Price-Edwardse, E.: Schallsignale.
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Dementsprechend führten die Aeltesten der Brüderschaft. des „Trinity
House“, als die höchste Autorität in Leuchtthurmangelegenheiten, unter Mit-
wirkung der Autoritäten für Schottland und Irland, welche Schallsignale rund
um die Küste errichtet haben, eine Reihe von Untersuchuugen herbei und zwar
auf der Nebelsignalstation, die mit der elektrischen Lichteinrichtung zu
St. Catherines Point auf der Insel Wight verbunden ist und an der Dampfkraft
zur Verfügung stand. Für die Untersuchungen wurde eine Special-Kommission
ernannt. Die gewählte Oertlichkeit gewährte einen weiten freien Raum für die
Beobachtungen auf See auf jede erforderliche Entfernung und innerhalb eines
Kreisbogens von 280°; der Dampfer des „Trinity House“ „Irene“ brachte nach
Wunsch die Beobachter von Punkt zu Punkt. Am 8. Mai 1901 wurde mit den
thatsächlichen Versuchen und Beobachtungen begonnen und dieselben von Tag
zu Tag fortlaufend bis zum 13. Juni 1901 durchgeführt. Die Beobachtungen
wurden systematisch von jedem Beobachter gemacht und in dafür entworfene
Formulare eingetragen. So wurden nicht weniger als 4600 Beobachtungen auf-
gezeichnet, welche nachher sorgfältig zusammengestellt und summirt wurden.
Die Ergebnisse dieser Zusammenstellungen‘ standen ganz in Einklang mit den
allgemeinen Ansichten, die die beobachtende Kommission sich gebildet hatte.
Ehe in die Untersuchung eingetreten wurde, hatte die Kommission er-
wogen, ob sie in die Versuche auch solche Projekte einschliefsen sollte, nach
denen Signale einem von Nebel besetzten Schiffe durch andere Mittel als den
Schall. gegeben werden könnten. Verschiedene elektrische Verfahren, ein-
schliefslich des Marconischen Apparates und anderer Erfindungen und Patente,
um Verbindung durch Schwingungen des Aethers herzustellen, waren WOr-
geschlagen worden, In Erwägung wurde auch der Gedanke gezogen, elektrische
Impulse von der Küste aus durch ein submarines Kabel zu entsenden; innerhalb
eines gewissen Gebietes in der Nähe des Kabels würden diese Impulse dann
entsprechende elektrische Induktionswirkungen in einem Empfänger an Bord
eines in dieses Gebiet kommenden Schiffes erzeugen. Diese Projekte schienen
jedoch noch nicht in einem solchen Stande der Entwickelung sich zu befinden,
um sie einer praktischen Prüfung in. Verbindung mit den Gegenständen der
Untersuchung zu unterwerfen. Auch wurde bedacht, dafs diese nur ver-
suchenden Experimente in Bezug auf die dabei möglicherweise auftretenden
Gesichtspunkte eine sehr lange Zeit in Anspruch nehmen und entsprechend
grofse Ausgaben nöthig machen würden und dafs schliefslich durch das Er-
gebnifs vielleicht der Sache kein wirklicher Dienst geleistet werden würde.
Natürlich ist sehr zu wünschen, dafs ein Verfahren dieser Art im Laufe der
Zeit sich erfolgreich ausbilde, um bei nebligem Wetter Warnungssignale zu
übermitteln. Ein solches Verfahren würde den grofsen Vorzug besitzen, von
den launenhaften Einflüssen des Wetters unabhängig zu sein; eg wird indessen
gut sein, für einen Augenblick ein oder zwei damit in Verbindung stehende
Punkte zu betrachten, an die nicht allgemein von vornherein gedacht werden
mag. Der wirkliche Werth eines Schallsignales für einen Seemann im Nebel
auf See ist der, dafs beim Hören desselben er sich wenigstens meistentheils
eine Meinung bilden kann über die annähernde Richtung, aus der es kommt, und
dafs demnach er von ihm abhalten kann. Im Falle von Schwingungen des Aethers
kann eine empfangene Botschaft den Namen der Station, von der sie herrührt, an-
zeigen, aber sie giebt keine Information darüber, in welcher Lage die Station
sich zu dem Empfänger befindet. Ferner giebt ein Schallsignal einigen Anhalt
für die Entfernung der Signalstation, sagen wir innerhalb 10 Sm, während eine
Botschaft ätherischer Schwingungen aus irgend welcher Entfernung kommen
kann, ohne dem Empfänger irgendwie ein Urtheil darüber zu ermöglichen, wie
weit die Signalstation entfernt ist.
In Bezug auf den anderen Plan, von der Küste aus durch ein submarines
Kabel elektrische Impulse zu entsenden, die durch einen entsprechenden Km-
pfänger auf dem Schiffe aufgenommen werden, ist ein Versuch durch eine
Königliche grofsbritannische Kommission bei dem „Goodwin“- Feuerschiffe ge-
macht worden. Dieses war mit einer gut ausgearbeiteten Einrichtung von
Spulen isolirten Drahtes versehen, in denen inducirte Ströme erzeugt zu sehen
erwartet wurde. Aber die Kommission berichtet, dafs eine Verständigung durch
Tieses System unmöglich war, da die elektrische Kraft sich fast gänzlich in der
ge verlor.