufsischen Küste, am 23. ostwärts bis Mecklenburg, 
am 24. ostwärts bis Pommern, am 25. westwärts der Elbe, am 26. zwischen 
Weser und Kieler Bucht, am 27. von der Elbe bis Pommern, am 28, ostwärts 
bis Rügen, am 29. ostwärts bis Pommern und am 80, von der Elbe bis zur Ost- 
küste Schleswig-Holsteins. — Sehr ergiebige, in 24 Stunden 20,0 mm über- 
steigende Niederschlagsmengen fielen nur am 18. in Hela (22 mm). Ausgebreitete 
Gewitter fanden statt am 3. von der Weser his zur Ostküste Schleswig-Holsteins, 
am 4. von Mecklenburg ostwärts, am 16. von Mecklenburg bis Pommern, am 
0. und 21. an der ostdeutschen Küste, am 28. von der Weser bis Mecklenburg, 
am 29. zwischen Elbe und Oder und am 30. ostwärts bis Westpreufsen. Die 
Gewitter am 28. bis 30. traten am Abend oder in später Nachtstunde bezw. am 
frühen Morgen der nächstfolgenden Tage ein, während die Gewitter der erst- 
genannten Tage meist am Nachmittag stattfanden. — Ueber gröfserem Gebiete 
auftretender Nebel wurde nicht beobachtet. — Als heitere Tage, an denen die 
nach der Skala 0 bis 10 geschätzte Bewölkung im Mittel aus den drei Beob- 
achtungen kleiner als 2 war, charakterisirten sich über größerem Gebiete der 
23. von Rügen ostwärts, der 26. an der pommerschen Küste, der 28. von Meck- 
lenburg ostwärts, der 29, an der preufsischen Küste, der 30. von Mecklenburg 
und der 3l. von Rügen ostwärts; heiteres Wetter irat an der Nordsee auch 
über kleineren Gebieten nur ganz vereinzelt auf, 
Gegenüber hohem Luftdruck über Südwesteuropa lag die Küste zu Beginn 
des Monats im Bereiche einer über Mitteleuropa ostwärts fortschreitenden De- 
pression mit einem Minimum über dem Skagerrak. Eine neue, am 2. über 
Schottland herannahende Depression drang rasch nach Mitteleuropa und ver- 
Jagerte sich bis zum 10. langsam nach Russland, während sich hoher Luftdruck 
vom Ozean her über der Nordwesthälfte Europas gegenüber niedrigem vom 
Mittelmeer über Südosteuropa vordringenden Luftdruck ausbreitete. Mehrere 
Minima schritten während dieser Tage nördlich der Küste vorüber, und ein 
Minimum zog am 7. und 8..vom Südwesten der Ostsee durch Preufsen nach 
Polen. Die Winde wehten vorwiegend aus westlichen, im Westen auch nörd- 
lichen, im Osten mehr südlichen Richtungen und drehten mit dem Vordringen 
des Maximums über Nordeuropa allmählich nördlicher, im Westen bis N—NE, 
im Osten meist nur bis NW—N. 
[n der Nacht zum Il. Mai hatte der Druck über West- und Nordeuropa 
stark abgenommen. In dem Gebiete relativ hohen Druckes über Westeuropa 
zeigten sich flache Minima über Irland und der Nordsee, und es entwickelte sich 
eine neue Depression, die bereits am Abend des 11. wieder über Mitteleuropa 
lag, gegenüber einem Maximum über dem Ozean. Die Herrschaft dieser De- 
pression über die Küste währte bis zum 15.; an diesem Tage verlagerte‘ sie 
sich nordwärts beim Vordringen einer neuen Depression von Schottland her. 
Am 16. schritt ein tiefes Minimum ostwärts längs der Küste fort, von stürmischen 
Winden in dem eingangs angegebenen Umfange begleitet, und es drangen nun 
bis zum 21. weitere Minima in steter Folge vom Westen her nach Mitteleuropa, 
die meist nördlich längs der Küste fortschritten, so dafs die Winde fast durch- 
weg aus westlichen Richtungen wehten. Bei dieser anhaltenden Lage im Be- 
reiche von Depressionen herrschte vorwiegend trübes oder sehr veränderliches 
kühles Wetter mit täglichen Regenfällen bis zum 20. fast über dem ganzen 
Gebiet. 
Am 21. und 22, breitete sich hoher Luftdruck von der Biscaya-See her 
über Mitteleuropa aus und trat mit einem Hochdruckgebiet im Nordosten in 
Verbindung; die Depression wurde von Mitteleuropa nach Russland zurückge- 
drängt, die Winde drehten an der Küste nach Nord, und die Regenfälle blieben 
am 21. auf die Ostsee-, am 22. auf die preufsische Küste beschränkt, 
Vom 23. bis 27. erstreckte sich hoher Luftdruck von der Biscaya-See 
über Kontinentaleuropa, während Minima ostwärts über Skandinavien schritten, 
in deren theilweisem Bereich das veränderliche Wetter bei ozeanischen Winden
	        
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