Prager, M:: Die Fahrtgeschwindigkeit der Segelschiffe auf .großen Reisen.
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gütern oder mit Ballast (Sand, Steinen oder geringer. Ladung) beladene Schiffe
ausgewählt wurden. Ferner war für die Untersuchung maßgebend, daß alle
dafür verwendeten Schiffe die Ausreise von den heimischen Gewässern an-
traten, denn so war die Gewißheit vorhanden, daß die Reise mit gereinigtem
Sechiffsboden und seetüchtiger Takelung angetreten wurde,
Einige Eigentümlichkeiten der Werte.
Es sind hier somit alle Gesichtspunkte aufgeführt, die für die Unter-
suchung maßgebend gewesen sind, und bleibt nur noch übrig auf einzelne
Tatsachen hinzuweisen, die aus dem Zahlenmaterial nicht ohne weiteres er-
kenntlich sind. So ist unter anderem bei sich gleichbleibender Windstärke
z. B. in den Passatregionen, die scheinbar keiner bemerkbaren Abschwächung
unterworfen ist, bei gleicher Segelführung und derselben Kursrichtung, die
gemessene Distanz in einer Wache selten mit der in vorhergegangenen oder
folgenden Wachen gleich. Unter gleichen Verhältnissen variiert also die Ab-
und Zunahme der Geschwindigkeit eines Schiffes, so. daß sich, ohne recht er-
kennbare Ursache, bald eine geringere, bald eine größere Distanzmessung
ergibt, z. B. bei Backstags-Windrichtung und Windstärke 4 war in der Wache
von 0 bis 4 Uhr morgens die versegelte Meilenzahl 19, von 4 bis 8 Uhr
morgens 22, von 8 bis 12 Uhr vormittags 20 usw. Freilich haben die zur
Messung der Geschwindigkeit gewöhnlich benutzten Instrumente auch noch
nicht den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht, jedoch ist die Beständig-
keit des Windes ein noch unsicherer Faktor, Aber noch viel größer werden
die Unterschiede in Gegenden, wo die unbeständigen und veränderlichen
Winde vorherrschen, die unter Umständen in wenigen Stunden ein häufiges
Bergen und Setzen der kleinen Segel nötig machen, was besonders auf die
Fahrtgeschwindigkeit der Schiffe kleiner und mittlerer Größe von wesent-
lichem Einfluß ist. Z. B. bei Windstärke 5 und breitseits zur Kursrichtung
wehendem Wind betrug die gemessene Distanz in mehreren Wachen etwa 36,
28, 30, 34, 26, 28, 34 Seemeilen usw,
Gebräuchlich ist es auch auf Segelschiffen, daß, sobald die nördlichen
oder südlichen Grenzen der Passatwinde erreicht sind, statt der in den
Regionen starker Winde benutzten starken neuen Segel für die Dauer des
Aufenthalts in den Passatgebieten schon abgenutzte alte Segel geführt werden,
deren Wert durch noch größere Abnutzung nicht sehr verringert wird, die
aber einen starken Winddruck oft nicht aushalten können und um sie zu er-
halten, früher geborgen werden müssen als neue oder noch in guter Ver-
fassung befindliche Segel. Auch dieser Gebrauch muß auf weiten Reisen
auf die Fahrtgeschwindigkeit eines Schiffes einen bemerkbaren Einfluß ausüben.
Ferner weicht auch die persönliche Auffassung der einzelnen Beobachter
bei der Schätzung starker Winde, selbst der Stürme, voneinander ab, Für
ein kleineres Schiff wird z. B. die Windstärke 7 bis 8 oft schon als Sturm
aufgefaßt werden, während sie auf einem großen Schiff, namentlich den
heutigen Vier- und Fünfmast-Schiffen, je nach der Windrichtung, als zwar
recht stark, aber für die Segelführung unter Umständen als recht günstig,
und darum auch niedriger geschätzt, angesehen wird. Das kleinere Schiff
wird durch die zunehmende See bald gezwungen werden, beizudrehen, sobald
eine Zunahme der Windstärke eintritt, während das große Schiff .die gebotene
günstige Gelegenheit voll auszunutzen imstande ist, ;
Die Tabellen.
Um eine genügende Übersicht über die Leistungen der verschiedenen
Schiffsgattungen zu erlangen, wurden die Resultate der einzelnen‘ Aus-
züge aus den meteorologischen. Tagebüchern nach Gruppen A bis G ge-
ordnet. Die Schiffe in den einzelnen Gruppen sind nach der Gattung und
Größe zusammengestellt, .z. B. Barkschiffe bis 500, 1000, 1500 Tonnengehalt
usw. Die Zahlen, welche links und rechts von dem Namen eines Schiffes