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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Dampferwege von New York nach Westindien, 
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durch die Mona Passage als der vortheilhafteste angesehen werden muß, weil 
man dort freies tiefes Wasser und, besonders an den Inseln Desecheo und Mona, 
vorzügliche Landmarken hat. Mit der Befeuerung der Durchfahrten östlich von 
Portorico mögen diese wohl später zur Benutzung gelangen. Ferner dafs die 
Wege östlich von Orchilla und westlich um Curacao sichere Wege bei Nacht 
oder bei schlechtem und unsichtigem Wetter sind, bei Tage und sichtigem Wetter 
die Wege jedoch westlich von Orchilla und östlich von Curacao entlang führen, 
zwischen ihnen und den einzelnen Inseln oder Inselgruppen, besonders auch 
zwischen der Los Roques-Gruppe und den Aves-Inseln hindurch. Ein Leucht- 
feuer auf dem Westende von Curacao ist als dringend nothwendig empfohlen, 
Die um ihre Meinung befragten Kapitäne äufsern sich alle dahin, daß im 
Karaibischen Meere die Strömung sehr in Betracht zu ziehen sei und man bei 
der Ansteuerung der genannten Landmarken dafür einen grofsen Spielraum 
geben müsse. 
Letzte Reise der Fünfmastbark „Potosi‘“ von Hamburg nach Chile 
und zurück — April bis November 1901 — sowie Uebersicht 
über ihre bisherigen zehn Rundreisen. 
Kapitän Hilgendorf schreibt in seinem kürzlich bei der Seewarte ein- 
gegangenen Journal: 
Am 28, April 1901 verließ die „Potosi“ die Elbe und passirte am 4, Mai, 
nach Verlauf von 6 Tagen, Lizard. In der Nordsee und im englischen Kanal waren 
vorherrschend leichte veränderliche Winde gewesen, beim Eintreten in den Atlan- 
tischen Ozean veränderten sich die Windverhältnisse jedoch zu unsern Gunsten; 
denn steife nördliche Winde, welche von 40° N-Br allmählich in Nordost über- 
gingen, brachten das Schiff mit gutem Fortgange bis nach 5° 22‘ N-Br 24° 13‘ W-Lg, 
woselbst der Nordostpassat sein Ende nahm. Im Stillengürtel, welcher sich bis 
nach 1° 30‘ N-Br und 24° 55' W-Lg erstreckte, wurden meist leichte westliche 
bis südliche Winde angetroffen; in 1° N-Br und 25° 52‘ W-Lg kam in einer 
steifen Böe der Südostpassat durch, mit welchem am 24, Mai, nach Verlauf von 
20 Tagen von Lizard, in 26° 50‘ W-Lg der Aequator geschnitten wurde. 
Mit frischem Südostwinde, welcher von 17° S-Br an allmählich durch Ost 
nach Nordost ging, erreichte „Potosi“ in 7 Tagen 19° 19‘ S-Br und 35° 59 W-Lg. 
Von hier bis nach 30° S-Br trafen wir leichte, südliche Winde, wodurch wir nur 
sehr langsam vorankamen; denn erst am 8. Juni wurde 30° S-Br in 46° 40‘ W-Lg 
überschritten. Von hier ab herrschten mäfige bis leichte veränderliche Winde, 
meistens nicht, steif genug, um ein schnelles Vorwärtskommen des Schiffes zu 
ermöglichen. Wir passirten jedoch Kap Horn am 22, Juni in 56° 40’ S-Br am 
29. Tage vom Aequator. ; 
Im Stillen Özean gestalteten sich die Windverhältnisse etwas günstiger, 
womit dann auch zum Schluß noch ein gutes Gesammtresultat erzielt wurde; 
denn nach Verlauf von 11 Tagen, von Kap Horn gerechnet, erreichten wir am 
3. Juli den Hafen von Valparaiso. Die Reisedauer von Hamburg nach Valparaiso 
war 66, von Lizard gerechnet, 60 Tage. 
Nachdem wir nun im Hafen von Valparaiso 3200 Tonnen Ladung gelöscht 
and etwa 300 Tonnen Küstenladung wieder eingenommen hatten, segelten wir 
am 21. Juli, nach einem Hafenaufenthalt von 18 Tagen, nach Iquique, woselbst 
wir nach einer fünftägigen Reise am 26. Juli ankamen. 
Nach Entlöschung von Ladung und Ballast wurde zunächst nur langsam 
geladen, später schneller, jedoch wurden, im Verhältnifs zu früheren Reisen, 
dieses Mal 4 Tage mehr zum Beladen der „Potosi“ gebraucht. 
Nach einem Aufenthalt von 20 Tagen im Hafen von Iquique wurde am 
15. August die Heimreise nach Hamburg angetreten. Nachdem der Lootse und 
der Schlepper die „Potosi“ verlassen, trieben wir drei Tage in totaler Windstille 
in Sicht des Hafens Iquique, auch folgte zunächst nur flauer Wind aus Süd, der 
später in SO überging und uns nur bis 23° S-Br und 80° W-Lg brachte. 
Mallung und unbeständige Briese aus westlicher Richtung begleiteten uns nach
	        
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