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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1902.
Unmöglich kann vorhergesagt werden, was der Geist Marconis und
Anderer, die in gleicher Richtung arbeiten, schliefslich vollführen wird; die
Anwendung der bemerkenswerthen erreichten Resultate ist gegenwärtig noch
in ihrer Kindheit. Aber wenn die dargelegten Schwierigkeiten überwunden
werden sollten, so dafs das System wirksam für Nebelsignale angewendet werden
könnte, so würde dies Niemand freudiger begrüfsen als die Behörden, deren amtliche
Pflicht es ist, für die Sicherung der Schiffahrt in den Küstengewässern zu sorgen.
Das, was hier über die Anwendung dieser Methoden soeben gesagt worden
ist, bezieht sich nur auf die Zwecke der Nebelsignale. Dagegen besteht guter
Grund zu hoffen, dafs als Mittel ‚der Verbindung zwischen aufsenliegenden
festen Feuerschiffen und der Küste dies System binnen Kurzem praktisch an-
gewandt werden wird. !) (Fortsetzung folgt.)
Kleinere Mittheilungen.
Wahrnehmungen von Stromgeschwindigkeiten und -richtungen vor
der Congo-Mündung am 15. April 1902 durch S. M. S. „Wolf“, Komdt. Kaptltn.
Bechtel. (Hierzu Tafel 15.) Am Mittag des 15. Aprıl 1902 war in der Nähe
der Congo - Mündung das observirte Mittagsbesteck 5° 42,7’S und 11° 55,7‘ 0.
Das Wasser war schon bereits seit 10 Uhr schmutziggrau gewesen und verrieth
zugleich mit dem Aräometer, welches 1,0120 zeigte, die nahe Congo-Mündung.
Land war noch nicht gesichtet worden. Mit Südsüdostkurs auf die Küste zu-
gehalten, sollte Land am nördlichen Congo-Ufer ausgemacht werden, was jedoch
nicht eintraf. Eine um 3* N. gewonnene Sonnenlänge, welche 11° 56,6‘ O ergab,
deutete bereits auf eine starke Stromversetzung nach West, die um so stärker
wurde, je näher das Schiff der tiefen Rinne des Congo kam. Eine Sonnenlänge
ergab um 4* 30” N. bereits eine Länge von etwa 11° 39‘O, was eine Strom-
versetzung in WNW 8 Sm in der Stunde bedeutet.
Um etwa 4 30” N. stand S. M. S. „Wolf“ auf der Südkante der tiefen
Rinne. Gegen 6 Uhr wurde Padrone - Feuer zum ersten Male gesichtet. Ein
Besteck aus zwei Sternstandlinien mit etwa 12° 3,8‘ O-Lg. deutete darauf hin,
dafs nunmehr bereits eine starke Versetzung nach Ost eingetreten war; diese
Wahrnehmung bestätigte sich im weiteren Verlaufe der Navigirung durch die
in der Skizze”) eingezeichneten halbstündlichen Peilungen von Padrone - Feuer,
zowie durch die um 6° 30” N. und um 8* 15” N, gewonnenen Sternstandlinien und
die Lothungen. Die auffallende Stromversetzung nach Ost, etwa 6 Sm von
50 N. des 15. April an, ist zum Theil wohl dem Fluthstrome zuzuschreiben,
welcher seit etwa 3"N. bereits eingesetzt hatte, nunmehr also voll lief, dann
aber auch dem starken Gegenstrome des Congo-Stromes. Dieser Gegenstrom
soll oft bis zu der halben Stärke wie der Hauptstrom laufen. Haupt- und
Gegenstrom bilden auf diese Weise einen fast geschlossenen Kreislauf von
Strömungen, wie dies mir auch durch den Ingenieur de ]’hydrographie du Congo-
Bas, dem ich zufällig den vorliegenden Fall mittheilen konnte, bestätigt wurde.
Schiffe mit geringer Geschwindigkeit sollten daher bei Ansteuerung des Congo
darauf gefafst sein, dafs der westliche Strom mitunter plötzlich in Ost umsetzt
und umgekehrt, und grofse Vorsicht im Navigiren üben.
Das Aräometer zeigt zweifellos das Brackwasser des Congo an. Die in
der britischen Admiralitäts-Karte No. 604 (Tit. VIII, No. 6) verzeichneten Tiefen
geben einen ausreichenden Anhalt; die tiefe Rinne, welche plötzlich aus flachem
Wasser abfällt, kann sicher festgestellt werden. Bei Lothungen sollte man
') An der deutschen Nordsee-Küste geschieht dies bereits. D. Red,
%) Nach der graphischen Darstellung, die auf mathematische Genauigkeit keinen Anspruch
machen kann, war der Strom noch stärker als eingezeichnet, Da jedoch eine Sonnenlänge um 4b 30mN,
schon nicht mehr allzu günstig, ist angenommen worden, dafs gerade diese Länge das Bild über-
(rieben zeichnet, und der Strom etwas kleiner angenommen worden.